Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) schlägt vor, 20'000 Tonnen Brotgetreide zu deklassieren. Die Bauernorganisation Uniterre ist mit dieser Massnahme nicht einverstanden.
Die von der Branchenorganisation Getreide Swiss Granum durchgeführte Ernte-Erhebung und die Markt-Informationen zeigen einen Brotgetreide-Überschuss aus den Ernten 2017 bis 2020, teilte der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) Mitte August mit. Aus diesem Grund sollen 20'000 Tonnen backfähiger Weizen der Klassen Top, I und II deklassiert werden.
Diese Ankündigung stösst bei der Bauernorganisation Uniterre auf Unverständnis. Denn die Produktion von Brotweizen decke nur rund 85% der Inlandnachfrage. Die einheimische Produktion sollte eine Vorzugsbehandlung erhalten, anstatt sie mit importiertem Weizen zu konkurrenzieren. Importiert würden 70'000 Tonnen zollfreies Brotgetreide und etwa 120'000 Tonnen industrielle Backwaren.
Die Deklassierung bedeute einen Einkommensverlust für die Produzenten. Die Getreideproduzenten würden die Produktionskosten und alle Risiken (Witterung, Krankheitsbefall) tragen, sie leisteten einen grossen Beitrag an die Dachorganisation (Betrieb, Lagerung usw.), um schliesslich einem ständigen Preisdruck ausgesetzt zu sein, kritisiert Uniterre. Der Preisdruck müsse aufhören.
Uniterre fordert deshalb:
- Klare Kaufverträge über Menge, Preis, Qualität und Auszahlungsmodalitäten
- Kostendeckende Preise und faire Entlöhnung der bäuerlichen Arbeit.
- Anhebung der Schwellen- und Richtpreise
- Vorrang der einheimischen Versorgung und Aufwertung der Futtergetreideproduktion
- Förderung der lokalen und regionalen Verarbeitungsstrukturen, Transparenz und Kreislaufwirtschaft.
- Exporte, welche Märkte durch ihre Qualität eröffnen anstelle der Angleichung an Tiefpreise der agro-industriellen Produktion.
Uniterre kritisiert das Vorgehen von Bio Suisse. Der Verband senkte die Richtpreise für Roggen um 3 Franken und für Weizen um 2 Franken. Der Produzentenpreis mache nur etwa 11% des Preises für ein Kilo Brot (Weissbrot) aus, hält Uniterre fest. Bei unveränderten Margen würde die Preissteigerung bei kostendeckenden Preisen für die Konsumenten 3 Rp/kg Brot ausmachen, heisst es weiter. «Solche Preissenkungen verhindern eine nachhaltige Schweizer Produktion», kritisiert Uniterre die Bio Suisse.