Um einen gesunden Bestand aufzubauen, braucht man aber die richtigen Ökotypen – diese werden nun im Rahmen des Projektes «Cedrus4Clim» mit der Uni für Bodenkultur in Wien getestet.
Auf einer 2,5 Hektar grossen Fläche der Forstverwaltung in der oberösterreichischen Gemeinde Aistersheim stehen acht verschiedene Ökotypen der Libanon Zede r und zwei der Atlas Zeder. Es sind insgesamt rund 3000 Bäumchen.
Die Fläche war früher ein Fichten-Eichen-Bestand und musste nach einem Schadereignis aufgeforstet werden, schildert Forstberater Joachim Pennetzdorfer von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, ohne menschliches Zutun würde hier Eiche aufkommen.
Verschiedene Versuchsflächen
Auf weiteren Flächen in Niederösterreich und dem Burgenland gibt es ähnliche Versuchsanordnungen. «Die Idee war: Wir machen das auf einem Ost-West-Gradienten», erklärt Projektleiter Raphael Thomas Klumpp vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur. Das Burgenland habe mediterran-kontinentales Klima, Oberösterreich sei schon atlantisch (gemässigter, feuchter) getönt, Niederösterreich liege dazwischen.
Man will sich ansehen, welche Ökotypen sich wo gut entwickeln. Daneben gibt es auch Flächen für Saatgutgewinnung, damit man – wenn man weiss, welche Kandidaten sich bewährt haben – Saatgut ernten könne, sagt Stephan Rechberger, Referent in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die Projektpartnerin bei Cedrus4Clim ist.
Das Hauptverbreitungsgebiet der Libanon Zeder ist in der Türkei. Sie ist aber auch im Libanon zu Hause. Die Heimat der Atlas Zeder sind nordafrikanische Gebirgsregionen. Nicht zu verwechseln sind diese beiden «echten» Zedernarten mit der oft als Rotzeder (Red Cedar) bezeichneten Riesenthuja aus Nordamerika, die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts auch eine gewisse Rolle in der heimischen Forstwirtschaft spielt, erklärt Rechberger.
Klumpp setzt in die Libanon Zeder, die er seit mehr als 20 Jahren erforscht, mehr Hoffnung als in die Atlas Zeder, denn diese sei «sehr viel empfindlicher» und leide unter Trockenheit. Schwierigkeiten hätten fast alle Mittelmeer Baumarten allerdings mit Frost. Wie sehr die verschiedenen Ökotypen dem trotzen, gilt es nun auszutesten.
Dass die Zedern einst die Fichten ablösen werden, erwartet er aber keinesfalls, schon alleine aus Kostengründen: «Eine Zedernpflanze ist deutlich teurer als die heimischen Nadelhölzer», man werde in Österreich also nicht «von heute auf morgen tausende Hektar Zedernwälder haben».
Fichte bleibt wichtigstes Holz
Das wichtigste Holz für Forst- und Holzwirtschaft sei nach wie vor die Fichte, so Klumpp. Sie sei «leicht und stabil» und daher – wie auch die Tanne – gut als Bauholz geeignet, während Buche und Eiche zu schwer dafür seien.
«In den Alpen haben wir grosse natürliche Verbreitungsgebiete der Fichte und damit können wir weiter arbeiten.» Problematisch seien aber durch den Menschen angelegte Fichtenwälder in tieferen Lagen, die Schwierigkeiten mit den immer häufiger werdenden langen Trockenperioden haben.
Behelfen könne man sich eventuell mit der Douglasie aus Nordamerika oder eben mit Zedern, die ein wertvolles Holz liefern, ähnlich jenem der Zirbe, das sich auch als Bauholz eigne. «Auf Südhängen würde ich heute die Zeder empfehlen, kombiniert mit Weisstanne und auch mit Buche, gruppenweise gemischt», sagt Klumpp.
Libanon Zeder für Südhänge geeignet
Über die Ansprüche der Libanon Zeder ist schon vieles bekannt. Sie braucht luftdurchlässige Böden, Staunässe oder wechselfeuchte Standorte mag sie gar nicht. Nachteil der Zeder: Sie sei nicht so feuerresistent wie etwa Lärche oder Douglasie.
Unterm Strich könnte die Zeder also ein sinnvoller Baustein einer klimafitten Forstwirtschaft sein. Aber bevor Waldbesitzer beginnen, Zedernflächen aufzuforsten, will man die Ökotypen erforschen, um ihnen die richtigen Pflanzen an die Hand geben zu können.
