Wie Pilze Wälder widerstandsfähiger machen

Mykorrhizapilze arbeiten in enger Symbiose mit Bäumen und sichern deren Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. In Zeiten zunehmender Trockenheit könnten diese unsichtbaren Helfer entscheidend dafür sein, wie gut Wälder mit dem Klimawandel zurechtkommen, zeigt ein Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur Wien.

aiz |

Mykorrhizapilze verbinden sich mit den Wurzeln der Bäume und vergrössern deren Aufnahmefläche im Boden um ein Vielfaches. So gelangen Wasser und Nährstoffe effizienter in den Baum - ein klarer Vorteil in trockenen Jahren. Im Gegenzug versorgt der Baum die Pilze mit Zucker aus der Photosynthese. «Pilz und Baum bilden eine Partnerschaft, von der beide profitieren», erklärt Mathias Mayer vom Institut für Waldökologie an der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) und Leiter des Projekts MykoResi.

Nährstoffe direkt aus organischem Material

Neuere Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass bestimmte Mykorrhiza-Pilzarten Nährstoffe direkt aus organischem Material aufnehmen können. Für die Bäume bedeutet das einen zusätzlichen Vorteil: Sie sind weniger darauf angewiesen, dass andere Bodenorganismen organisches Material zunächst abbauen und die darin gebundenen Nährstoffe verfügbar machen.

MykoResi untersucht alte Waldbestände im Wienerwald entlang unterschiedlicher Standort- und Wachstumsbedingungen. Mithilfe moderner DNA-Analysen erforscht das Team die Vielfalt der Mykorrhizapilze und verknüpft diese Daten mit Baumwachstum, Bodeneigenschaften und Jahrringanalysen. Letztere zeigen, wie Bäume in besonders trockenen Jahren der letzten vier Jahrzehnte reagiert haben. So lässt sich untersuchen, ob widerstandsfähigere Bestände mit spezifischen oder stabileren Pilzgemeinschaften verbunden sind.

Resultate wichtig für Bewirtschaftung

Die Ergebnisse sind auch für die Waldbewirtschaftung relevant, schreiben die Forschenden. Werden Wälder vollständig geräumt oder sterben grossflächig ab, verschwinden viele der spezialisierten Pilze. Ohne natürliche Verjüngung gehen diese unterirdischen Netzwerke innerhalb weniger Jahre vollständig verloren.

Schonende Bewirtschaftungsansätze wie die «Continuous Root Forestry» könnten dem entgegenwirken. Dabei bleiben bei der Holzernte bewusst einzelne Altbäume stehen, um das unterirdische Pilznetzwerk und das Bodenleben zu erhalten und an die nächste Baumgeneration weiterzugeben. Eine weitere Frage ist dabei auch, inwieweit die Baumartenwahl die Zusammensetzung der Mykorrhizapilze beeinflusst - ein Aspekt von grosser Bedeutung für zukünftige Aufforstungen.

«Man muss sich anschauen, auf welchem Standort der Wald wächst und welches Mikrobiom vorherrscht. Wenn wir Wälder langfristig stabil halten wollen, müssen wir sie als Gesamtsystem verstehen – oberirdisch und unterirdisch», sagt Mayer.

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