Sie wollen die Landwirtschaft umbauen

Die Schweiz soll Nahrungsmittel verstärkt selber herstellen und den Trinkwasserschutz priorisieren: Das fordert das Komitee hinter der Ernährungsinitiative. Es hat die Abstimmungskampagne lanciert.

Am 27. September entscheiden Volk und Stände über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative)». Im Parlament war das Begehren chancenlos. Doch die Initiantinnen und Initianten geben nicht auf und werben für ein Ja.

«Die Ernährungs- und Trinkwassersicherheit sind das Fundament unseres Lebens, unseres Wohlstands und unserer Sicherheit», sagte Franziska Herren, die führende Kraft hinter dem Anliegen, in Bern vor den Medien. Heute habe der Bund die Landwirtschaft nicht so ausgerichtet, wie es die Verfassung verlangt. «Der Auftrag wird ignoriert.»

Zu viel Fleisch und Milch

2024 lag der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln bei 50 Prozent. Herren und ihre Mitstreiter fordern einen Wert von 70 Prozent. Damit würde die Importabhängigkeit reduziert – und die inländische Produktion nachhaltig gestärkt. Aktuell könne die Schweiz die Ernährung der Bevölkerung in Krisen und Mangellagen nicht auf eigenem Boden gewährleisten.

Ein Grund dafür sei die massive Überproduktion von Fleisch und Milch. 75 Prozent der Subventionen für die Landwirtschaft – rund 2,7 von 3,6 Milliarden Franken – flössen in die tierische Produktion, sagte Herren. «Der Futteranbau für Nutztiere ist wichtiger als die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung.» Es brauche deshalb eine Neuausrichtung der Agrarpolitik, sagte auch Biobäuerin Gertrud Häseli. Eine stärkere pflanzliche Produktion wäre ihrer Meinung nach auch eine starke soziale Entlastung für Bäuerinnen und Landwirte, die sich nicht mehr jeden Tag ums Tierwohl kümmern müssten.

«Initiative von Bauern für Bauern»

Das heutige System sei «teuer, ineffizient und ökologisch höchst schädlich», hielt ETH-Agraringenieurin Regula Züger fest. Landwirtinnen und Bauern sollten nicht weniger Subventionen erhalten, das Geld aber am richtigen Ort einsetzen. «Wir wollen keine Landwirtschaft für Veganer», entgegnete sie der Kritik der Gegnerschaft. Das Ackerland müsse aber konsequent für die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln genutzt werden.

«Wir präsentieren Ihnen eine Initiative von Bauern für Bauern», sagte David Jacobsen, Co-Schulleiter für biodynamische Ausbildung Schweiz und Landwirt. Es dürfe nicht sein, dass das tägliche Gipfeli zur Hälfte aus ausländischem Mehl bestehe, während Schweizer Getreide im Futtertrog lande.

Ärztin Sabine Heselhaus, die für die Grünen im Luzerner Kantonsrat sitzt, wies auf die gesundheitlichen Vorteile der Initiative hin: «Eine regionale, biologische, saisonale und mehr pflanzenbasierte Ernährung stärkt nachweislich unsere Gesundheit.» Die Initiative sorge dafür, dass Folgekosten für die Gesellschaft abgebaut würden, indem Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegengewirkt werde.

Nationale Wasserstrategie gefordert

Die Initiative setzt auch beim Trinkwasser an. Die Schweiz habe ein Warnsystem für Trockenheit und Hitze, doch keine nationale Wasserstrategie, um die Wasserversorgung abzusichern, machen die Befürwortenden der Initiative geltend. Das Trinkwasser sei heute vielerorts belastet, berichtete Roman Wiget, Co-Präsident des Trinkwasserverbands AWBR. «Es besteht grosser und dringender Handlungsbedarf.» Jetzt zu handeln sei deutlich günstiger als nichts zu tun.

Klaus Lanz, Chemiker und Wasserexperte, gab zu bedenken, dass die Verfügbarkeit von Wasser wegen der Klimaerwärmung zurückgehe. Zudem würden durch Verschmutzung nutzbare Wassermengen zusätzlich eingeschränkt. «Enorme Gülleüberschüsse versickern ins Grundwasser.» Deshalb brauche es einen Massnahmenplan.

Schwierige Ausgangslage

Die Initiantinnen und Initianten dürften einen schweren Stand haben. Keine grosse Partei ist im Ja-Komitee vertreten. Herren war bereits treibende Kraft der 2021 an der Urne abgelehnten Trinkwasserinitiative. Damals konnte sie noch auf die Unterstützung von links-grünen Parteien zählen. «Wir haben uns um eine Zusammenarbeit bemüht», sagte Herren auf eine Journalistenfrage. Die verstärkte Förderung der pflanzlichen Lebensmittel sei aber für die Fleischlobby ein rotes Tuch. Es gebe aus allen politischen Lagern einen enormen Widerstand gegen eine Neuausrichtung der Agrarpolitik.

Auffallend ist, dass im Initiativkomitee keine Romands und Tessiner vertreten sind. Wiget zeigte sich dennoch überzeugt davon, dass die Initiative über die Partei- und Sprachgrenzen hinweg Stimmen finden werde.

Kommentare (1)

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  • Gesunder Menschenverstand | 02.07.2026
    Enorme Gülleüberschüsse versickern ins Grundwasser.--> Wer das behauptet ist ein Bauernhasser, sicher kein Trinkwasserexperte!
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