
Joachim Rukwied ist seit 2012 Präsident des Deutschen Bauernverbandes.
DBV
Eine politische «Agenda für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit» der heimischen Landwirtschaft hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, angemahnt. Aktuell seien die Betriebe durch steigende Kosten, ausufernde Auflagen und fehlende Planungssicherheit «enorm» belastet, heisst es im Neujahrsgrusswort 2026 des Bauernpräsidenten weiter. Doch nur mit einer starken Landwirtschaft liessen sich grosse Herausforderungen wie die Ernährungssicherung und der Artenschutz meistern.
Tierwohlvorrang
Als wichtige Instrumente zur Entlastung der Höfe nennt Rukwied eine steuerfreie Gewinnrücklage, die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln, den Bürokratieabbau und die Wettbewerbsgleichheit innerhalb der Europäischen Union.
Tierhaltende Betriebe benötigten einen verbindlichen Tierwohlvorrang im Bau- und Immissionsschutzrecht sowie Zugang für alle Betriebe zu einem finanziell angemessen ausgestatteten Förderprogramm für die Weiterentwicklung der Tierhaltung. Auch in Brüssel sieht der DBV-Präsident Handlungsbedarf. Hier müssten die zugesagten Reformen endlich umgesetzt werden. Ernährungssicherheit gehöre wieder ins Zentrum europäischer Politik. Gleichzeitig müssten Fehlentwicklungen des Green Deal korrigiert werden.
Erfolge bei Steuern, Bürokratie und Agrardiesel
In seinem Neujahrsgrusswort richtet Rukwied den Blick auch auf erzielte Erfolge der Branche in ihrem Kampf für bessere Rahmenbedingungen. Für ihn ist die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung ab 2026 zusammen mit dem Erhalt des Grünen Kennzeichens ein «entscheidender Durchbruch». Die vollständige Streichung der Stoffstrombilanz im Sommer 2025 und die Novelle des Agrarstatistikgesetzes, durch die Doppelmeldungen reduziert werden, hätten zum Bürokratieabbau beigetragen.
Wolf, Düngerecht und weitere Entlastungen
Darüber hinaus erinnerte Rukwied daran, dass 2025 der günstige Erhaltungszustand des Wolfs nach Brüssel gemeldet wurde. Entscheidend sei nun, dass das Jagdgesetz so angepasst werde, dass Wölfe rechtssicher entnommen werden könnten. Auch im Düngerecht habe die Branche Fortschritte erzielt. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den Roten Gebieten ist für den Bauernpräsidenten ein Meilenstein. Jetzt müsse der Bund umgehend klar regeln, wie Kulissen abgegrenzt werden. Wichtig dabei seien die Verursachergerechtigkeit und Entlastungen für Betriebe, die nachweislich gewässerschonend wirtschafteten.
Für Entlastungen haben 2025 laut Rukwied schliesslich die Einführung der 90-Tage-Regelung, die dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmass ab 2026 sowie die Verlängerung der Tarifglättung gesorgt.
DBV will Junge stärker einbinden
Der DBV werde den Wandel auch in Zukunft aktiv begleiten, sicherte der Verbandspräsident zu. Dazu gehöre, junge Menschen und Unternehmer noch stärker einzubinden und ihnen den Weg in die Verbandsarbeit zu erleichtern.
«Denn unsere Landwirtschaft und auch der Bauernverband leben vom Miteinander der Generationen, vom gemeinsamen Engagement und vom Mut, Neues zu wagen», so Rukwied in seinem Grusswort zu Neujahr.