Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will in der Verfassung verankern, dass der Bund einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstreben und entsprechend eine verstärkt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördern muss.
Diese Forderung kommt bei der Bevölkerung nicht gut an. Gemäss der zweiten «20 Minuten»/Tamedia-Umfrage sank die Unterstützung für die Initiative deutlich. Dieser Vorlage hätten demnach nur 29 Prozent zugestimmt.
Vom Patt ins Nein
Zum selben Schluss kommt auch die SRG-Umfrage: Bei einer Abstimmung Anfang September wäre die Ernährungsinitiative gescheitert. Ein Drittel der teilnahmewilligen Stimmberechtigten würde bestimmt oder eher für die Vorlage stimmen, während 64 Prozent bestimmt oder eher dagegen wären. Gegenüber der anfänglichen Pattsituation in der ersten Umfragewelle habe sich damit ein deutlicher Nein-Trend herausgebildet.
Eine klare Ja-Mehrheit habe es nur noch bei den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen mit über drei Vierteln gegeben. Bei Wählerinnen und Wählern von SP und GLP, die der Vorlage zunächst mehrheitlich zustimmten, kippte die Stimmung ebenfalls, wie es weiter hiess.
Auch dritte Umfrage sagt Scheitern voraus
Auch das dritte Stimmungsbarometer von Yougov Schweiz, das bereits am Dienstag veröffentlicht wurde, sagt ein Nein voraus. Die Ernährungsinitiative kommt auf 29 Prozent Ja-Stimmen bei 65 Prozent Nein-Stimmen. Die Ablehnung beider Vorlagen hat sich seit der letzten Umfrage Mitte August verfestigt.
Gleichzeitig sank der Anteil der Unentschlossenen bei der Ernährungsinitiative auf 6 Prozent, wie es weiter hiess. Für die Umfrage befragte Yougov zwischen dem 31. August und 14. September online 2989 Stimmberechtigte.
Die Umfrage von 20 Minuten/Tamedia wurde vom Forschungsinstitut Leewas am 9. und 10. September bei 12'948 Stimmberechtigten online durchgeführt. Der Fehlerbereich beträgt +/- 1,5 Prozentpunkte. Die SRG-Umfrage wurde von gfs.bern telefonisch Anfang September bei 12'916 Stimmberechtigten durchgeführt. Der Stichprobenfehler beträgt +/- 2,8 Prozentpunkte. Laut gfs.bern liegt die Stimmbeteiligung für den Urnengang vom 27. September mit 49 Prozent leicht über dem langjährigen Durchschnitt.
Was will die Initiative?
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will in der Verfassung verankern, dass der Bund einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstreben und entsprechend eine verstärkt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördern muss. An dieser Vorgabe müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft ausrichten. Auch Direktzahlungen müssten entsprechend gestaltet werden.
Erreicht werden müssten diese Ziele nach einem Ja am 27. September innerhalb von zehn Jahren. Weiter müsste der Bund dafür sorgen, dass alle im Land neben Lebensmitteln auch mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Bei Stickstoffverbindungen und Phosphor dürfen bestimmte Höchstwerte nicht mehr überschritten werden. Für den Netto-Selbstversorgungsgrad müssten im Gesetz Zwischenziele gesetzt werden. Die Gesetze für die Umsetzung der Initiative müssen Bund und Kantone nach einem Ja innerhalb von fünf Jahren erlassen.
