Höchste Abstimmungsbeteiligung seit Jahren

Die zwei eidgenössischen Abstimmungsvorlagen – insbesondere die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» – haben überdurchschnittlich mobilisiert. Zwischen 58 und 59 Prozent der Berechtigten gaben am Wochenende ihre Stimme ab. Das ist Zahlen des Bundes zu entnehmen.

sda |

Lukas Golder, Politologe bei gfs.bern, sprach von einer der höchsten Beteiligungen in den vergangenen zehn Jahren. Die Initiative habe für den «High Noon» der Legislatur gesorgt.

«Supermobilisierung

Die Stimmbeteiligung in den Kantonen lag zwischen fünfzig und weit über sechzig Prozent. Golder sprach im Schweizer Fernsehen SRF von einer «Supermobilisierung». Sowohl auf dem Land als auch in städtischen Gebieten habe die Initiative die Menschen an die Urnen gelockt.

Sowohl das Ja- als auch das Nein-Lager hätten ihre Anhänger stark mobilisiert, sagte Golder. Die unsichere Weltlage und die millionenteuren Kampagnen hätten dazu beigetragen, dass die Menschen abstimmen wollten. Für die Kampagnen meldeten die Verantwortlichen Budgets von insgesamt rund 15 Millionen Franken. Die Kampagne beflügelt hätten auch Beiträge in sozialen Medien und die ausführliche Berichterstattung in den redaktionellen Medien.

Hohe Mobilisierung auch im März

Schon die vier eidgenössischen Abstimmungsvorlagen vom 8. März – darunter die SRG-Halbierungsinitiative und der Wechsel zur Individualbesteuerung – mobilisierten überdurchschnittlich. Zwischen 55 und 56 Prozent der Berechtigten gaben ihre Stimme ab.

Das waren prozentual fast gleich viele Menschen wie im März 2024. Damals war unter anderem über eine 13. AHV-Rente abgestimmt worden. Die Beteiligung hatte damals bei rund 58 Prozent gelegen. Ende November 2025 brachten die Juso-Initiative für eine Klima-Erbschaftssteuer und die Service-citoyen-Initiative für einen obligatorischen Bürgerdienst deutlich weniger Stimmende an die Urnen. Rund 43 Prozent der Berechtigten stimmten damals ab.

EWR-Abstimmung hält Rekord

Seit der Einführung des Frauenstimmrechts liegt die bisher höchste Stimmbeteiligung bei knapp 79 Prozent im Jahr 1992. Damals wurde der Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) knapp abgelehnt, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) schreibt.

An der Abstimmung im Juni 1974 über die Volksinitiative «Gegen die Überfremdung und Überbevölkerung» der Nationalen Aktion beteiligten sich rund 70 Prozent der Berechtigten. Bis 1950 hatte die Stimmbeteiligung in der Schweiz im Schnitt um die 60 Prozent betragen.

In den 1980er- und 1990er-Jahren sank sie auf rund 42 Prozent. Seit der Jahrtausendwende steigt die Partizipation wieder, zuletzt auf im Mittel 46 Prozent. Dies war der Durchschnitt 2011-2020 gemäss BFS.

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