
Um die Bedürfnisse aller Nutzer der Bergregionen aufeinander abzustimmen braucht es den Dialog.
Cornelia Forrer
Konflikte mit Herdenschutzhunden, Sperrungen oder Verlegungen von Wander- und Bikewegen sowie eine allgemeine Verunsicherung prägen den Tourismus in Berggebieten. Um diesbezüglich eine sachliche Diskussion zwischen den verschiedenen Nutzergruppen zu fördern, betreiben die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) und der Schweizer Bauernverband (SBV) seit mehreren Jahren gemeinsam die Dialogplattform «Weidemanagement und Grossraubtiere».
Wie die drei Verbände mitteilen, fand im Rahmen dieser Plattform ein Online-Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Langsamverkehr und Prävention statt. Im Zentrum standen der Erfahrungsaustausch und die Diskussion von praxisnahen Lösungsansätzen im Spannungsfeld von Weidemanagement, Freizeitnutzung und der Rückkehr grosser Beutegreifer.
Sensibilisierungsmassnahmen mit Optimierungspotenzial
«Der Austausch zeigte, dass das Thema bei den betroffenen Verbänden und Organisationen angekommen ist», heisst es in der Mitteilung weiter. In vielen Regionen bestehen erprobte Lösungsansätze und eine Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Freizeitnutzung. Sensibilisierungsmassnahmen würden greifen.
Im Bereich Mountainbike jedoch zeigten die Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen jedoch noch nicht die gewünschten Wirkungen. Die Kommunikation müsse deshalb zielgruppenorientiert verstärkt werden, lautet ein Fazit des Austauschs.
Ziele der Dialogplattform
«Förderung des Dialogs und des Erfahrungsaustausches zu den Themen Herdenschutz, Hirtenausbildung, Weidemanagement, Tourismus und Besucherlenkung, Regulation von Grossraubtieren sowie allfällige weitere betroffene Bereiche mit dem Ziel, Handlungsoptionen für die von den Grossraubtieren betroffenen Kreise aufzuzeigen. Letztlich geht es um den Erhalt der Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft und deren Vorteile für die Wirtschaft (und Biodiversität) in den Berggebieten und um die Verhinderung von Konflikten mit dem Tourismus bei Präsenz von Grossraubtieren.» weidemanagement.ch
Ein zentrales Anliegen sei eine einheitliche Kommunikation und Signalisation. Eine schweizweit einheitliche Lösung «schafft Orientierung und Wiedererkennung, erhöht die Sicherheit und fördert die Akzeptanz von Schutzmassnahmen». Deshalb sei auch weiterhin eine gesamtschweizerische Koordination wichtig.
Einheitlich kommunizieren, lokal handeln
Wie wichtig eine schweizweite Koordination der Kommunikation auch sei, in diesem Online-Austausch wurde betont, dass «lokal und regional entwickelte Lösungen entscheidend sind, um standortangepasste Umsetzungen sicherzustellen». Lokale Trägerschaften kennen die Gegebenheiten vor Ort und die relevanten Akteursgruppen am besten. Als vorbildlich wird Arosa Tourismus erwähnt, das mit einer Koordinationsstelle den nachhaltigen Tourismus fördert.

Die Verbindung der touristischen Wertschöpfung mit der traditionellen Landwirtschaft in Bergregionen ist eine grosse Herausforderung.
Jungfrau Region
Laut den drei Verbänden können jedoch auch Regionalpärke oder andere regionale Zusammenschlüsse diese Rolle übernehmen und den Dialog zwischen allen betroffenen Akteuren ermöglichen: «Der kontinuierliche Dialog zwischen Landwirtschaft, Tourismus, Freizeitnutzung und weiteren Beteiligten bleibt zentral. Nur durch Austausch, gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Verantwortung kann eine tragfähige Koexistenz mit Grossraubtieren langfristig gelingen.»
-> Hier gelangen Sie zur Dialogplattform «Weidemanagement und Grossraubtiere»