Ein geringerer Zuwachs beim Stammdurchmesser hat Konsequenzen: Der Temperaturanstieg könnte theoretisch dazu führen, dass unsere Wälder mehr CO2 binden. «Es wurde angenommen, dass sich mit einer längeren warmen Jahreszeit negative Folgen des Klimawandels teilweise kompensieren lassen. Das ist leider nicht der Fall», sagt Arun K. Bose, Ökologe an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Das hat Folgen für die Leistungen, die Wälder erbringen.
Hitze- und Trockenperioden
Bose hat in seiner Studie das Wachstum von fünf der häufigsten Baumarten an 48 Standorten in der Schweiz ausgewertet. «Über die letzten elf Jahre hat sich die Vegetationsperiode um mehrere Tage nach vorne verschoben. Das ist der Zeitraum des Jahres, in dem Bäume Fotosynthese betreiben können», erklärt Bose.
In einzelnen Jahren sind die ersten Stammradiuszuwächse sogar zwei bis drei Wochen früher messbar als zu Beginn der 2000er-Jahre. Gleichzeitig aber nehmen Hitze- und Trockenperioden zu – und genau sie bremsen das Wachstum. Tatsächlich resultierte zwischen 2012 und 2022 bei keiner der untersuchten Baumarten ein stärkeres Wachstum. Bei Eichen und Föhren blieb der Zuwachs konstant, Fichten, Weisstannen und Buchen wuchsen sogar weniger. Keine der untersuchten Baumarten profitierte aber vom wärmeren Klima, heisst es in der Mitteilung des WSL weiter.
Nur wenige Wachstumstage pro Jahr
Der Grund dafür liegt im Wasserhaushalt der Bäume. Entscheidend dafür, wie stark ein Baum wächst, ist nicht die Länge der Vegetationsperiode, sondern die Anzahl der Tage, an denen tatsächlich Stammzuwachs stattfindet. Diese hängt davon ab, ob genügend Wasser verfügbar ist. Ist es zu heiss und zu trocken, verdunstet mehr Wasser, als über die Wurzeln aufgenommen werden kann, der Baum gerät unter Stress, das Wachstum stoppt. Pro Jahr bleiben somit je nach Baumart und Witterung nur 40 bis 110 Wachstumstage übrig.

Ein geringeres Wachstum bedeutet weniger Kohlenstoffspeicherung und neue Herausforderungen für die Waldnutzung.
Monika Gerlach
«Am Schluss entscheiden einzelne Tage und Stunden, wie viel ein Baum wächst», sagt WSL-Forscher Arun Bose. «Fallen einige durch vermehrte Hitze- und Trockenperioden weg, fehlt ein grosser Teil des jährlichen Stammzuwachses», fährt er fort. Ein früherer Start nütze somit wenig, wenn Hitze und Trockenheit die kritischen Wachstumsphasen verkürzen.
Weniger Holz
Auch die Waldwirtschaft ist davon betroffen. Werden die Sommerhalbjahre wärmer und trockener, können Forstbetriebe tendenziell weniger Holz ernten. «Wie Bäume auf den Klimawandel reagieren, hängt sowohl vom Standort als auch der Art ab. Deshalb ist es wichtig, Management-Strategien lokal und artenspezifisch zu beurteilen», hält Bose fest.
Folgen hat das auch für das Klima. Wälder verlangsamen die Klimaerwärmung, indem sie CO2 aufnehmen und im Holz speichern. Je grösser der Stammdurchmesser, desto mehr Kohlenstoff ist in einem Baum gebunden. «Wenn die effektive Wachstumszeit der wichtigsten Arten abnimmt, sinkt somit auch die Aufnahmekapazität», schreibt die WSL.

Es besteht schon heute eine Unternutzung des Zuwächse. Also alles halb so schlimm.