
Die Sägerei Kälin liegt am oberen Rand von Euthal. Die ca. zwei Kilometer lange Fernwärmeleitung versorgt inzwischen fast 30 Häuser mit Wärme. Weitere wollen sich bald anschliessen.
Alexandra Rozkosny/Schweizer Berghilfe
Zwei Drittel des Schweizer Waldes wachsen in den Bergen. Laut der Schweizer Berghilfe ist die Holzwirtschaft dort nach Landwirtschaft und Tourismus der drittwichtigste Arbeitgeber. Gleichzeitig stehen die meist kleinen Betriebe unter hohem Investitionsdruck und stossen dabei an ihre finanziellen Grenzen.
Um ihre Zukunft zu sichern, legt die Schweizer Berghilfe im Jahr 2026 einen Themenschwerpunkt auf die Holzwirtschaft im Berggebiet. Gemeinsam mit Lignum Schweiz hat sie diesen Schwerpunkt am Donnerstag in Zürich vorgestellt. Mit dem Schwerpunkt 2026 zugunsten der Holzwirtschaft im Berggebiet ruft die, ausschliesslich durch Spenden finanzierte Stiftung dazu auf, weitere wichtige Investitionen zu ermöglichen.
Fast ausschliesslich Kleinbetriebe
In der Schweiz wachsen jährlich rund 10 Millionen Kubikmeter neues Holz. Geerntet und genutzt werden jedoch nur etwa 5 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Es wächst also deutlich mehr Holz nach als geerntet wird. «Eine zusätzliche Million pro Jahr zu nutzen wäre problemlos und nachhaltig möglich», sagt Sandra Burlet von Lignum, der Dachorganisation der Schweizer Holzwirtschaft.

Endlich mehr Platz für effizientes Arbeiten: Firmeninhaber Werner Müller (rechts) und Sohn Patrick Müller vor der neuen Werkhalle in Wengen im Berner Oberland.
Yannick Andrea/Schweizer Berghilfe
Die Wertschöpfung aus diesem Rohstoff erfolgt fast ausschliesslich in Kleinbetrieben. In den Bergen sind 99 Prozent der holzverarbeitenden Firmen Klein- oder Kleinstbetriebe. Diese können aber nur weiterbestehen, wenn die Betriebe wirtschaftlich sind. «Das bedingt oft grosse Investitionen in neue Maschinen oder Werkräume», ergänzt Jaisli, Präsidentin des Stiftungsrats der Schweizer Berghilfe.
Drei kleine Holzverarbeitungsbetriebe
Die Schweizer Berghilfe zeigt anhand von Beispielen aus der Praxis, wie solche Investitionen aussehen können. So hat beispielsweise die Sägerei Kälin in Euthal zusätzlich eine Fernwärmeanlage aufgebaut, um dem Effizienzdruck zu begegnen und um Abfallholz aus der Region lokal zu nutzen.

In Appenzell entstehen unter dem Namen Timbaer ganz besondere Ski. Dano Waldburger (links) zeigt den patentierten Holzkern, Andreas Dobler einen fertigen Ski.
Yannick Andrea/Schweizer Berghilfe
Der Holzbaubetrieb Müller in Wengen wiederum investierte in eine neue Werkhalle. Neue Wege geht auch die Skimanufaktur Timbaer aus Appenzell. Zwei junge Unternehmer entwickelten dort eine eigene, holzbasierte Ski-Linie und schufen neue Arbeitsplätze.
32 Millionen für 580 Projekte
Solche Projekte kosten schnell mehrere hunderttausend Franken, wie die Schweizer Berghilfe festhält. Für viele Bergbetriebe sind sie allein nicht tragbar. Hier greift die Schweizer Berghilfe ein. In den letzten zehn Jahren hat sie knapp 190 Projekte der Holzwirtschaft mit insgesamt 12,7 Millionen Franken unterstützt.
Im Jahr 2025 leisteten 53’000 Spenderinnen und Spender Beiträge von über 33 Millionen Franken. Im selben Jahr unterstützte die Schweizer Berghilfe mit über 32 Millionen Franken insgesamt 580 Projekte im Berggebiet.
«Es sind allesamt Projekte, die die Zukunftsfähigkeit der Betriebe stärken. Mit dieser ‹Hilfe zur Selbsthilfe› im Berggebiet können wir mithelfen, der Abwanderung entgegenzuwirken», sagt Geschäftsführer Kurt Zgraggen. Dadurch werde auch ein Vielfaches an Investitionen ausgelöst, die beim lokalen Gewerbe weitere Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen.
-> Hier finden Sie weitere Informationen zum Schwerpunkt Holzwirtschaft der Schweizer Berghilfe.