«So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt der Forscher Arthur Gessler vom Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Kaum Regen, dazu eine Hitze, wie es sie in dieser Form noch nicht gegeben habe: Der Sommer 2026 ist nach heutigen Massstäben extrem. Mit dem Klimawandel könnten solche Sommer jedoch zur neuen Normalität werden. «Es zeigt uns, was auf uns zukommen wird», sagt Gessler.
Um zu erkennen, dass der Wald Schaden genommen hat, braucht es keine Fachkenntnisse: Einige bewaldete Hügel sind braun wie im Spätherbst. Besonders deutlich zeigen sich die Schäden bei der Buche, der prägenden Baumart vieler Wälder im Jura.
Verfärbung deutlich früher eingesetzt
Bereits der heisse und trockene Sommer 2018 hatte den Buchen zugesetzt. Rund fünf Prozent der Buchenwaldflächen in der Schweiz verfärbten sich damals vorzeitig, wie das WSL in einer Studie feststellte. Für 2026 liegen noch keine vergleichbaren Zahlen vor. Klar ist jedoch: In vielen Regionen hat die Verfärbung deutlich früher eingesetzt.
Wie viele dieser Bäume im nächsten Frühjahr wieder austreiben und wie viele absterben werden, ist unklar. Frühere Untersuchungen zeigen jedoch, dass bei Buchen, die frühzeitig braunes Laub bekommen, die Sterblichkeit deutlich erhöht ist. Mehrere Trockenheitsjahre in Folge können die Auswirkungen zusätzlich verstärken.
«Der Wald wird anders aussehen»
Eines ist klar: «Der Wald wird in Zukunft anders aussehen», sagt Andri Baltensweiler, ebenfalls Forscher an der WSL. Klimamodelle und Simulationen können Hinweise darauf geben, welche Baumarten unter veränderten Bedingungen an einem bestimmten Standort bestehen können. Eiche und Ahorn gelten dabei etwa als mögliche Hoffnungsträger.
Doch einen einfachen Fahrplan für den Wald der Zukunft liefern die Modelle nicht. Denn welche Baumart an einem bestimmten Ort eine Chance hat, hängt nicht allein von der Temperatur ab. Auch Boden, Wasserverfügbarkeit, Höhenlage und die Ausrichtung eines Hangs spielen eine entscheidende Rolle.
Sind die Böden anders?
Wie gross diese Unterschiede sein können, zeigt sich sogar auf kleinstem Raum. Das beobachtet auch der Grenchner Revierförster Patrick Mosimann. Als er in der «Tagesschau» des Schweizer Radios und Fernsehens SRF Aufnahmen aus dem Wald im Thal sah, war er erstaunt: Nur rund 30 Kilometer entfernt, im selben Kanton Solothurn, war der Wald deutlich stärker geschädigt als in seinem Revier.
Warum? Hat es in Grenchen mehr geregnet? Sind die Böden anders? Oder liegt es an der Waldbewirtschaftung? Mosimann wandte sich mit diesen Fragen an das WSL.
Die Forschenden reisten vergangene Woche nach Grenchen, um den Unterschieden genauer auf den Grund zu gehen. Eine abschliessende Erklärung haben sie noch nicht. Sie wollen das Waldgebiet deshalb genauer untersuchen.
Erfahrungen werden gesammelt
«Erfahrungen werden jetzt gesammelt», sagt WSL-Forscher Frank Krumm in Grenchen. Der Wald der Zukunft lässt sich nicht einfach nach einem festen Rezept pflanzen. «Waldbau stur nach Lehrbuch ist keine gute Idee», sagt Krumm. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen vor Ort.
Für die Försterinnen und Förster ist das eine grosse Herausforderung: Sie müssen beobachten, ausprobieren und aus den Erfahrungen lernen. Der Klimawandel zwinge die Forstwirtschaft dazu, flexibler zu werden.
Die Kunst werde darin liegen, verschiedene Ansätze miteinander zu verbinden. Entscheidend sei, die Vielfalt im Wald zu erhöhen. Denn je mehr unterschiedliche Baumarten vorhanden sind, desto grösser ist die Chance, dass zumindest ein Teil des Bestandes mit den künftigen Bedingungen zurechtkommt, sind sich die Forschenden einig.
Ausserdem, fügt Gessler an, müsse die Klimaerwärmung begrenzt werden. «Jedes Zehntelgrad hilft uns, den Wald zu erhalten», betont er.

Erfahrungen von südlich gelegenen Ländern wird helfen.