Spritzmittel sorgen für Zwist zwischen Bundesämter

Um dem Gewässerschutzgesetz zu entsprechen hat das Bundesamt für Umwelt für elf Spritzmittel strengere Grenzwerte vorgesehen. Der Schweizer Bauernverband soll vier dieser Spritzmittel von dieser Liste gestrichen haben. Das Bundesamt für Justiz hat sich eingeschaltet.

ome |

Im Fluss Wyna hat das Luzerner Amt für Umwelt und Energie ein Messgerät installiert, das dem Gewässer regelmässig und automatisch Wasserproben entnimmt.

Wie die «NZZ am Sonntag» aufgedeckt hat, wurden im vergangenen Herbst in diesen Proben massiv überhöhte Werte des für Wasserlebewesen hochgiftigen Pflanzenschutzmittels Deltamethrin gemessen. «Die höchste Konzentration, die wir hatten, war mehr als 4000-mal über dem ökotoxikologischen Qualitätskriterium», sagte Manuel Kunz, Abteilungsleiter Oberflächengewässer des Kantons Luzern, der «Rundschau».  

->  Sehr hohe Spritzmittel-Rückstände gemessen

«Klar landwirtschaftliche Quellen»

Kunz konnte diese hohe Konzentration «klar der landwirtschaftlichen Quelle» zuordnen. Sie stehe im Zusammenhang mit den Rapspflanzen, die sich zu jener Zeit entlang des Flussufers auf den Feldern ausbreiteten. Die Pflanzen wurden mit Deltamethrin bespritzt, um den Rapserdfloh zu bekämpfen.

Für dieses Deltamethrin wären eigentlich Grenzwerte vorgesehen gewesen. Laut der «Rundschau» hat sich der Schweizerische Bauernverband aber in die Diskussionen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) eingebracht und dafür gesorgt, dass dieses Spritzmittel und drei weitere von insgesamt elf für Gewässer schädlichen Pflanzenschutzmitteln von einer Liste gestrichen wurden.

Das Bundesamt für Justiz habe deswegen das Bafu wegen seines gesetzeswidrigen Verhaltens gerügt. Für die Festlegung der Grenzwerte von Pflanzenschutzmitteln sei ausschliesslich die Giftigkeit des Wirkstoffs massgebend. Landwirtschaftspolitische Argumente mitzuberücksichtigen sei nicht zulässig.

«Ohne Deltamethrin drohen Ernteausfälle»

Die «Rundschau» hat sich vergeblich um eine Stellungnahme eines Landwirts bemüht. Auch der Schweizerische Bauernverband hat sich zu dem Beitrag der «Rundschau» nicht geäussert. Nur Simon Binder vom Strickhof war bereit, vor der Kamera zu erklären, welche verheerenden Schäden der Rapserdfloh in den Rapskulturen hinterlässt.

Er zeigte die Larven, die die Pflanze löcherig machen. Dadurch dringt Wasser in die Pflanze ein, so dass diese verfault. Auch Pilzkrankheiten und Frostschäden könnten so entstehen. Für die Bauern sei Deltamethrin existenziell, heisst es im Bericht. Ohne dieses Mittel drohten grosse Ernteausfälle und es gebe keinen Schutz mehr vor Schädlingen.

Die Vernehmlassung zu revidierten Gewässerschutzverordnung läuft bis zum 12. März 2026. Dann wird der Bundesrat über die Grenzwerte und den Umgang mit Sonderbewilligungen für hochgiftige Pestizide entscheiden.

Der Beitrag der «Rundschau» vom 18. Februar 2026

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