Handelsstreit USA und Schweiz: Ein Blick zurück

Seit 2025 hängen die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle als Damoklesschwert über der Schweizer Wirtschaft. Ein Überblick über die bisherigen Entwicklungen:

sda |

20. Januar 2025: Trump wird in Washington als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Für seine Zollpläne sehen sich die Schweizer Unternehmen dank ihrer Präsenz vor Ort gut gewappnet. Wer in den USA selber produziert, wähnt sich auf der sicheren Seite. Laut Rahul Sahgal, Direktor der Handelskammer Schweiz-USA, sind insgesamt mehr als 500 Schweizer Unternehmen in den USA aktiv. Viele von ihnen haben mehrere Tochtergesellschaften in verschiedenen Bundesstaaten, insgesamt mehr als 4000. Von den börsennotierten Schweizer Unternehmen sind deren rund hundert in den USA präsent.

2. April 2025: Der US-Präsident kündigt in einer Rede im Rosengarten des Weissen Hauses Zölle in Höhe von 31 Prozent auf Exporte aus der Schweiz an. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter reagiert auf der Plattform X umgehend: Der Bundesrat nehme die Zollentscheide der USA «zur Kenntnis», schreibt sie. Der Bundesrat werde rasch das weitere Vorgehen festlegen. Im Vordergrund stünden die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes.

9. April 2025: Die von Trump angekündigten Zölle auf Einfuhren aus der Schweiz und aus weiteren Ländern treten in Kraft. Damit werden Schweizer Exporte in die USA neu mit einem Zollsatz von 31 Prozent belastet. Betroffen sind insbesondere die Uhrenhersteller, die Maschinenindustrie und die Medtech-Branche. Pharmaprodukte und Goldexporte aus der Schweiz sind vorerst ausgenommen.

April 2025: Nach grossen Turbulenzen an internationalen Börsen lenkt Trump ein. Er setzt bestimmte gerade in Kraft getretene Zölle für neunzig Tage aus. Während der Pause soll es Verhandlungen mit den betroffenen Staaten geben. Es gilt ein universeller Zollsatz von zehn Prozent.

29. Mai 2025: Ein Bundesgericht in den USA erklärt fast alle von Trump erlassenen Zölle für rechtswidrig. Der Entscheid betrifft auch gegen die Schweiz erlassene Zölle. Die US-Regierung legt umgehend Berufung gegen den Gerichtsentscheid ein.

6. Juni 2025: Das US-Finanzministerium setzt die Schweiz zusammen mit acht weiteren Ländern auf eine Überwachungsliste. Diese Staaten weisen laut Trump einen grossen Handelsüberschuss vor. Die US-Regierung akzeptiere keine unausgewogene Handelsbeziehung.

1. August 2025: Das Weisse Haus erwähnt die Schweiz auf einer Liste zu den US-Zöllen mit 39 Prozent. Trump begründet die Erhebung von Zöllen mit einem Handelsdefizit, wie er in einer entsprechenden Verordnung schreibt. Damit liegt der auf der Liste aufgeführte Zollsatz für die Schweiz sogar noch höher als im April von Trump angekündigt. Damals war von 31 Prozent die Rede. Der Bundesrat nimmt die von den USA genannten Zusatzzölle «mit grossem Bedauern» zur Kenntnis.

5. August 2025: Trump spricht in einem Telefoninterview mit dem US-TV-Sender CNBC über ein vergangenes Telefonat mit Keller-Sutter. «Ich habe kürzlich etwas mit der Schweiz gemacht. Ich sprach mit der Premierministerin», womit Keller-Sutter gemeint ist. «Die Frau war nett, aber sie wollte nicht zuhören», sagt Trump über die damalige Bundespräsidentin. «Ich habe sehr wohl zugehört», erwidert Keller-Sutter auf die Kritik des US-Präsidenten. Sie habe nur nicht akzeptiert, dass die Schweiz für ein Handelsdefizit von vierzig Milliarden verantwortlich gemacht werde.

7. August 2025: Die von den USA angekündigten Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Exporte treten formell in Kraft. Ein Ergebnis der kurzfristigen Gespräche zwischen der Schweizer Delegation und US-Vertretern liegt bis dahin nicht vor.

26. September 2025: Trump verhängt auf eine Vielzahl von Importprodukten ab Oktober neue Zölle. Für die Schweiz von besonderem Interesse ist der angekündigte Aufschlag von hundert Prozent auf Medikamente.

5. November 2025: Vertreter aus der Schweizer Privatwirtschaft, unter ihnen Rolex-Chef Jean-Frédéric Dufour, Alfred Gantner von der Investmentfirma Partners Group und Richemont-Verwaltungsratspräsident Johann Rupert, treffen sich im Weissen Haus mit Trump, um Zollfragen zu bereden. Sie wollen den US-Präsidenten auf die Folgen der hohen Zusatzzölle aufmerksam machen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist informiert über das Treffen. Unter anderem bringen die Unternehmer dem US-Präsidenten Geschenke mit, die in der Folge in der Schweiz auf Kritik stossen.

10. November 2025: Ein «Deal» zwischen der Schweiz und den USA rückt näher. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vermeldet, zeichnet sich in den Verhandlungen der beiden Länder eine Lösung ab. Trump bestätigt die Verhandlungen mit der Schweiz gegenüber Medien im Weissen Haus.

12. November 2025: Wirtschaftsminister Guy Parmelin reist zusammen mit Helene Budliger Artieda, der Staatssekretärin für Wirtschaft, kurzfristig für Gespräche mit dem US-Handelsministerium in die USA.

13. November 2025: In Washington trifft Parmelin den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Offensichtlich gelingt an der Sitzung der Durchbruch. «Wir hatten ein sehr gutes Gespräch und konnten fast alle Punkte klären», sagt Parmelin unmittelbar danach.

14. November 2025: Nur wenige Stunden nach der Rückkehr von Parmelin aus Washington verkünden die Schweiz und die USA eine Einigung im Zollstreit. Die US-Zölle auf Schweizer Exporte sollen von 39 auf 15 Prozent gesenkt werden. Im Gegenzug wird die Schweiz im Rahmen der Übereinkunft Einfuhrzölle auf eine Reihe von US-Produkten abbauen. Schweizer Unternehmen planen laut dem Bundesrat zudem, bis Ende 2028 insgesamt 200 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen in den USA zu tätigen. Laut dem Weissen Haus erstrecken sich diese Investitionen über die kommenden fünf Jahre und über alle fünfzig US-Bundesstaaten.

15. November 2025: Die Absichtserklärung zur Senkung der Zölle auf Schweizer Produkte dürfte das Bruttoinlandprodukt in der Schweiz laut einer Analyse des KOF-Instituts um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte positiv beeinflussen. Der Beifall für den Zolldeal der Schweiz mit den USA ist aber nicht einhellig: Während Wirtschaft, FDP, Mitte und Grünliberale die Zollsenkung begrüssen und die SVP ihren Bundesrat Parmelin lobt, sprechen die Grünen von einem «Unterwerfungsvertrag». Die SP fordert mehr Transparenz. Laut Wirtschaftsminister Parmelin ist ein Inkrafttreten der neuen Zölle in zehn bis zwölf Tagen möglich.

17. November: Bundesrat Parmelin reagiert auf die Kritik an der Zolleinigung. In einem Interview mit den CH-Media-Zeitungen sagt er unter anderem, die Schweiz habe «nichts gekauft». Die Schweizer Unternehmen hätten diese Investitionen auch sonst tätigen wollen.

22. November: Parmelin hofft auf eine Senkung der US-Zölle auf Importe aus der Schweiz ab Anfang Dezember. «In der Schweiz sind wir bereit», sagt der Bundesrat gegenüber Radio SRF. In den USA brauche es noch etwas mehr Zeit.

27. November: Bei der Bundesanwaltschaft gehen im Zusammenhang mit dem Treffen zwischen Schweizer Unternehmern und US-Präsident Donald Trump drei Strafanzeigen gegen Unbekannt ein. Mitglieder der Grünen fordern laut der Wochenzeitung «WOZ» eine strafrechtliche Untersuchung des sogenannten «Team Switzerland». Kritisiert werden die Geschenke – darunter eine Rolex und ein Goldbarren -, die Trump beim Treffen überreicht wurden. Die Grünen sehen darin eine strafbare «Bestechung fremder Amtsträger».

2. Dezember: Die Staatssekretärin für Wirtschaft, Helene Budliger Artieda, bedankt sich bei den Schweizer Unternehmern für ihr Treffen mit Trump. Über die Geschenke für den US-Präsidenten war das Seco informiert. Es habe sich aber «bewusst nicht bei Wahl und Beschaffung der Geschenke eingebracht, da es eine private Initiative war», sagt Budliger Artieda der «Neuen Zürcher Zeitung». Der Besuch der Unternehmer in Washington sei entscheidend gewesen, so die Seco-Direktorin.

10. Dezember: Das Seco teilt mit, dass die tieferen Zollsätze von 15 Prozent rückwirkend ab 14. November gelten. Grundlage dafür sei die an jenem Tag unterzeichnete Absichtserklärung.

14. Januar 2026: Der Bundesrat verabschiedet das Mandat für die Verhandlungen über ein rechtlich verbindliches Handelsabkommen mit den USA. Er hat zuvor die zuständigen Parlamentskommissionen konsultiert und von ihnen Rückendeckung erhalten für die Verhandlungen. Sollten dabei Themen aufgenommen werden, die über das Mandat hinausgehen, werden die Ratskommissionen erneut konsultiert.

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