Wald unter wachsendem politischem und finanziellem Druck

Sparmassnahmen des Bundes und politische Vorstösse gefährden zentrale Anliegen der Wald- und Holzwirtschaft – von der Arbeitssicherheit bis zur nachhaltigen Nutzung. Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) zieht Bilanz über das Jahr 2025. Mehr dazu im 9. Teil der 14-teiligen Jahresrückblick-Serie.

Benno Schmid, WaldSchweiz |

Der Wald – immerhin ein Drittel der Schweizer Landesfläche – gerät zunehmend unter Druck. Erkennbar ist dies bei den Sparbemühungen des Bundes aber auch bei politischen Vorstössen. Die Bundesfinanzen sind aus dem Lot. Für den Verband der Waldeigentümer WaldSchweiz ist klar, dass auch die Waldbranche ihren Teil zum Entlastungspaket 27 des Bundeshaushalts beitragen muss.

Störend ist, dass es beim Entlastungspaket 27 nicht nur um finanzielle, sondern auch um inhaltliche Aspekte geht und einzelne Entlastungsmassnahmen mit Gesetzesänderungen gekoppelt wurden, ohne davor eine echte Diskussion geführt zu haben.

Parlament muss nachbessern

Bei den vorgeschlagenen Massnahmen würde etwa der Verzicht auf die Förderung im Bereich der Umweltbildung die Waldbranche empfindlich treffen. Dazu gehören nämlich auch die Sicherheitsholzereikurse für Waldbesitzende, Landwirtinnen und Landwirte und andere forstlich ungelernte Arbeitskräfte, die temporär im Wald arbeiten und mit ihrer Tätigkeit besonders in waldreichen Randregionen einen unverzichtbaren Beitrag zur Walderhaltung leisten.

Diese Kurse sollen gemäss Vorschlag des Bundesrats nicht mehr finanziell unterstützt werden. Das untergräbt die Bestrebungen in der Arbeitssicherheit, zumal die Waldarbeit nach wie vor zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Arbeitswelt zählt. Hier muss das Parlament noch nachbessern.

Rodungsverbot als Schutz

Die vom Parlament angenommene Motion von Benedikt Würth «Mehr Flexibilität beim Rodungsersatz» verlangt, dass – abgesehen von temporären Waldrodungen – der Rodungsersatz zukünftig zu wesentlichen Teilen qualitativ erfolgen soll. Die Motion wird damit begründet, dass die Waldfläche in der Schweiz zunimmt und nicht mehr bedroht ist.

Das ist über die ganze Schweiz gesehen nicht unrichtig, doch finden über 90 Prozent der Waldflächenzunahme oberhalb von 1’000 Metern über Meer statt, meist in steilen, forstwirtschaftlich kaum erschlossenen Lagen. Im Mittelland dagegen steht der Wald unter erhöhtem Nutzungsdruck und muss auch 150 Jahren nach dem ersten Waldgesetz mit einem Rodungsverbot geschützt werden.

Das schliesst nicht aus, dass es im Vollzug durch die Kantone einen pragmatischen Ansatz braucht, um etwa Wald nicht gegen landwirtschaftliches Kulturland auszuspielen. Als nächstes sollte nun unter der Leitung des zuständigen Bundesamts eine Lageanalyse erstellt werden, welche die Basis für eine sachliche Diskussion darstellt.

Preisempfehlungen für Schweizer Rohholz wieder möglich

Am 1. August 2025 ist der neue Art. 41b Waldgesetz in Kraft getreten. Gemäss diesem können künftig wieder Preisempfehlungen für Schweizer Rohholz veröffentlicht werden. Im Herbst 2025 wurden deshalb die Vorarbeiten für eine neue Holzmarktkommission gestartet. Diese setzt sich paritätisch zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Organisationen der Waldeigentümer – also WaldSchweiz – sowie der Abnehmerseite, der Organisation Holzindustrie Schweiz.

Die Landwirtschaft sitzt mit einem Vertreter auf Seiten der Holzlieferanten ebenfalls am Verhandlungstisch. Die Ziele der neuen Holzmarktkommission sind die Analyse des Holzmarktes, der Abgleich von Angebot und Nachfrage, die Behandlung strategischer Fragen rund um das Rohholz sowie die Diskussion und konsensuelle Festlegung von Richtpreisen für Schweizer Rohholz.

Im Zentrum soll die Schaffung von Mehrwert für Waldeigentümer und Holzabnehmer stehen. Eine erste Sitzung zur Festlegung von Preisempfehlungen ist für Januar 2026 vorgesehen.

Integrale Wald- und Holzstrategie

Der Bundesrat hat Ende 2025 die Integrale Wald- und Holzstrategie 2050 (IWHS) verabschiedet. Darin werden Ziele und Handlungsmassnahmen für eine umfassende Wald- und Holzpolitik neu aufgelegt. Es wird unter anderem gefordert, dass in den nächsten Jahren eine Million Kubikmeter mehr Holz in den Schweizer Wäldern genutzt werden sollte.

WaldSchweiz fordert, was die Umsetzung der IWHS angeht, einen angemessenen Einbezug ein. Denn die Erreichung eines solch anspruchsvollen Ziels gelingt nur, wenn alle – Wald- und Holzwirtschaft – am gleichen Strick ziehen.

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