
Wird der Schwellenwert überschritten, sollen Wölfe geschossen werden.
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Die grosse Kammer hiess den Vorstoss des Tessiner Mitte-Ständerats Fabio Regazzi mit 116 zu 73 Stimmen bei 6 Enthaltungen gut. Der Ständerat hatte schon in der Frühjahrssession Ja gesagt dazu. Der Bundesrat muss nun einen Umsetzungsvorschlag machen. Er war mit dem Auftrag einverstanden.
Über 300 Wölfe
In den vergangenen Jahren sei die Wolfspopulation in der Schweiz exponentiell gewachsen, schrieb Regazzi in der Begründung der Motion: «2010 lebte rund ein Dutzend Wölfe in unserem Land, heute sind es weit über 300 Tiere und mehr als dreissig Rudel.» Die Folgen für die Alpwirtschaft würden immer gravierender und gefährdeten die traditionelle Weidewirtschaft. Das heutige System, das eine einzelfallbasierte Abschussbewilligung durch die Kantons- und Bundesbehörden vorsehe, habe sich als zu langsam, zu kompliziert und wirkungslos erwiesen, kritisierte der Tessiner Ständerat.
Der Bundesrat wird mit der Motion beauftragt, den Abschuss von einzelnen Wölfen oder Rudeln zu erlauben, sobald die Wolfspopulation eine vordefinierte Anzahl Tiere erreicht. Dieser Schwellenwert soll in Absprache mit den Kantonen festgelegt werden und die territorialen, umweltbedingten und sozioökonomischen Besonderheiten der einzelnen Regionen berücksichtigen. «Diese Motion fordert daher einen Paradigmenwechsel: von einem rein reaktiven zu einem proaktiven, regulierten Wolfsmanagement, das auf klaren, einheitlichen Zahlen basiert, analog dem schwedischen Modell», schreibt Regazzi.
«Landschaften drohen zu verbuschen»
Auch wenn die bisherige proaktive Regulierung eine gewisse Wirkung erziele, nehme der Bestand weiterhin massiv zu, sagte Nationalrätin Monika Rüegger (SVP/OW) im Name.n der Kommission. Sie untermauerte ihre Aussagen mit Zahlen: «Innerhalb von sieben Jahren ist die Zahl der Wolfsrudel von 3 auf 43 massiv angestiegen. Alleine 2025, also letztes Jahr, kamen 155 Welpen zur Welt, und 13 neue Rudel wurden gebildet.»
Rüegger sagte, dass der Druck auf die Nutztierhaltung und die Alpwirtschaft unverändert gross sei. Tote und gerissene Tiere seien für die Tierhaltenden sehr belastend. «Eine finanzielle Entschädigung wird dem nicht gerecht», führte sie aus. Werde nun nichts unternommen, drohten wertvolle Kulturlandschaften zu verbuschen und zu verganden. «Das wirkt sich auf die Landwirtschaft, den Tourismus, die Biodiversität und auf den Schutz vor Naturgefahren aus», warnte Rüegger. Mit der Motion gehe es ausdrücklich nicht darum, den Wolf auszurotten.
«Weniger Risse»
Eine Minderheit der vorberatenden Nationalratskommission aus den Reihen von SP und Grünen stellte sich erfolglos gegen die Motion. Sie wandte ein, dass mit der heutigen Wolfsregulierung bereits viele neue Instrumente zur Verfügung stünden. Wirksamer als eine Obergrenze seien eine verstärkte Unterstützung der Alpwirtschaft oder die Beschleunigung der Abschussbewilligungsverfahren.
«Die Risszahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, obwohl die Zahl der Wölfe und der Rudel stark zugenommen hat», sagte Hasan Candan (SP/LU). Die Risse seien bereits ab 2022, vor dem Inkrafttreten der proaktiven Regulierung, gesunken. «Der Schutz der Tiere wurde durch einen zunehmend wirksamen Herdenschutz erreicht», hielt Candan fest.
«Mehr Wölfe mit Bejagung»
Es gebe keine evidenzbasierten Daten, dass eine stärkere Bejagung zu weniger Schäden führe, sagte er weiter. «Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass eine stärkere Bejagung sogar zu mehr Wölfen führt, da es die Sozialstruktur des Wolfes zerstört», fuhr er fort. Das geltende Instrument der proaktiven Regulierung werde akzeptiert, ein Paradigmenwechsel hingegen nicht.
«Es ist verantwortungslos, den Kompromiss in der Wolfspolitik umzustürzen, jahrzehntealte Gräben wieder aufzutun und emotionale Debatten zu schüren, wie beim letzten Referendum gegen das Jagdgesetz», so Candan. Die Motion ebne den Weg für ein Referendum und eine jahrelange Blockade, warnte er.
Bundesrat: Massnahme sinnvoll
Bundesrat Albert Rösti kündigte an, dass die Landesregierung die Motion mit einer Gesetzesänderung umsetzen werde. «Ich glaube, die Massnahme ist sinnvoll. Sie stellt in keiner Weise den Bestand oder die Art infrage, weil die Art des Wolfes nur nach Überschreiten einer bestimmten Schwelle frei jagdbar ist. Deshalb meine ich, dass diese Massnahme durchaus verhältnismässig ist», sagte Rösti. Für den Artenschutz gebe es eine Minimalanzahl von Rudeln. «Diese liegt bei zwölf, verteilt auf verschiedene Regionen», führte Rösti aus.
Mit einem Appell wandte er sich an das Parlament: «Wir dürfen den Herdenschutz und die Dezimierungspolitik nicht gegeneinander ausspielen. Es braucht, glaube ich, beide Massnahmen. Beide Massnahmen zusammen haben dazu geführt, dass die Schäden zurückgehen.»