ekommt die eidgenössische Volksinitiative «für regelmässigen Auslauf im Freien zugunsten aller landwirtschaftlich gehaltenen Tiere (Auslauf-Initiative)» grünes Licht, beginnt die Unterschriftensammelphase. Das schrieb das Initiativkomitee am Donnerstag in einer Mitteilung. Es handelt sich um eine Initiative in Form einer allgemeinen Anregung. «Diese legt keinen ausgearbeiteten Verfassungstext vor, sondern übergibt die Ausarbeitung dem Parlament. Es handelt sich also um einen Volksauftrag an die Politik», schreiben die Initianten.
«Heute dürfen die meisten landwirtschaftlich gehaltenen Tiere in der Schweiz nicht nach draussen», schrieb die Kampagnenleiterin Naomi Rey. Das will die Auslauf-Initiative nun ändern – und damit das Leben der jährlich über achtzig Millionen Tiere in der Landwirtschaft verbessern. Unter Auslauf ins Freie verstehen die Initianten, unter freiem Himmel zu stehen und frische Luft zu atmen. 85 Prozent der Nutztiere hätten keinen Auslauf ins Freie. Im Visier haben die Initianten damit vor allem Schweine und Geflügel.
Raus als Standard
Den Weg über ein Volksbegehren wählte die Trägerschaft, hinter der Tierschutzorganisationen und -stiftungen stehen, weil zuvor keine Einigung mit dem Schweizerischen Bauernverband (SBV) erzielt werden konnte. In seiner Mitteilung zeigte sich das Komitee aber weiterhin zu Gesprächen mit Branchenakteuren bereit.

Naomi Rey ist in der Co-Geschäftsleitung von Sentience Politics und in der Kampagnenleitung der Auslauf-Initiative.
zvg
Die Auslauf-Initiative will den regelmässigen Zugang ins Freie zum Standard machen. Der regelmässige Auslauf ins Freie (Raus) soll nicht mehr über freiwillige Programme erfolgen, sondern gesetzlich verankert werden. Die konkrete Ausgestaltung kann und soll jedoch an die jeweilige Tierart, Haltungsform und Jahreszeit angepasst werden, halten die Initianten fest. Sie wollen den Bund dazu verpflichten, die Umsetzung «sozialverträglich zu gestalten – also mit Rücksicht auf wirtschaftliche, strukturelle und regionale Unterschiede in der Landwirtschaft». Um die Schweizer Landwirtschaft zu schützen, soll der Bund Regeln für den Import von Tieren und Tierprodukten erlassen. So sollen Importverbote, zollbasierte Anreizsysteme, Mindestanforderungen in Handelsabkommen oder eine Deklarationspflicht geprüft werden.
Gelder von Raus anders einsetzen
«Die Auslauf-Initiative ist nicht ausformuliert, sondern wird in der Form einer sogenannten ‹Allgemeinen Anregung› eingereicht», heisst es auf der Website der Initianten. Das heisst: Die Initiative formuliert nur den politischen Auftrag – nicht den genauen Gesetzestext. Das soll «differenzierte, praxistaugliche Lösungen ermöglichen, die gemeinsam mit Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft entwickelt werden».
Die Gelder, die bisher für das Raus-Programm eingesetzt werden, wollen die Initianten neu strukturieren. Eine Idee sind Unterstützungszahlungen oder Zahlungen für weitergehende Massnahmen. «Direktzahlungen bleiben ein zentrales Instrument – einfach unter neuen Vorzeichen», heisst es auf der Website. Damit sich die Betriebe anpassen können, soll die Umsetzung stufenweise erfolgen.
Ernährungswende
Wie sollen Landwirtinnen und Landwirte profitieren? Sie bringe mehr Verlässlichkeit – «für jene Betriebe, die heute schon auf tierfreundliche Haltung setzen», heisst es auf der Website. Künftig sollen weiterhin zwischen Mindeststandard (Raus) und weiterführenden Tierwohlleistungen wie Anreizprogrammen für Weidehaltung oder vergünstigten Investitionskrediten unterschieden werden. «Wer bereits investiert hat, soll nicht bestraft, sondern weiterhin belohnt werden», heisst es weiter. «Weidende Kühe, Tiere an der Sonne – das ist das Bild der Schweiz, das wir lieben. Die Auslauf-Initiative sorgt dafür, dass dieses Bild zur Normalität wird», sagt Naomi Rey.
Die Initiative hat folgenden Wortlaut:
Der Bund stellt sicher, dass alle landwirtschaftlich gehaltenen Tiere regelmässigen Auslauf ins Freie erhalten. Er stellt sicher, dass die Umsetzung sozialverträglich erfolgt und erlässt zusätzlich Vorschriften über den Import von Tieren und Tierprodukten, die dem Anliegen der Initiative Rechnung tragen.
Doch in einem Punkt wird auch erkennbar, was ein Ziel der Initiative ist: die Ernährungswende. Dazu schreiben die Initianten: «Die Initiative ist ein Baustein der Ernährungswende: weg von industrialisierter Tierproduktion, hin zu mehr Vielfalt, Tierwohl und pflanzlichen Alternativen. Sie schafft Vertrauen, Transparenz und Qualität – und macht den Weg frei für ein Ernährungssystem, das ökologisch, sozial und moralisch zukunftsfähig ist.»

Warum soll die Initiative nur für Nutztiere gelten und nicht auch für Haustiere? Wieso soll der Kanarienvogel oder die Schlange nicht auch freien Auslauf erhalten?