
Der ehemalige Toxikologe des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Jürg A. Zarn, zeigte in seinem Referat die Grenzen heutiger Pestizid-Zulassungsverfahren auf.
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Die Generalversammlung des Ernährungsforums Stadt-Land am 19. Mai in Luzern stiess auf grosses Interesse. Wie das Forum mitteilt, verfolgten rund 70 Teilnehmende die Vorträge und beteiligten sich engagiert an den Diskussionen über Pestizide, Gesundheit und nachhaltige Landwirtschaft.
Im Zentrum stand die Frage, wie transparente Zulassungsverfahren, pestizidärmere Produktionsweisen sowie ein nachhaltiges Ernährungssystem dazu beitragen können, Umwelt und Gesundheit besser zu schützen.
Werden Risiken unterschätzt?
Der ehemalige Toxikologe des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Jürg A. Zarn, zeigte in seinem Referat die Grenzen heutiger Pestizid-Zulassungsverfahren auf. Risiken könnten seiner Meinung nach unterschätzt werden, wenn Studien nicht unabhängig wiederholt, Rohdaten nicht öffentlich überprüft und die unterschiedlichen Empfindlichkeiten von Mensch und Umwelt zu wenig berücksichtigt würden.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über Pestizidmetaboliten im Grund- und Trinkwasser stellte Zarn die Frage, ob regulatorische Kategorien ausreichen, um Vertrauen und Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Er forderte mehr Transparenz und unabhängige Überprüfungen.
Dieses Weingut geht einen anderen Weg
Einen praxisnahen Gegenpol setzte Roland Lenz vom Bioweingut Lenz . Er zeigte auf, wie sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch den Anbau pilzwiderstandsfähiger PIWI-Rebsorten, Humusaufbau, Förderung der Biodiversität und das Zusammenspiel natürlicher Kreisläufe deutlich reduzieren oder sogar ganz vermeiden lässt.

Roland Lenz zeigt auf, wie sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren oder sogar ganz vermeiden lässt.
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Das Weingut Lenz arbeitet gezielt mit robusten Rebsorten, um die Weingärten der Zukunft naturnah zu gestalten. Dies sei ein wichtiger Impuls für die Zentralschweiz, so das Ernährungsforum Stadt-Land.
Gesündere Böden brauchen weniger Hilfe
Das Forum betonte, dass die Transformation des Ernährungssystems keine abstrakte Zukunftsfrage ist. Gesunde Böden speichern Wasser, fördern die Biodiversität, machen Kulturen widerstandsfähiger und reduzieren die Abhängigkeit von chemischen Hilfsmitteln. Gleichzeitig sei Transparenz dort erforderlich, wo Risiken für Mensch und Umwelt bestehen.

Der Vorstand des Ernährungsforums Stadt Land (v.l.): Christian Galliker, Barbara Kretz-Zuber, Astrid Burri, Sabine Heselhaus, Reto Frank, Renato Isella.
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Die Veranstaltung habe deutlich gemacht, dass Gesundheitsschutz nicht erst im Spital oder in der Arztpraxis beginne, sondern bereits bei der Bewirtschaftung der Böden, der Lebensmittelproduktion, dem Schutz des Trinkwassers und der Bewertung wissenschaftlicher Risiken. Das Ernährungsforum Stadt-Land möchte die Debatte weiterführen und sich für ein Ernährungssystem einsetzen, das die Aspekte Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit sowie Konsumentinnen und Konsumenten gleichermassen berücksichtigt.