Der Bundesrat hat am Freitag einen Grundsatzentscheid zur Standortstrategie von Agroscope getroffen. Posieux soll der zentrale Forschungsstandort werden. In Changins und Reckenholz entstehen regionale Standorte. Daneben gibt es dezentrale Versuchsstationen.
Gemäss einer Mitteilung der Landesregierung hat sich diese Variante im Gespräch mit Forschungsvertretern, Parlamentariern, Branchen und Kantonen und innerhalb von Agroscope als optimale und breit abgestützte Lösung gezeigt.
16 Millionen pro Jahr eingespart
Die Landesregierung nennt mehrere Gründe für diesen Entscheid. Die Lösung zeichne sich durch eine bestmögliche Balance zwischen Effizienzsteigerung (insbesondere bei den Infrastrukturen), der Berücksichtigung der Sprachunterschiede, der Führbarkeit und der Synergienutzung für interdisziplinäre Forschungsfragen aus.
Dank Effizienzsteigerungen werden jährlich 16 Millionen Franken eingespart. Dieses Geld soll gemäss Bundesrat wieder in die landwirtschaftliche Forschung investiert werden. Innerhalb von rund zehn Jahren soll der Übergang zur neuen Struktur geschaffen werden. Mit dem Grundsatzentscheid wird auch für die Mitarbeitenden von Agroscope Klarheit geschaffen, hält die Landesregierung fest.
Kooperation zwischen Bund und Kanton
Nebst dem zentralen Forschungscampus in Posieux (FR) und je einem je einem regionalen Forschungszentrum in den beiden Sprachräumen (Changins (VD) und Reckenholz (ZH)) gibt es auch dezentrale Standorte. Daneben sieht das Konzept auch Kooperationen zwischen Bund und Kantonen vor. Als Beispiel nennt der Bundesrat den Standort Tänikon (TG). Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Thurgau auf der Swiss Future Farm im Bereich Digitalisierung soll weiter gestärkt werden.
Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) wird dem Bundesrat bis Ende 2019 ein Detailkonzept und einen Umsetzungsplan unterbreiten.
Geld nicht optimal eingesetzt
Gemäss der Mitteilung des Bundesrates verteilt sich Agroscope momentan auf drei gleichwertige Hauptstandorte in Posieux (FR), Changins (VD) sowie Reckenholz (ZH) und sieben Spezialstandorte im ganzen Land. Diese Organisation weist aus der Sicht des Bundes Nachteile auf. Parallelitäten bei den Forschungsinfrastrukturen führen zu hohen Betriebs- und Infrastrukturkosten. Die Nutzung von Synergien werde behindert und staatliche Mittel würden zudem nicht optimal eingesetzt. «Zudem kann Agroscope sein grosses Potenzial zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Praxis nicht voll ausschöpfen und ist für die zukünftigen Herausforderungen nicht optimal aufgestellt», hebt der Bundesrat hervor.
Die Neupositionierung von Agroscope wurde im Rahmen der strukturellen Reformen des Bundesrates lanciert. Im November 2017 erteilte der Bundesrat dem Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung den Auftrag, eine Neupositionierung zu prüfen. Das Ziel lautete, beim Agroscope-Budget 20 Prozent, respektive rund 40 Mio. Franken einzusparen.
Agrarminister kam unter Druck
Die Pläne für eine Restrukturierung von Agroscope waren im Frühjahr bekannt geworden. Die erste, öffentlich diskutierte konzeptionelle Auslegeordnung sah eine Zentralisierung aller nicht standortgebundenen Aktivitäten und Infrastrukturen in Posieux vor. Die Pläne stiessen auf Kritik, der Nationalrat forderte eine Sistierung. Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann erklärte im Rat, das Projekt sei falsch verstanden worden. Das primäre Ziel sei die Stärkung der landwirtschaftlichen Forschung und die Sicherung von Agroscope als eigenständiges Forschungsinstitut.
Agroscope war in den letzten Jahren bereits umgebaut worden: Die sieben unabhängigen Institute wurden in drei Einheiten zusammengeführt und 2014 unter einem Dach vereint. Nach wie vor hat die Forschungsanstalt aber über das ganze Land verteilte Standorte.