Waldschweiz zieht kritische Bilanz

An der Delegiertenversammlung von Waldschweiz in Bramois VS zog Präsident Daniel Fässler eine kritische Bilanz des vergangenen Verbandsjahres. Der Verband sieht den Wald politisch zunehmend unter Druck – insbesondere bei den Sparmassnahmen des Bundes und der Diskussion um den Rodungsersatz.

Das vom Bundesrat vorgeschlagene Entlastungspaket 27 (EP 27) zielte darauf ab, den Bundeshaushalt zu entlasten. Aus Sicht von Waldschweiz konnten dabei die grössten Nachteile für die Waldbranche verhindert werden, heisst es in einer Mitteilung. «Dank grossen Anstrengungen und der Unterstützung einer breiten politischen Allianz konnte der drohende Teilrückzug des Bundes aus seiner Verantwortung weitgehend abgewendet werden», sagte Präsident Daniel Fässler an der Delegiertenversammlung.

So blieben wichtige finanzielle Mittel für die forstliche Ausbildung erhalten, und auch grössere Kürzungen bei den Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen konnten verhindert werden. Statt der ursprünglich vorgesehenen zehn Prozent müssen lediglich zwei Prozent eingespart werden. Weggefallen sind hingegen Beiträge für Zivildiensteinsätze im Wald, etwa zur Bekämpfung invasiver Neophyten.

Rodungsersatz bleibt umstritten

Kritisch beurteilt Waldschweiz die vom Parlament angenommene Motion «Mehr Flexibilität beim Rodungsersatz». Der Verband befürchtet, dass der Wald angesichts des zunehmenden Ausbaus von Verkehrs- und Energieinfrastrukturen zusätzlich unter Druck gerät.

Positiv bewertet Fässler jedoch das weitere Vorgehen des Bundes: «Immerhin wird der Bund nun zuerst prüfen, ob effektiv ein Handlungsbedarf besteht, oder ob das geltende Recht die gewünschte Flexibilität bereits ermöglicht.»

Zur Motion «Mehr Flexibilität beim Rodungsersatz»

Die Motion «Mehr Flexibilität beim Rodungsersatz» will die Regeln für den Ersatz von gerodetem Wald lockern.

Heute gilt in der Schweiz grundsätzlich das Prinzip: Wer Wald rodet, muss an anderer Stelle wieder gleich viel Wald aufforsten (Realersatz). Dieses Prinzip soll die Waldfläche langfristig erhalten.

Die Motion fordert, dass der Rodungsersatz künftig nicht mehr zwingend flächenmässig erfolgen muss. Stattdessen soll der Ersatz vermehrt qualitativ erbracht werden. Das bedeutet beispielsweise:

  • bestehende Wälder ökologisch aufwerten
  • die Biodiversität im Wald verbessern
  • Schutzwälder gezielt stärken
  • oder andere Massnahmen finanzieren, die den Wald insgesamt aufwerten.

Ausgenommen bleiben temporäre Rodungen, bei denen der Wald später wieder nachwächst.

Neuer Zentralvorstand gewählt

Neben den politischen Themen blickte Waldschweiz auf ein erfolgreiches Verbandsjahr zurück. Dazu gehörten unter anderem der Auftritt an der Forstmesse Luzern, neue Informationsbroschüren sowie die Lancierung eines neuen WaldShops.

Personell verabschiedete der Verband nach 13 Jahren Zentralvorstandsmitglied Felix Lüscher. Zu seinem Nachfolger wählten die Delegierten Matthias Kläy. Der 54-jährige Umweltnaturwissenschaftler ETH leitet seit 2018 den Forstbetrieb Region Zofingen.

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