Unsichtbare Gefahr im Hackschnitzelhaufen

Die Nutzung von Energieholz nimmt zu. Damit steigt auch die Menge an Holzhackschnitzeln, die auf Landwirtschaftsbetrieben gelagert werden. Unter welchen Bedingungen sich diese selbst entzünden und welche vorbeugenden Massnahmen dagegen getroffen werden können, erklärt die BUL.

pd/clu |

Holzhackschnitzel können sich insbesondere dann erwärmen, wenn die Hackschnitzel frisch und feucht eingelagert werden. In einem Hackschnitzelhaufen führen laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) Feuchtigkeit und Sauerstoff zunächst zu mikrobiellen Abbauprozessen, bei denen Wärme entsteht. Sei der Vorrat gross, stark verdichtet oder ungenügend belüftet, könne diese Wärme im Innern nicht entweichen und staue sich an.

In der Folge setzen Oxidationsreaktionen ein. Dadurch kann die Temperatur über mehrere Tage hinweg ansteigen, bis es im schlimmsten Fall zu einer Selbstentzündung kommt. Besonders kritisch sind gemäss der Beratungsstelle die ersten Wochen nach dem Hacken, vor allem bei starker Staubentwicklung und einer uneinheitlichen Korngrössenverteilung.

Worauf deshalb zu achten ist und mit welchen Massnahmen vorgebeugt werden kann, erläutert die BUL im nachfolgenden Fachartikel.

Was sich im Schnitzelbunker ändert

Im Schnitzelbunkern oder Lagerräumen unter Gebäuden kann entstehende Wärme nur schwer entweichen. Dadurch bleibt eine Erwärmung im Innern oft lange unbemerkt. Zusätzlich kann es durch Gärprozesse zur Bildung von Kohlenmonoxid (CO) kommen. Dieses Gas ist einerseits ein Hinweis auf eine Störung, bildet andererseits aber auch eine Gefahr beim Öffnen des Lagerraumes, insbesondere in engen oder geschlossenen Räumen. 

Entzündet sich der Hackschnitzelvorrat selbst, können Entnahme- und Fördereinrichtungen wie Schnecken, Schieber oder Förderbänder einen Brandherd bis in die Heizzentrale weitertragen. Im oberen Bereich des Lagerraumes bilden sich brennbare Staubablagerungen, welche sich bereits durch kleine Zündquellen entzünden und eine Brandausbreitung begünstigen können. 

Auch bauliche Schutzmassnahmen sind entscheidend. Bei Türöffnungen ist an der Innenseite eine stabile Rückhaltevorrichtung anzubringen, damit die Schnitzel nicht gegen die Türe drücken und diese blockieren. Lager- und Hydraulikräume müssen einwandfrei belüftet sein. Wird die Abluft eines Heizraumes über den Hydraulik-/Lagerraum ins Freie geführt, muss in der Wand des Heizraumes eine motorisch angetriebene Brandschutzklappe mit Feuerwiderstand EI 30-S eingebaut werden. Die Klappe muss beim Ausschalten des Ventilators und im Brandfall sowie beim Ausfall der Klappen- oder Heizungssteuerung selbsttätig schliessen. 

Besondere Aufmerksamkeit gilt elektrischen Installationen. In Schnitzellagern sind nur die installationsbedingt notwendigen elektrischen Einrichtungen zulässig. Sie müssen fest montiert sein und der technischen Norm «Niederspannungsinstallationen» (NIN) von Electrosuisse (SEV) für feuergefährdete Räume mit brennbarem Staub entsprechen. Die Schalter sind ausserhalb der Lager anzubringen. Zudem ist sicherzustellen, dass Beleuchtungen nicht unbeabsichtigt eingeschaltet bleiben, etwa durch Kontrolllampen, Türkontakte oder Zeitschaltuhren.

Äussere Zündquellen als häufige Ursachen

Zu den klassischen Brandverursachern zählen Funken, etwa durch Schleifen oder Schweissen, weggeworfene Zigaretten, defekte elektrische Anlagen sowie mechanische Überhitzung. Auch verschmutzte Motoren oder ein Glutrückbrand aus dem Kessel, beispielsweise durch fehlende oder defekte Rückbrandsicherung, bzw. Rückschlagklappen, können Brände auslösen. Zusätzlich steigt das Brandrisiko, wenn sich der Lagerbereich für Hackschnitzel in unmittelbarer Nähe einer Werkstatt oder von wärmeerzeugenden Maschinen befindet. 

Praktische Regeln zur sicheren Lagerung

  • Frische Hackschnitzel nicht direkt vom Häcksler in einen Lagerbunker einbringen. 
  • Durch Nägel und Metallteile im Holz besteht Zündgefahr beim Hacken. 
  • Einen bereits warmen Bestand nicht mit frischen Hackschnitzeln abdecken.
  • Lagermengen aufteilen und die Schütthöhe begrenzen.
  • Verdichtungen und tote Zonen, in denen das Material kaum bewegt wird und sich dadurch eher erwärmen kann, vermeiden.
  • Auf einem befestigten, sauberen und gut entwässerten Untergrund lagern, nicht auf Paletten, Gras oder Abfällen.
  • Für gute Belüftung sorgen: idealerweise unter einem gut gelüfteten Unterstand lagern. In Silos/Lagerräumen vorgesehene Gitter und Lüftungsöffnungen frei halten. Keine Abdeckung mit luftdichten Planen.
  • Auf eine gute Qualität achten: möglichst wenig Staub, gleichmässige Körnung, kontrollierte Feuchte und einen raschen Lagerumschlag sicherstellen. 

Überwachung und Vorgehen

Der Lagerbestand sollte regelmässig kontrolliert werden, im Sommer oder nach der Anlieferung besonders häufig. Lange Messsonden oder fest installierte Sensoren für die Überwachung der Temperatur und gegebenenfalls der Kohlenmonoxid-Konzentration (CO) sind vor allem in Lagerräumen sehr hilfreich. 

Warnzeichen für erwärmte Hackschnitzellager sind Gärgeruch, Dampf, leichter Rauch, ungewöhnliche Verdichtungen oder das wiederholte Auslösen von Sicherheitselementen. Wird eine Erwärmung festgestellt, sollte die betroffene Charge isoliert und der  Bereich abgesperrt werden. Anschliessend kann das Material auf einer nicht brennbaren Fläche in einer dünnen Schicht verteilt werden, damit sich die Wärme nicht weiter staut («SchnellkochtopfEffekt»).

In geschlossenen Lagerräumen ist besondere Vorsicht nötig: Ein abruptes Öffnen oder das Umschichten eines heissen Kerns kann durch die plötzliche Sauerstoffzufuhr die Entstehung eines Brandes beschleunigen. In dieser Situation Förderanlagen stoppen, Leitungen isolieren und bei Rauchentwicklung oder Gasaustritt umgehend die Rettungskräfte alarmieren.

Staub und Überdruck: ein wichtiger Punkt

In geschlossenen Anlagen kann sich bei Schüttvorgängen oder beim Anlaufen eines Förderbandes eine brennbare Staubwolke bilden. Wird diese entzündet, kann es zu einer raschen Brandentwicklung oder sogar zu einer Explosion kommen.

Deshalb sind konsequente Sauberkeit und eine wirksame Staubkontrolle entscheidend, etwa durch Absaugung und regelmässige Reinigung. Ebenso wichtig sind die Erdung metallischer Bauteile sowie geeignete Sicherheitseinrichtungen wie Funkenüberwachung, Not-Aus-Schalter sowie Brandschutz- und Rückschlagklappen. Je nach Anlagenkonfiguration können zusätzlich Druckentlastungsvorrichtungen erforderlich sein.

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