Warum Europas Bäume sterben

In Europa sterben Bäume nicht nur wegen Trockenheit. Laut einer neuen Studie gehen beispielsweise Weisstannen auch nach eigentlich idealen Wachstumsbedingungen ein.

Buchen mit braunen Blättern im Sommer, Fichten, die nach Borkenkäferfrass verdorren, umgeknickte Bäume nach einem starken Sturm: «In ganz Europa gibt es seit rund zwanzig Jahren Anzeichen, dass immer mehr Bäume verfrüht absterben», heisst es in der einer Mitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Die Forschenden wollten herausfinden, ob sie darin Muster erkennen können, warum die Bäume absterben. Dank einer Kombination verschiedener Computermodelle und maschinellem Lernen konnten sie zeigen, dass neben der Baumgrösse und Konkurrenzverhältnissen insbesondere Abweichungen vom üblichen saisonalen Klima das Baumsterben in Frankreich auslösten.

Höheres Risiko durch feuchten Frühlung

Die Studie ergab einen überraschendes Resultat: Auch ideale Wachstumsbedingungen wie warme, feuchte Frühlinge erhöhen das Risiko, dass Bäume absterben können.   Die Forschenden vermuten, dass die Bäume in einem Frühling mit guten Bedingungen stärker wachsen als üblich. «Das erhöht ihren Wasserbedarf und macht sie anfälliger, sobald es trocken wird. Gleichzeitig verbrauchen sie dadurch bereits früh im Jahr mehr Bodenwasser», sagt Pascal Schneider. Er doktoriert an der WSL und ist Erstautor der in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie. 

Folgt dann ein trockener Sommer, sind die Wasservorräte im Boden schon reduziert und die Bäume geraten schneller unter Trockenstress. Zudem könnten feuchte Frühlinge Krankheitserreger wie Pilze begünstigen und die Bäume zusätzlich schwächen.

Auch milde Winter ein Problem

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nicht einfach den einen ‹Trockensommer› gibt, der den Bäumen Probleme bereitet. Je nach Baumart kann ein langsam zunehmender Wassermangel stärker ins Gewicht fallen als eine kurze, intensive Dürre - oder umgekehrt», sagt Schneider. 

Auch ungewöhnlich milde Winter könnten für Bäume problematisch sein, weil Schädlinge bei höheren Wintertemperaturen besser überlebten. «Warme Frühjahre können das Risiko weiter erhöhen, weil sie den Austrieb verfrühen und junge Blätter dadurch eher von Spätfrost getroffen werden. Die Bäume sterben also durch ein Zusammenspiel von Abweichungen vom üblichen Klima und nicht nur durch einzelne Extremereignisse», hält Schneider fest.

Weniger Wasser, weniger Bäume

Die Forschenden empfehlen, bei künftigen Pflanzungen vermehrt trockenresistentere Bäume aus südlichen Regionen in den Fokus zu rücken – sowohl aus Populationen von bereits genutzten Arten als auch bei der Auswahl neuer Baumarten. Wälder würden in Zukunft im Sommer generell weniger Wasser zur Verfügung haben, sagt Schneider.

«Grosse Bäume, die viel Wasser verbrauchen, müssten also etwas früher aus dem Bestand entfernt werden, damit die verbleibenden Bäume noch genügend Wasser erhalten», führt er aus. Wichtig werde auch die Auflockerung des Baumbestands. «So könne sichergestellt werden, dass das knappe Gut Wasser für den verbleibenden Bestand ausreicht», erklärt Schneider.

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