Kein einziger Kanton stellte sich hinter das Volksbegehren, tief rot leuchtete die Abstimmungskarte nach der Auszählung der Stimmen. Das wuchtigste Nein kam mit 81 Prozent aus dem Kanton Schwyz. Den tiefsten Nein-Anteil verzeichnete Genf mit 62,6 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag bei 47 Prozent.
Ein Nein, aber doch überdurchschnittlich viele Ja-Stimmen wurden in den Städten Freiburg, Bern und Biel eingelegt. Vergleichsweise hohe Ja-Anteile gab es auch in Westschweizer Kantonen und im Tessin.
Ein Netto-Selbstversorgungsgrad von siebzig statt wie heute bei 45 Prozent, und das innerhalb von zehn Jahren: Das hätte die Ernährungsinitiative verlangt. An dieser Vorgabe hätten sich die Land- und Ernährungswirtschaft sowie die Konsumentinnen und Konsumenten ausrichten müssen.
Sauberes Trinkwasser für alle
Weiter hätte der Bund dafür sorgen müssen, dass alle im Land mit Lebensmitteln und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft hinter der 2021 abgelehnten Trinkwasserinitiative.
Das kleine Komitee musste den Abstimmungskampf weitgehend alleine bestreiten. Denn Umweltverbände hatten sich nach anfänglicher Unterstützung von der Initiative distanziert. Greenpeace Schweiz zum Beispiel gab eine Stimmfreigabe aus, und Stimmfreigabe beschlossen auch die Grünen. Alle anderen Parteien empfahlen ein Nein.
«Initiative hätte Landwirtschaft geschwächt»
Abstimmungssieger sind die grossen Parteien, der Bauernverband, die Nahrungsmittelindustrie und das Gewerbe. Sie argumentierten, die geforderte Erhöhung des Selbstversorgungsgrads sei utopisch und nur durch drastische Eingriffe in Konsum und Produktion machbar. Die Initiative wolle Konsumentinnen und Konsumenten zu einer hauptsächlich veganen Ernährung zwingen.
Die Initiative schwäche die einheimische Produktion, mache Lebensmittel teurer und führe zu mehr Einkaufstourismus, machte die Gegnerschaft zudem geltend. Die Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete wies darauf hin, dass ohne grasfressende Nutztiere zwei Drittel der Landwirtschaftsflächen nicht für die Ernährung genutzt werden könnten.
