Die aktuelle Situation in vielen Wäldern ist gemäss dem Waldeigentümerverband Wald Schweiz besorgniserregend. Der heisse und trockene Sommer 2026 hinterlasse sichtbare Spuren, schreibt er. Aufgrund der Trockenheit geschwächte Laubbäume wie die Buche bildeten im Kronenbereich dürre Äste. Dies erhöht die Unfallgefahr für Forstpersonal und Waldbesuchende.
Leistungen für die Allgemeinheit
Die Situation und politischer Druck hat den Bundesrat am Mittwoch nun zum Antrag bewogen, den kürzlich erst stark gekürzten Kredit für Klimaschutzmassnahmen im Wald wieder auf jährlich 17,5 Millionen Franken ab 2027 aufzustocken.
Der Präsident von Wald Schweiz, Daniel Fässler, nimmt den Entscheid des Bundesrats mit Zufriedenheit zur Kenntnis. «Der Wald soll auch in Zukunft Leistungen für die Allgemeinheit erbringen», so der Appenzell Innerrhoder Mitte-Ständerat. Die Erwartungen, die er vom Runden Tisch mit Bundesrat Albert Rösti gehabt habe, seien erfüllt worden.
Die Wälder resilienter machen
Das am Mittwoch gesprochene Geld soll in mittlerer Zukunft Wälder resilienter machen und veränderten Klimabedingungen anpassen, so Fässler weiter. Es seien Massnahmen, die über Jahrzehnte getroffen werden müssten. «Mit diesem Geld werden nicht akute Schäden abgedeckt, sondern der Wald mittelfristig besser an die Klimabedingungen angepasst.»
Es brauche aber weitere Anstrengungen, um auch kurzfristig auf Schäden, die eintreten werden, reagieren zu können, so Fässler. Konkret gehe es unter anderem darum, mittelfristig zu schauen, ob die Schweiz genug Samenmaterial und Jungbäume habe, um den Wald für Klimawandel fit zu machen.
25 Millionen Franken pro Jahr gefordert
Von einer «eher kosmetischen Massnahme» spricht derweil der Walliser Grünen-Nationalrat Christophe Clivaz auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er begrüsse den Entscheid beziehungsweise den Rückzieher des Bundesrates. «Aber faktisch bedeutet dies lediglich, dass die Mittel auf dem Niveau der letzten Jahre beibehalten werden – und nicht, dass sie erhöht werden.»
Die nun vorgeschlagenen Mittel würden nicht ausreichen – und zwar nicht nur im Bereich des Waldes, sondern bei den Anpassungen an den Klimawandel im Allgemeinen, so Clivaz weiter. Die Grünen würden im Parlament mehr Mittel für diese Anpassungen fordern.
Mehr Mittel will auch Mitte-Ständerat und Waldlobbyist Fässler. In zwei Motionen fordert er 25 Millionen Franken pro Jahr für die Herausforderungen des Klimawandels.
Sparentscheid des Parlaments
SVP-Nationalrat Christian Imark erinnert auf Anfrage daran, dass die nun zur Zurücknahme stehende Kürzung der Waldgelder vom Parlament beschlossen worden seien, das nun aufgefordert ist, den Entscheid zu korrigieren. «Sollte es nach diesem Sommer neue Grundlagen geben, die belegen, dass es diese zusätzlichen Mittel braucht, wird dieser Entscheid bestimmt eine Mehrheit finden.»
Auf die Frage, ob die Gelder zusätzlich aufgestockt werden sollen, gibt sich Imark zurückhaltend. «Sollte noch mehr Geld notwendig sein, kann der Bundesrat erneut eine Erhöhung beantragen. Die Notwendigkeit und der Nutzen müssen aber entsprechend ausgewiesen sein.» Wenn dies eintreffe, gehe er davon aus, dass auch die SVP-Fraktion zustimmen werde.
Über die zusätzlichen Mittel für den Wald wird das Parlament entscheiden. Wahrscheinlich ist, dass die eidgenössischen Räte in der Mitte September beginnenden Herbstsession über weitere Massnahmen diskutieren werden. SP, Grüne und GLP haben bereits angekündigt, dass sie eine ausserordentliche Debatte zum Thema führen wollen.
