
Die Initiative wird vom Verein für gentechnikfreie Lebensmittel getragen. Organisationen aus Landwirtschaft, Konsumentenschutz und Umweltschutz unterstützen sie.
Adrian Haldimann
Der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel habe mit Unterstützung von über 50 Organisationen diese Anzahl Unterschriften zusammengebracht, schrieb der Verein in einer Mitteilung am Montagmorgen. Für das Zustandekommen der Initiative benötigt es 100'000 gültige Unterschriften. Die Bundeskanzlei wird ihre Gültigkeit prüfen.
Signal an Politik und Industrie
Gemäss den Initianten sind die Unterschriften ein Signal an Bundesrat, Parlament und Industrie: «Nur wenn Kennzeichnungspflicht, Risikoprüfung und Koexistenz gewährleistet sind, wird eine Gentechnik-Gesetzgebung die Chance haben, eine Mehrheit vor dem Volk zu finden.» Das gelte insbesondere mit Blick auf die Gentechnik-Spezialgesetz oder die sich abzeichnende EU-Gesetzgebung, heisst es weiter.
Das Sammeln der Unterschriften harzte. Die Initiative stand vor dem Scheitern. Die Initianten machen dafür auch neue Regeln für die Unterschriftensammlung verantwortlich. «Dies traf den Verein für gentechnikfreie Lebensmittel direkt. Es mussten kurzfristig run 10’000 zusätzliche Unterschriften gesammelt werden. Dies war mit erheblichen personellen und materiellen Mehrkosten verbunden, welche nur dank einem grossen Extraeffort aus der Basis gestemmt werden konnten», heisst es in der Mitteilung. Die Initiative soll fristgerecht am 27. Februar 2026 eingereicht werden.
Schutz der Biobauern
Die Volksinitiative will nach dem Auslaufen des Gentech-Moratoriums weiterhin eine Kontrolle über gentechnisch veränderte Organismen. Die Initiative fordert Wahlfreiheit für Konsumentinnen und Konsumenten, den Schutz der gentechfreien Landwirtschaft und Sicherheit angesichts der Risiken, die die Gentechnik in ihren Augen bringt, namentlich für die Bio-Landwirtschaft.
Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, nannte ein Beispiel: Pollen könnten von Gentechnik-Feldern auf biologisch bewirtschaftete Felder übertragen werden. Einem Biobetrieb drohe bei einer solchen Kontaminierung die Deklassierung seiner Ernte und allenfalls sogar eine neue Umstellungsphase.
Kennzeichnungspflicht
Die Initiative fordert unter anderem, dass gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere und daraus hergestellte Lebensmittel geprüft und bewilligt werden müssen, bevor sie in Verkehr kommen. Gentechnisch veränderte Organismen sollen – zugunsten der Wahlfreiheit – gekennzeichnet werden müssen.
Auch die Forschung und Züchtung soll er unterstützen müssen. Das soll sicherstellen, dass es weiterhin gentechnikfreie Produktion und Forschung gibt. Die Kosten für das Nebeneinander von herkömmlicher respektive biologischer Landwirtschaft und mit Gentechnik arbeitenden Produzenten sollen die Gentech-Produzenten tragen müssen. Haftungsrisiken müssten bei den Herstellern liegen. Ohne Gentechnik gezüchtete Lebewesen sollen gemäss Initiative nicht patentiert werden dürfen.
Die Initiative wird vom Verein für gentechnikfreie Lebensmittel getragen. Unter den unterstützenden Organisationen sind Bio Suisse, Greenpeace, Swissaid, die Kleinbauern-Vereinigung und die SAG. Ausserdem haben sich rund 25'000 Einzelpersonen hinter die Initiative gestellt, wie das Komitee bei der Lancierung der Initiative im September 2024 mitteilte.