Empfehlungen zu Alkoholkonsum: Parlament fordert Marschhalt

Das Parlament fordert vom Bundesrat einen Marschhalt bei neuen Empfehlungen zu mässigem Alkoholkonsum. Die Landesregierung soll weitere wissenschaftliche Erkenntnisse abwarten, unter anderem jene einer in Spanien laufenden Studie.

sda |

Mit 106 zu 75 Stimmen bei 11 Enthaltungen überwies der Nationalrat am Mittwoch eine Motion von Benedikt Würth (Mitte/SG), nach einer für die Behandlung einer Motion ungewöhnlich ausführlichen Diskussion.

Warten auf Studie aus Spanien

Laut Motionär Würth wird die Alkohol-Nulltoleranzstrategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seitens der Bundesbehörden nicht kritisch hinterfragt, obwohl diese wissenschaftlich nicht haltbar sei. In der Wissenschaft gebe es keinen Konsens zur Aussage, wonach jeder Tropfen Alkohol schädlich sei, so Würth. Der Bundesrat solle mit weiteren Empfehlungen zum Alkoholkonsum zuwarten, bis eine Studie der Universität Navarra in Spanien (Unati) zum Thema veröffentlicht sei. Diese Studie soll 2028 vorliegen.

Würth ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung AOP-IGP, zu welcher auch Schweizer Edelbrände gehören. Er fügte im Ständerat an, dass die Vorgaben der WHO in der Wirtschaft nicht gut ankämen. Die Branche habe mit rückläufigen Entwicklungen zu kämpfen.

Gelegentlicher und mässiger Konsum von Alkohol sei nicht immer schlecht, sagte Mehrheitssprecher Benjamin Roduit (Mitte/VS) im Nationalrat. Staatliche Empfehlungen griffen übermässig in individuelles und eigenverantwortliches Handeln ein, fügte Michael Graber (SVP/VS) hinzu.

«Lobbyvorstoss»

Patrick Hässig (GLP/ZH) hingegen sprach von einem «Lobbyvorstoss». Unabhängige Experten hätten bestätigt, dass es keine Schwelle gebe, unter welcher der Alkoholkonsum nicht schädlich sei, fügte Valérie Piller Carrard (SP/FR) hinzu. Die Unati-Studie werde mit 50- bis 75-Jährigen gemacht.

Auch der Bundesrat lehnte die Motion ab. Der Bund erlasse keine Richtlinien zum Alkoholkonsum, informiere aber über mit Alkoholkonsum verbundene Risiken, damit die Menschen entscheiden könnten, sagte Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider.

Alkoholkonsum könne nicht nur Krebs begünstigen, sondern auch andere Krankheiten. Viele von ihnen würden von der Bevölkerung unterschätzt. Die Unati-Studie sei nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragbar, aufgrund des untersuchten Altersbereichs und des Studiendesigns, gab Baume-Schneider zu bedenken.

Kommentare (1)

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  • Victor Brunner | 18.06.2026
    Ein Deal. Der Bund darf nicht mehr vor Alkohol warnen dafür kriegen die Weinbauern keine Subventionen mehr und die 10 Mio für Absatzförderung werden gestrichen!
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