Nur jeder fünfte Baum gesund

Trotz guter Wetterbedingungen im vergangenen Jahr ist der Zustand der deutschen Wälder kritisch geblieben. Sie haben sich bis heute nicht von den Dürrejahren 2018 bis 2020 erholt. Das zeigt die aktuelle Waldzustandserhebung. Nach wie vor bestehen grosse Herausforderungen durch Klimawandel und Waldbewirtschaftung.

Den deutschen Wäldern geht es trotz passabler Wetterbedingungen im vergangenen Jahr weiterhin schlecht. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Waldzustandserhebung, die dem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgelegt wurden. Der Wald habe sich bis heute nicht von den Dürrejahren 2018 bis 2020 erholt, heisst es in dem Bericht.

Weiterhin sei nur jeder fünfte Baum gesund. Kaum Veränderungen gebe es im bundesweiten Durchschnitt beim Kronenzustand. Allerdings sei sowohl bei Laub- als auch bei Nadelbäumen die Zahl neu abgestorbener Bäume zurückgegangen.

Eine Mammutaufgabe

Minister Rainer hob hervor, dass sich der Zustand der Wälder im Vergleich zu 2024 insgesamt nicht weiter verschlechtert habe. Das sei auch ein Erfolg des langjährigen Umbaus hin zu produktiven und artenreichen Mischwäldern, die den Klimaveränderungen trotzen könnten.

Allerdings sei die nachhaltige, aktive Waldbewirtschaftung eine Mammutaufgabe, räumte der Ressortchef ein. Er will dabei auf Verlässlichkeit, Eigenverantwortung und eine gezielte Förderung setzen: «Wir bauen Bürokratie konsequent ab und investieren in unsere Wälder».

Kiefer stark betroffen

Wie aus dem Bericht hervorgeht, konnte der Vitalitätszustand des Waldes vor den Dürrejahren 2018 bis 2020 bisher nicht wieder erreicht werden. Auch 2025 waren die Kronenverlichtungen, also die sichtbaren Nadel- und Blattverluste der Baumkronen, auf einem sehr hohen Niveau. Am höchsten war der Anteil deutlicher Kronenverlichtungen mit 51% bei der Eiche. Hier war gegenüber 2024 keine Besserung zu erkennen. Bei der Buche sank der Anteil hingegen von 46% in Vorjahr auf 38%.

Die Fichte wies 2025 ebenfalls einen Anteil deutlicher Kronenverlichtungen von 38% auf; das war im Vergleich zu 2024 ein Rückgang um 1 Prozentpunkt. Deutlich schlechter verlief die Entwicklung bei der Kiefer; hier legte der Anteil von 24 auf 31% zu. Die Waldzustandserhebung wird von den Ländern in einem systematischen Stichprobennetz durchgeführt. Das Bundesergebnis wird am Thünen-Institut berechnet.

Kampf gegen den Klimawandel

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) verwies auf Extremereignisse wie Trockenheit, die den heimischen Wäldern weiterhin stark zu schaffen machten. Die Waldbesitzer reagierten auf die Auswirkungen des Klimawandels, indem sie die Wälder konsequent mit standortgerechten Baumarten umbauten, so AGDW-Präsident Andreas Bitter. Allerdings benötigten sie dafür verlässliche politische Rahmenbedingungen. Genau dies werde aber durch das Naturwiederherstellungsgesetz (NRL) mit seiner auf historische Leitbilder fixierten Orientierung auf Lebensraumtypen gefährdet.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) beobachtet indes mit Sorge, dass in der aktuellen Debatte teilweise der Eindruck entstehe, die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die sichtbaren Schäden in den Wäldern stünden in einem direkten Zusammenhang. Eine solche Verkürzung greife zu kurz und werde der Komplexität der Situation nicht gerecht, betonte DFWR-Präsident Christian Haase. Die Kronenverlichtungen bei Eichen, Buchen und anderen Baumarten seien vor allem ein Ausdruck der massiven klimatischen Belastungen der vergangenen Jahre.

Ruf nach Waldumbau

Der EU-Parlamentarier Martin Häusling warf Minister Rainer Realitätsverweigerung vor. «Was wir im Wald erleben, ist Ausdruck einer tiefen ökologischen Krise», so der Grünen-Politiker. Wer ernsthaft für stabile, zukunftsfähige Wälder eintreten wolle, müsse endlich aktive Waldpolitik betreiben. Dazu gehören für Häusling die Förderung klimaresilienter Mischwälder, der Schutz besonders artenreicher Wälder, eine konstante Erfüllung von Jagdquoten, die bessere Finanzierung für naturnahe Bewirtschaftung und vor allem eine entschlossene Klimapolitik.

Die Umweltverbände bekräftigten ihren Ruf nach einem Umbau der Wälder. Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) braucht es ökologische Leitplanken für Wirtschaftswälder, 15% Naturwälder ohne forstliche Nutzung und die Förderung heimischer Laubwälder. Für alte Buchenwälder fordert der BUND einen bundesweiten Einschlagstopp, um ihr Kronendach bestmöglich zu schützen.

Vielfältige Mischwälder

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) will klimaresiliente Waldökosysteme stärken, die mit den Folgen der Klimakrise besser umgehen könnten. Dazu gehörten vielfältige Mischwälder mit heimischen Baumarten, der Schutz alter Wälder und deutlich mehr Raum für natürliche Prozesse.

Auch vom World Wide Fund for Nature (WWF) kam Kritik an Minister Rainer. Der CSU-Politiker fokussiere sich einzig auf die Produktion von Holz. Für besonders problematisch hält der WWF den Widerstand von CDU und CSU gegen das NRL. Diese Blockade sei nicht nur kurzsichtig, sondern klare Klientelpolitik zugunsten einer Forstwirtschaft, die weiterhin zu sehr auf nicht heimische Nadelhölzer wie die Douglasie setze

Kommentare (1)

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  • proton | 30.05.2026

    Interessanter Beitrag, wenn er den Schweizer Wald beträffe. Der Deutsche Wald ist eigentlich eher sekundär, primär möchte ich den Zustand unseres Waldes kennen lernen.

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