
Das Apfelmus aus Italien wird derzeit von den Einheiten der Schweizer Armee als Verpflegung genutzt.
zvg
Mit so viel Kritik haben die Verantwortlichen der Schweizer Armee für die Beschaffung von Lebensmitteln wohl nicht gerechnet. Bei der Ausschreibung der Armasuisse für Apfelmus erhielt die italienische Firma Melinda den Zuschlag für einen Auftrag im Wert von 670’000 Franken.
Obstverband enttäuscht
Der Schweizer Obstverband kritisierte gegenüber «Blick» diesen Entscheid. Produkte wie Apfelmus könnten grundsätzlich aus Schweizer Rohstoffen hergestellt werden und sollten zur Stärkung der Inlandversorgung, der Versorgungssicherheit und des Klimaschutzes bevorzugt aus der Schweiz stammen, so der Verband. Er wolle das Gespräch mit der Armee suchen.
Die Beschaffung von Apfelmus war nun auch Thema im Bundeshaus. Nationalrätin Nina Schläfli (SP/TG) wollte in der Fragestunde vom Bundesrat wissen, weshalb das Apfelmus und die Feldgerichte aus Estland im Wert von 18,5 Millionen Franken im Ausland beschafft wurden. Und sie wollte wissen, ob Regionalität und die Nachhaltigkeit der Produkte bei der Bewertung berücksichtigt werden.
Kein Angebot aus der Schweiz
Bundesrat Martin Pfister nahm sich der Fragen an. Beim Apfelmus habe kein Anbieter mit Produktion in der Schweiz ein Angebot eingereicht. «Dies, obwohl Schweizer Anbieter explizit über die Ausschreibung informiert wurden», sagte der Armeeminister.
Gemäss Schweizer Armee gab es beim Apfelmus zwei Angebote. «Das zweite Angebot hat die Vorgaben der geforderten Verpackung nicht erfüllt», sagte die Armee im Juli gegenüber «Schweizer Bauer». Angaben zur Herkunft des unterlegenen Anbieters würden nicht veröffentlicht. Das Geheimnis hat nun Bundesrat Pfister gelüftet.
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Gewichtung
Bei den Feldgerichten habe das Angebot aus Estland sowohl bei der Qualität als auch beim Preis die höchste Punktzahl erreicht. «Es erhielt deshalb den Zuschlag», sagte Pfister.
Und er führte aus, wie die Eignungs- und Zuschlagskriterien gewichtet werden. Bei beiden Ausschreibungen wurde der Preis mit 40 Prozent und die Qualität mit 60 Prozent gewichtet. Schweizer Produkte würden beschafft, wenn sie qualitativ und preislich konkurrenzfähig seien. Die Armee setzt aber fast immer auf Schweizer Lebensmittel. «Rund 98 Prozent des gesamten Beschaffungsvolumens entfallen auf Schweizer Lieferanten», sagte Pfister.