
Laut Greenpeace muss die Produktion und Ernährung in einem zukünftigen Ernährungssystem deutlich pflanzlicher werden.
Greenpeace
Greenpeace wirft dem Entwurf der neuen Agrarpolitik des Bundes vor, den Herausforderungen der Klima- und Umweltkrise nicht gerecht zu werden. Positiv bewertet die Organisation jedoch die Anerkennung des Bundesrats, dass eine Ernährungswende nur möglich ist, wenn alle Akteure mitarbeiten: von den Landwirten über die Verarbeiter und Detailhändler bis hin zu den Konsumentinnen. Als Lösung präsentiert Greenpeace ein «Ernährungssystem der Zukunft».
Ernährungssystem mit «zwei grossen Veränderungen»
Wie ein solches Ernährungssystem konkret aussehen könnte, hat die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag von Greenpeace Schweiz erarbeitet. Die daraus entstandene Vision «Plant» zeigt eine Schweiz mit einem höheren Selbstversorgungsgrad, weniger Tierproduktion, mehr pflanzlichen Lebensmitteln, fairen Preisen für Landwirtinnen und eine Politik, die Klima, Natur und Gesundheit schützt.
Damit Schweizer Landwirtinnen die Bevölkerung auch in Zukunft gesund ernähren und dabei gerecht entlohnt werden können, sind laut Greenpeace vor allem zwei grundlegende Veränderungen erforderlich:
- Fokus auf pflanzliche Produktion und Ernährung
- Weniger Abhängigkeiten von grossen Marktakteuren im In- und Ausland
Mehr Proteine für menschliche Ernährung
«Tierprodukte zu produzieren ist hochgradig ineffizient», schreibt Greenpeace. Ein grosser Teil der eingesetzten Energie gehe verloren, während wertvolle Proteine über Futtermittel in die Tierhaltung statt direkt auf den Teller gelangen. In einem zukunftsfähigen Ernährungssystem sollen deshalb Bohnen, Linsen und andere pflanzliche Proteine direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden.

Laut der Vision von Greenpeace sollen Tiere nur noch mit Grünfutter von nicht ackerfähigen Flächen ernährt werden.
Identitas
Mit dem System «Plant» würden Tiere nur noch mit Grünfutter von nicht ackerfähigen Flächen sowie mit Lebensmittelabfällen gefüttert. In der Folge würden viel weniger Nutztiere in der Schweiz leben, dafür in artgerechten Gruppen und Haltungen. Massentierhaltung würde der Vergangenheit angehören.
Faire Preise für Bauern statt Marktkonzentration
Greenpeace kritisiert zudem die starke Marktkonzentration im Schweizer Ernährungssystem. Wenige grosse Verarbeiter und noch weniger Detailhändler prägten heute Angebot, Preise und Absatzkanäle. «Das führt zu Abhängigkeiten und Preisdruck», schreibt Greenpeace.
Greenpeace hält fest, dass im heutigen System Landwirte im Durchschnitt nur rund 12 Prozent des von den Konsumenten gezahlten Lebensmittelpreises erhalten, während mehr als die Hälfte auf Transport und Handel entfällt. In der Vision «Plant» sollen Produzenten faire Preise erhalten, und die Bevölkerung soll sich ausgewogen und gesund ernähren, vor allem mit lokalen, ökologisch produzierten pflanzlichen Lebensmitteln.
-> Hier können Sie den Bericht «PLANT: Das Ernährungssystem der Zukunft» nachlesen.
Auftrag an die Politik
Nach Ansicht von Greenpeace zementieren die heutige Landwirtschaftspolitik und die Sortimentspolitik des Detailhandels die starke Ausrichtung auf Tierprodukte. Die Agrarpolitik 2030+ biete die Chance, diese Rahmenbedingungen zu ändern.

Das «Feed-no-Food-Prinzip» besagt, dass Ackerflächen vorrangig für Lebensmittel für Menschen genutzt werden sollen und nicht für Tierfutter.
Greenpeace
Greenpeace hat im Rahmen der Präsentation ein «Briefing» ausgearbeitet. Das Dokument ist ein Hintergrund Positionspapier von Greenpeace Schweiz zur geplanten Zielvereinbarung zwischen Bund und Detailhandel im Rahmen der Agrarpolitik AP30. Es ordnet die Debatte um mehr pflanzliche Ernährung und nachhaltigere Marktstrukturen politisch ein. Greenpeace verlangt messbare und verbindliche Ziele. Genannt werden insbesondere:
- ein Protein-Ziel mit mindestens 60 Prozent pflanzlichen Proteinen bis 2035
- jährliche, öffentliche Transparenz über verkaufte pflanzliche und tierische Proteine
- mehr ökologische Schweizer Produkte im Sortiment
- faire Preise ohne Benachteiligung pflanzlicher Alternativen
- verantwortungsvolles Marketing zugunsten pflanzlicher Produkte
-> Hier können Sie das «Briefing» von Greenpeace nachlesen
Vorbilder aus Europa
In dem Briefing von Greenpeace werden unter anderem die Niederlande als Vorbild genannt. Dort haben sich elf Detailhändler, darunter Albert Heijn, Aldi und Lidl, freiwillig das Ziel gesetzt, bis 2030 60 Prozent pflanzliche Proteine zu verkaufen. Parallel dazu fördert die niederländische Regierung aktiv den Übergang zu mehr pflanzlichen Proteinen.

Auch die Konsumenten sind gefragt. Sie sollten vermehrt zu pflanzlichen Proteinen greifen.
Greenpeace
Bis 2030 sollen die Proteine in der niederländischen Ernährung zu je 50 Prozent pflanzlichen und tierischen Ursprungs sein. Als konkrete Massnahme nennt Greenpeace den niederländischen Supermarkt Jumbo, der keine Werbung mehr für Fleisch macht.
Im Grossbritannien fordert Lidl die Regierung auf, verbindliche Ziele festzulegen, um «gleiche Wettbewerbsbedingungen» zu schaffen. Der Detailhändler hat sich bereits eigene Ziele für pflanzliche Lebensmittel gesetzt. So hat Lidl Grossbritannien den Umsatz mit pflanzenbasierten Produkten im Jahr 2025 um 700 Prozent erhöht.
- > Hier können Sie den Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften nachlesen