Trotz Kritik: Nationalrat will Forschung für Zuckerrüben stärken

Der Nationalrat will die Forschung im Zuckerrübenanbau stärken. Er hat einer entsprechenden Motion aus seiner Wirtschaftskommission zugestimmt.

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Im Oktober 2025 verabschiedete der Bundesrat die neue Grenzschutzlösung für Zucker und verlängerte die Einzelkulturbeiträge. Der Beitrag von 2100 Franken pro Hektare wird beibehalten und auf unbestimmte Zeit in der Verordnung verankert. Der Grenzschutz wird in Abhängigkeit der Differenz zwischen Referenzpreis und Erhebungspreis bemessen und kann maximal 14 Franken je 100 kg (bisher 7 Fr.) betragen.

Schädlinge und Krankheiten

Weil jedoch neue Krankheiten und Schädlinge die Zuckerrüben bedrohen, braucht es genügend Mittel für die Forschung. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) hat deshalb eine Motion eingereicht. Mit einer gezielten und ausreichend finanzierten Forschung soll der Rübenanbau gesichert werden.

«Pilzkrankheiten wie Cercospora beticola sowie Fäulniserkrankungen durch Rhizopus spp. infolge von Rüsselkäferbefall, aber auch von Insektenvektoren übertragene Krankheiten wie SBR (Syndrome basses richesses), Stolbur und viröse Vergilbung sowie Schäden durch Insekten wie den Rüsselkäfer bedrohen den Anbau», heisst es in der Motion. Die krankheitsübertragenden Zikaden würden mittlerweile auch für Kulturen wie Kartoffeln und Gemüse zum Problem.

«Zentrale Kultur»

Es bestehe ein akuter Bedarf an praxisnaher, integrierter und kulturübergreifender Forschung, heisst es in der Motion. Als mögliche Ansätze werden umweltverträglichere chemische oder biologische Wirkstoffe, zuverlässige Prognose- und Früherkennungssysteme oder die Züchtung resistenter Sorten genannt. Mit der Motion soll die agronomische Forschung im Zuckerrübenanbau gezielt gestärkt und dafür ausreichende und flexibel einsetzbare finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

«Die Zuckerrübe ist im Ackerbaugebiet eine zentrale Kultur im Rahmen einer abwechslungsreichen Fruchtfolge. Sie ermöglicht im Wechsel mit Getreide, Ölsaaten, Kartoffeln, Mais und weiteren Kulturen unsere vielfältige Kulturlandschaft. Daher ist es entscheidend, dass diese Kultur erhalten bleibt», sagte Agronom und Nationalrat Martin Hübscher (SVP/ZH) im Namen der Kommission.

«Traum jedes Lobbyisten»

Jürg Grossen (GLP/BE) störte sich an der Formulierung «flexibel einsetzbare finanzielle Mittel». Das sei nichts anderes, als die hohle Hand zu machen. «Es ist der Traum jeder Branche, jedes Lobbyisten, dass man eine sprudelnde und unversiegbare Quelle hat, um die Partikularinteressen zu bedienen», kritisierte er.

Er appelliere an die Eigenverantwortung der Branchenakteure, aus eigener Kraft neue Initiativen zur Verbesserung der Pflanzengesundheit zu initiieren. «Und sich wie Unternehmer und nicht wie Subventionsempfänger zu verhalten», fuhr er fort.

Bundesrat gegen Motion

Auch der Bundesrat lehnte die Motion ab. Mit einem jährlichen Beitrag von rund 60'000 Franken finanziere das Bundesamt für Landwirtschaft die Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenanbau, das Kompetenzzentrum für den Zuckerrübenanbau.

«Der Bundesrat ist deshalb der Meinung, dass die Zuckerwirtschaft innerhalb des Portfolios der Landwirtschaft bereits über hervorragende Rahmenbedingungen verfügt. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Branchenakteure, aus eigener Kraft neue Initiativen zur Verbesserung der Pflanzengesundheit zu initiieren», so der Bundesrat.

Das sah die Mehrheit des Nationalrats anders. Die Motion wurde angenommen. Nun wird sich der Ständerat damit befassen.

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