FDP-Co-Präsidentin will neues Bauland

Nach dem Nein zur 10-Millionen-Initiative fordert FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher einen Kurswechsel in der Raumplanung. Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, müsse die Schweiz wieder mehr bauen können, sagt sie in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen.

blu/sda |

Die bisherige Strategie der Verdichtung nach innen reiche nicht aus, sagt die St. Galler Nationalrätin. Neben einer besseren Nutzung bestehender Bauzonen brauche es auch die Möglichkeit, wieder neues Bauland auszuscheiden. Der Traum vom Eigenheim sei in der Schweiz tief verankert. Doch junge Leute könnten sich diesen Wunsch immer weniger erfüllen.

«Brachland überbauen»

Um den Druck zu senken, brauche es mehr Wohnraum. Gemäss Vincenz-Stauffacher gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man verdichtet innerhalb der bestehenden Bauzonen, oder man baut ausserhalb davon. Sie sagt im Interview mit den Tamedia-Zeitungen: «Wir sollten Land einzonen.» Die FDP-Politikerin betont, es gehe dabei nicht darum, die Schweiz zu «zubetonieren». Sie will den Kantonen und Gemeinden wieder mehr Spielraum bei der Ausscheidung neuer Bauzonen ermöglichen.

Sie wolle kein gutes Ackerland – und damit wohl Fruchtfolgeflächen – überbauen. «Es gibt viel Brachland, das sich aus vielerlei Gründen nicht in einer Bauzone befindet», führte sie im Interview aus. Im Fokus hat Susanne Vincenz-Stauffacher Gemeinden in Agglomerationen. Diese seien oft Schlafgemeinden. «Mit einer Aufwertung, die mehr Wohnungen zulässt und ein schönes Zentrum mit Begegnungszonen und Grünflächen ermöglicht, liesse sich viel herausholen», sagt sie im Interview. 

Mehr Wohnungen wegen Zuwanderung

Und dies würde die Städte entlasten. Denn die Verdichtung ist aus Sicht der Nationalrätin gescheitert. Die Vorschriften seien zu einschneidend. «Und Einsprachen sind unsere fünfte Landessprache. Wir wollen diese beschränken, sodass nur noch wirklich direkt Betroffene sie einreichen können», führt sie aus.

Deshalb fordert sie neues Bauland. Und auch wegen der Zuwanderung. «Die Schweiz wird so oder so wachsen – wir sind auf Zuwanderung angewiesen, weil unsere inländische Bevölkerung altert. Aber wir wollen das Wachstum besser bewältigen», sagt sie zu den Tamedia-Zeitungen .

Wohnungen statt Büros

Neuen Wohnraum will sie auch durch den Umbau leerstehender Büroflächen schaffen. Schweizweit stünden über drei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer, sagt Vincenz-Stauffacher. Daraus könnten theoretisch bis zu 30'000 Wohnungen entstehen.

Für die Herbstsession plant die FDP ein Paket von Vorstössen zum Thema Wohnraum. Die Partei reagiert damit auf die Sorgen über steigende Mieten und fehlenden Wohnraum, die im Abstimmungskampf zur 10-Millionen-Initiative eine zentrale Rolle spielten.

Kommentare (5)

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  • Kollege | 23.06.2026

    Mein Nachbar und ich haben alte altrechtlich konforme landwirtschaftliche Gebäude, welche künftig kaum mehr landwirtschaftlich genutzt werden, aber gemäss aktueller Bauordnung zuwenig Abstand haben, sie sind nicht mehr in der Landwirtschaftszone. Nun möchte mein Nachbar das marode Dach neu aufbauen, was dazu führt, dass mein Gebäude bei einer baulichen Veränderung auf den neuen Abstand gesetzt werden muss. Im Klartext,es könnten dort keine Wohnräume eingebaut werden ohne erheblichen Raumverlust, was künftige Projekte sinnlos macht.


    Es gibt keine Stelle, welche vernunftbasiert entscheiden darf, die Bürokratie verhindert Vernunft. Nun kommt der Ruf nach Einzonungen, anstatt vorhandene Möglichkeiten zu nutzen.

  • Landwirt | 21.06.2026

    Wie wäre es wenn wir unser Trinkwasser gem. der Abstimmung (10 Mio. CH) rationieren? Immhin werden pro 100'000 Einwohner mehr pro Tag 14'000'000l Trinkwasser mehr verbraucht.

  • alt Landwirt | 21.06.2026

    mit was und woher soll das Bauland kommen aus Landwirtschaftsland oder wird das Importiert, das Bauland?

  • Petsch | 21.06.2026
    Und da fragt sich die FDP wieso sie an Wäleranteil verlieren, nun sollen die Ländlichen Gebiete welche für die 10 Millionen Initiative gestimmt haben wieder den Schlamassel ausbaden, genau wovon man gewarnt hat. Die Verdichtung wird in der Stadt nich mehr höher, somit dehnt es sich aufs Land aus, Nein das kann nicht die Lösung sein.
    1. Einsprachen sollen Massiv eingeschränkt werden.
    2. Heimatschutz/ Schutzobjekte sollen endlich gelokert werden, Wilkür einzelner Personen die welche Heimatschutzobjekte und Ortsbildschutz beurteilen in ihrem eigenen Ermessen Eingeschränkt werden.
    3. Anreize geschaffen werden das alte leerstehende Häuser und alte Industrie Bauten welche seit Jahrzehnten leer stehen, abgerissen und neu bebaut werden
  • Markus Ritter | 21.06.2026
    Kaum ist die 10 Millionen Initiative abgelehnt, wird die Katze aus dem Sack gelassen. Es soll noch mehr Kulturland eingezont und verbaut werden, um mit der hohen Zuwanderung fertig zu werden. So geht es einfach nicht. Seit dem 2. Weltkrieg haben wir in der Schweiz über 200'000 Hektar Kulturland verbaut. Wenn wir so weiter machen, haben unsere Kinder keine Grundlage mehr, um in der Schweiz Lebensmittel zu produzieren.
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