US-Deal: «Interessen der Landwirtschaft gewahrt»

In der mit den USA erzielten vorerst unverbindlichen Absichtserklärung hat die Schweiz keine Zugeständnisse zulasten der Landwirtschaft gemacht. Laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin gehen die Verhandlungen über Käse und Kaffee weiter.

sda |

Die Schweiz erhält die Zollbefreiung für Industrieprodukte aus den USA, Kaffee und gewisse exotische Früchte aufrecht, wie ein sichtlich zufriedener Parmelin am Freitag in Bern vor den Medien sagte. Käse und weitere Schweizer Produkte seien noch Gegenstand von Verhandlungen.

Zollkontingente für Fleisch

Für gewisse Landwirtschaftsprodukte gab es demnach Zugeständnisse, aber nicht für solche, welche die Schweizer Landwirtschaft vorrangig produziert. Rindfleisch und Geflügel sind Parmelin zufolge ausgenommen. Die Schweiz gewährt den USA im Rahmen der Übereinkunft zollfreie bilaterale Zollkontingente auf ausgewählte US-Exportprodukte: Für Rindfleisch gilt ein Umfang von 500 Tonnen, für Bisonfleisch 1’000 Tonnen und für Geflügelfleisch 1’500 Tonnen.

In der Industrie übernimmt die Schweiz die US-Normen. Pharma- und Chemieprodukte aus der Schweiz profitieren in den USA weiterhin von der Meistbegünstigungsklausel. Selbst wenn die USA auf sie Zölle erheben sollten, blieben diese auf den ausgemachten Satz von 15 Prozent beschränkt, erklärte Parmelin.

200 Milliarden Investitionen

Die Schweiz sicherte den USA 200 Milliarden Investitionen durch die Privatwirtschaft zu. Keinerlei Zugeständnisse machten die Diplomaten in Fragen der aussenpolitischen Souveränität. Demnach muss die Schweiz keine Sanktionen oder ähnliche Massnahmen der USA übernehmen.

Wie Parmelin weiter ausführte, verursachten die US-Zölle von 39 Prozent auf Einfuhren aus der Schweiz bereits Schäden in der heimischen Wirtschaft, da sie 40 Prozent der Exporte betrafen.

Die aktuell vorliegende unverbindliche Absichtserklärung werde nun in eine rechtlich verbindliche Form überführt und ein Verhandlungsmandat formuliert. Anschliessend folgen gemäss Parmelin eine Konsultation und die Parlamentsberatung. Das erzielte Verhandlungsresultat sei indessen befriedigend, sagte der Wirtschaftsminister.

«Schweiz bleibt autonom»

Laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat die Schweiz beim Zolldeal mit den USA keine Zugeständnisse gemacht, welche ihre Autonomie oder Neutralität tangieren würde. «Wir bleiben autonom.» Der neue Zusatzzoll sei nach intensiven Verhandlungen zustande gekommen, sagte Parmelin weiter. Der Deal sei das Ergebnis des gemeinsamen Engagements von Team Switzerland.

Auf Nachfrage, wann denn die US-Zölle frühestens auf 15 Prozent gesenkt würden, antwortete Wirtschaftsminister Parmelin, dass dies noch etwas Zeit brauche. Das Ziel sei es gewesen, dass sich die USA und die Schweiz einigten, so der Bundesrat. Man müsse aber verstehen, «dass alle technischen Aspekte der Zölle noch geklärt werden müssten», das brauche etwas Zeit.

Mehr Medikamente in USA hergestellt

Laut Wirtschafts-Staatssekretärin Helene Budliger Artieda werden künftig weniger Medikamente in der Schweiz hergestellt. Dies folge aus der Ankündigung der Pharmaindustrie, vermehrt in den USA zu produzieren. Denn die Pharma-Exporte machten einen grossen Teil des Handelsdefizits mit den USA aus, so die Direktorin des Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) weiter.

«Es war auch so, dass wir in diesem Sinne Pech hatten», so Budliger Artieda weiter. Das Handelsdefizit sei im Januar 2025 besonders hoch gewesen, da US-Präsident Trumps Zölle schon im Raum gestanden hätten. Da habe es daher vorab sehr viele Exporte vonseiten der Pharma-Branche gegeben.

Ausserdem gäbe es auch Möglichkeiten, die Importe zu erhöhen, um das Defizit auszugleichen. Das Abkommen sei ein Zusammenkommen des Privatsektors und der Eidgenossenschaft. «Wir mussten einen Plan als Land, als Schweiz präsentieren können, wie wir dieses Handelsdefizit in den Griff kriegen.», sagte Budliger Artieda weiter.

Kommentare (6)

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  • Egli | 16.11.2025

    Dass sind doch Zugeständnisse! Entgegen der Volksmeinung und zum Schaden der Landwirtschaft und der Wirtschaft allgemein. Die Administration Trump hat erhalten, was sie wollte!

  • Isch doch glich | 16.11.2025
    Dann dürfen die schweizer bauern dafür auch nach us gesetzt wirtschaften?swiss green abschaffen?ist ja ungleichbehandlung?und neu hormone einsetzen?wäre eigentlich schon lange nötig das sich der preisüberwacher einschaltet bei soviel anderst vorschriften importe,ist ja eine masslose anderstbehandlung,denn schweizer bauer kontroliert man auf biegen und brechen,was reinkommt intressiert niemanden schaut man mit segen vom bundesrat weg,hoffen wir das die industrie arbeiter die landwirtschaft schätzen,und merken das dank ihnen,andere noch mehr bevorzugt werden,leider erzählen die medien die heutigen produktions unterschiede schon nicht den städtern,darum ist jetzt schon soviel missgunnst gegenüber dem bauer da
  • Victor Brunner | 15.11.2025
    Der Hellebardenman Dettling wird schweigen schliesslich ist das nur ein weiteres Desaster eines SVP BR!
  • Victor Brunner | 15.11.2025
    «Schweiz bleibt autonom», dabei diktiert Trump 200 Mia die Schweizer Unternehmen in den USA in 3 Jahren investieren müssen. Zollfreie Kontingente für ausgewählte US-Exportprodukte, Rindfleisch 500 Tonnen, Bisonfleisch 1’000 Tonnen, Geflügelfleisch 1’500 Tonnen. Das die Schweiz Produkte zollfrei in die USA exportieren können ist nicht bekannt. SVP BR Parmelin ist vor den USA eingeknickt und ist mit einem Entwurf zu einem "Unterwerfungsvertrag" zurück.
  • Res Bärtschi | 15.11.2025
    Die unabhängige und neutrale Schweiz geht vor Trump auf die Knie. Die schweizer Industrie übernimmt die US Normen. Was sonst noch alles vereinbart wird weis niemand genau. Wann kreuzt dann hier Dettling mit der Helebarde auf? Wohl gar nicht, denn hier gibt es keine Verträge zum aufspiessen, sondern unverlässliche Zusagen, welche von den Amerikanern jederzeit zu unseren Ungunsten durch andere ersetzt werden können.
    • bräseli | 15.11.2025

      Genau wie bei der EU.........

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