Die Bürgerlichen haben im Berner Regierungsrat mit vier Sitzen die Mehrheit inne (SVP 2, FDP 1, Mitte 1). Die Linke muss sich mit drei Sitzen begnügen (SP 2, Grüne 1).
Linke Sitz abnehmen
Bei den letzten vier Wahlen warben beide Lager mit einem Viererticket um die Gunst der Stimmberechtigten. Rotgrün tut dies auch diesmal. Auf dem bürgerlichen Wahlplakat sind hingegen fünf Gesichter zu sehen, weil sich die SVP für die Offensive entschied. Sie schickt diesmal gleich drei Bewerber ins Rennen.
Ziel sei es, der Linken einen Sitz abzunehmen und das bürgerliche Lager zu stärken, sagte Parteipräsident Manfred Bühler letzten Sommer der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Man habe das mit den anderen beiden Parteien diskutiert. Das bestätigten Mitte und FDP.
SVP hat das Sagen
Allerdings ist klar, dass die SVP letztlich das Sagen hat. Sie ist die klar grösste Partei im Kanton. Ihren Partnern von der FDP und der Mitte blieb kaum etwas anderes übrig, als die Strategie zu akzeptieren. Nun hoffen sie, dass die Rechnung aufgeht. Sonst müssten womöglich Finanzdirektorin Astrid Bärtschi (Mitte) oder Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP) um die Wiederwahl bangen.
Die SVP trägt ebenfalls ein Risiko: Sie schickt zwei Neue in die Majorzwahl, die Grossräte Daniel Bichsel und Raphael Lanz. Bichsel ist einflussreicher Finanzpolitiker, Lanz der Stadtpräsident von Thun. Hinzu kommt der Bisherige Pierre Alain Schnegg, der als gesetzt gilt und wahlstrategisch eine Schlüsselrolle spielt.
Jura-Sitz entscheidend
Denn Schnegg hält den verfassungsmässig garantierten Regierungssitz des Berner Juras. Und dieser Sitz entschied in den letzten zwei Jahrzehnten stets die Machtverhältnisse in der Exekutive. Bis 2016 war er in SP-Händen, Rotgrün stellte die Mehrheit. Dann gewann Pierre Alain Schnegg eine Ersatzwahl und sorgte damit für die bürgerliche Wende. Nun tritt er nochmals an – zum letzten Mal, wie vermutet wird, denn Schnegg ist 63 Jahre alt.
Schluss ist für Schnegg also wohl 2030, vielleicht auch früher. Ob die Bürgerlichen den Jura-Sitz in einer Ersatzwahl verteidigen könnten, steht in den Sternen. Eine Niederlage wäre weniger gravierend, falls zuvor eine bürgerliche Fünfermehrheit erreicht würde.
Rotgrün kämpferisch
Die Linke zeigt sich entschlossen, das zu verhindern und zumindest ihren Besitzstand zu wahren. Zwar erhebt auch sie Anspruch auf den Jura-Sitz, doch die Ausgangslage für den Sozialdemokraten Hervé Gullotti ist schwierig. Weit bessere Wahlchancen haben auf dem rotgrünen Ticket die amtierende Regierungsrätin Evi Allemann (SP), der Langenthaler Stadtpräsident und Grossrat Reto Müller (SP) sowie die Berner Nationalrätin Aline Trede (Grüne).
Verliert das linke Lager einen Sitz, wird jemand über die Klinge springen müssen. Die Bisherige Evi Allemann wird es kaum treffen. Aber wen dann? Müller hat die stärkere Partei im Rücken, Trede verfügt über den bekannteren Namen.
Blick zurück
Ein Erfolg des bürgerlichen Fünfertickets wäre eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen: Von 1990 bis 2006 stellten die Bürgerlichen bereits fünf Regierungsmitglieder.
Dann entschied sich die SVP für die Offensive: Bei den Wahlen 2006 gab es ein Sechserticket mit vier SVP-Kandidierenden und zwei Freisinnigen. Beim Volk kam das schlecht an. Das Resultat war eine rot-grüne Mehrheit für zehn Jahre.
Dass es wieder so weit kommt, scheint wenig wahrscheinlich. Realistischer sind zwei andere Szenarien: Dass die Bürgerlichen zulegen – oder dass einfach alles beim alten bleibt.

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