Der Selbstversorgungsgrad der Schweizer Landwirtschaft lag 2024 bei 50 Prozent, importiertes Tierfutter eingerechnet, waren es 42 Prozent. Der Bedarf an tierischen Nahrungsmitteln war zu 93 Prozent gedeckt. Bei pflanzlichen Nahrungsmitteln lag der Selbstversorgungsgrad bei 31 Prozent. Allerdings hängen diese Werte vom Wetter und der Qualität der Ernten ab.
Zurzeit arbeitet der Bundesrat an einer Vorlage für die Agrarpolitik für die Zeit ab 2030 (AP 2030+). Eckwerte sind Ernährungssicherheit, ein kleinerer ökologischer Fussabdruck, bessere wirtschaftliche Perspektiven für die Bauern und Bäuerinnen und weniger administrativer Aufwand. Im Herbst soll die Vernehmlassung beginnen; die Botschaft soll 2027 folgen und die Beratungen im Parlament sind für 2028 geplant.
Das will die Initiative
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)' will die Verfassung ergänzen. Namentlich fordert sie, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens siebzig Prozent anstrebt und entsprechend eine vermehrt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördert. Darauf müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft ausrichten, und auch Subventionen müssten entsprechend gestaltet werden.
Erreicht werden müssten diese Ziele innerhalb von zehn Jahren. Weiter müsste der Bund dafür sorgen, dass alle im Land mit Lebensmitteln und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Bei Stickstoffverbindungen und Phosphor dürfen 2008 definierte Höchstwerte nicht mehr überschritten werden.
Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft hinter der 2021 abgelehnten Trinkwasserinitiative.
Das sagen Befürworterinnen und Befürworter
Die Initiantinnen und Initianten schreiben auf ihrer Webseite, dass die Schweizer Lebensmittelversorgung zur Hälfte vom Ausland abhängig sei. Auf sechzig Prozent der Schweizer Ackerflächen würden nicht pflanzliche Nahrungsmittel angebaut, sondern Futtermittel für Tiere. Wüchsen dort stattdessen Hülsenfrüchte, Getreide und Gemüse, könne mehr als das Zehnfache an Kalorien für Menschen produziert werden. Zurzeit förderten 75 Prozent der 3,6 Milliarden Franken an Agrarsubventionen die Tierproduktion.
Die Schweiz habe ein Warnsystem für Trockenheit und Hitze, doch keine nationale Wasserstrategie, um die Wasserversorgung abzusichern, machte das Initiativkomitee zum Kampagnenstart geltend. Das sei bedrohlich. Auch sei die Landwirtschaft nicht auf den Klimawandel vorbereitet.

2024 lag der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln bei 50 Prozent. Die Initianten fordern einen Wert von 70 Prozent.
zvg
Das sagen Gegnerinnen und Gegner
Das Nein-Komitee warnt vor einer realitätsfremden Bevormundung. Die geforderte Erhöhung des Selbstversorgungsgrads auf siebzig Prozent sei utopisch und nur durch drastische Eingriffe in Konsum und Produktion machbar. Die Initiative wolle Konsumentinnen und Konsumenten zu einer hauptsächlich veganen Ernährung zwingen. Sie schwäche die einheimische Produktion, mache Lebensmittel teurer und führe zu mehr Einkaufstourismus. Die Tierbestände müssten um fast die Hälfte verkleinert werden, gab Landwirtschaftsminister Guy Parmelin zu bedenken. Betroffen wären vor allem Schweine und Geflügel.
Im Parlament hatte die Initiative kaum Chancen. Sowohl der Nationalrat als auch der Ständerat lehnten das Begehren oppositionslos ab. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die heutigen Verfassungsgrundlagen für die Entwicklung der Agrarpolitik genügen.

Die Initiative für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative) sei eine Mogelpackung. Die Initiative für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative) ist eine Mogelpackung. Effektiv zielt sie auf eine staatlich verordnete vegane Ernährung der Schweizer Bevölkerung ab. «Effektiv zielt sie auf eine staatlich verordnete vegane Ernährung der Schweizer Bevölkerung ab», warnt die Nein-Allianz.
SBV
