Bisher haben mit der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz, dem Solothurner Nationalrat Rémy Wissmann, dem Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg und dem Tessiner Ständerat Marco Chiesa vier Personen ihr Interesse bekundet.
Wie ist die Ausgangslage?
In der Wintersession wird das Parlament am 9. Dezember einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den scheidenden Bundesrat Guy Parmelin wählen. Die SVP beansprucht den frei werdenden Sitz für sich. Nominiert fürs offizielle «Ticket» werden Kandidatinnen und Kandidaten im Rahmen eines offiziellen Wahlvorschlags am 20. November durch die SVP-Bundeshausfraktion.
Fraktionschef Thomas Aeschi gab gegenüber Radio SRF an, sich für ein Ticket mit mindestens zwei Namen einzusetzen. Die Waadtländer SVP wiederum plädiert dafür, dass Parmelins Sitz wieder an eine Person aus der Romandie geht. Andernfalls wäre die jurassische SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider die einzige Westschweizer Vertretung in der Landesregierung.
Wer will kandidieren?
CÉLINE AMAUDRUZ: Die SVP-Vizepräsidentin und Nationalrätin aus Genf hat ihr Interesse bekundet. Die 47-jährige Amaudruz hatte sich nach dem Rücktritt von Ueli Maurer 2022 nicht zur Wahl gestellt. Dieses Mal hat es sich die auch in der Deutschschweiz bekannte Politikerin anders überlegt. Amaudruz ist innerhalb der SVP-Fraktion nicht unbestritten, hatte sie doch immer wieder entgegen der Fraktionslinie abgestimmt, etwa bei gesellschaftspolitischen Themen wie der Ehe für alle oder bei der Legalisierung der Eizellenspende.
RÉMY WYSSMANN: Der Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann will Bundesrat werden. Der 59-Jährige teilte dies an einer Medienkonferenz in Solothurn mit. Wyssmann politisiert seit 2023 in Bern und präsidiert seit 2024 die Kantonalpartei. Er ist als Rechtsanwalt in einer eigenen Kanzlei tätig. Im Nationalrat gehört Wyssmann unter anderem der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit an. Vor seiner Zeit in Bundesbern war er Mitglied des Solothurner Kantonsrats.
PIERRE ALAIN SCHNEGG: Der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg (Jahrgang 1962) bewirbt sich um einen Sitz im Bundesrat. Die SVP des Kantons Bern meldete seine Kandidatur. Die Partei bezeichnete Schnegg als erfahrenen frankophonen Westschweizer Exekutivpolitiker. Er habe sich als bestens organisierter Macher mit hoher Führungskompetenz einen Namen gemacht. Der Kanton Bern ist bereits mit Albert Rösti im Bundesrat vertreten.
MARCO CHIESA: Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (Jahrgang 1974) will die Nachfolge von Parmelin im Bundesrat antreten. Er betonte gegenüber Ticinonews, dass dies für ihn eine Ehre wäre. Chiesa war von 2020 bis 2024 Präsident der Schweizer SVP und ist seit 2019 Mitglied des Ständerats.

Nationalrätin Céline Amaudruz (SVP/GE) hat als Erste ihr Interesse angemeldet.
SVP Schweiz
Wird die erste SVP-Bundesrätin gewählt?
Gesprächsthema ist zudem, ob erstmals eine Frau für die SVP in den Bundesrat einziehen wird. Zwar wurde Eveline Widmer-Schlumpf als damalige Bündner SVP-Regierungsrätin im Jahr 2007 in den Bundesrat gewählt. Doch gilt die Wahl als politischer Coup: Die Vereinigte Bundesversammlung setzte damals SVP-Bundesrat Christoph Blocher ab. Die Wahl führte zu einer Krise innerhalb der SVP, und Widmer-Schlumpf sowie Bundesrat Samuel Schmid wechselten unter das Banner der BDP.
Welche Frauen sind im Gespräch?
MONIKA RÜEGGER: Der Name der Obwaldner Nationalrätin (Jahrgang 1968) kursierte ebenfalls bei der Suche nach der Nachfolge von Bundesrat Ueli Maurer. Sie sagte damals ab. Rüegger wurde 2019 in den Nationalrat gewählt – und war damit die erste Frau aus Obwalden im eidgenössischen Parlament.
Welche möglichen Kandidaten kommen aus der Westschweiz?
NICOLAS KOLLY: Der Freiburger Nationalrat (Jahrgang 1986) gilt als dossierfestes Talent aus der Westschweiz und wird von Analysten als konsensfähige Alternative ins Spiel gebracht. Als Vorstandsmitglied der SVP-Fraktion befasst er sich insbesondere mit den Themen Landwirtschaft und der Beziehung zur EU. Er denke derzeit ernsthaft über eine Kandidatur nach, sagte Kolly auf Anfrage.

Nationalrat Nicolas Kolly (SVP, FR) denke derzeit ernsthaft über eine Kandidatur nach.
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Wer sind mögliche Kandidaten aus der Deutschschweiz?
FRANZ RUPPEN: Der Walliser SVP-Staatsrat Franz Ruppen überlegt sich eine Kandidatur. «Ich werde darüber nachdenken», sagte der 55-Jährige der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am 13. Oktober auf Anfrage. Der Oberwalliser kennt den Parlamentsbetrieb in Bern aus seiner Zeit als Nationalrat (2015 bis 2021) und verfügt als Walliser Staatsrat (seit 2021) über Regierungserfahrung.
MICHAEL GRABER: Auch der Oberwalliser Nationalrat Michael Graber überlegt sich laut den Tamedia-Zeitungen eine Kandidatur. Das sagte der 45-Jährige zu Tamedia-Journalisten an der SVP-Delegiertenversammlung vom 17. Oktober in Bulle FR.
THOMAS AESCHI: Der SVP-Fraktionschef (Jahrgang 1979) wollte zu einer allfälligen Kandidatur vorerst keine Stellung nehmen, wie es auf Anfrage hiess. Aeschi gilt als Hardliner – womit Stimmen von ausserhalb der SVP-Fraktion wohl rar sein könnten. Als es 2022 um die Nachfolge von Bundesrat Ueli Maurer ging, verzichtete der Zuger Nationalrat auf eine Kandidatur. Er zog das Fraktionspräsidium vor. 2015 war Aeschi offizieller Bundesratskandidat um die Nachfolge von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf – er unterlag Guy Parmelin.
THOMAS MATTER: Der Zürcher Nationalrat (Jahrgang 1966) gilt als Schwergewicht seiner Partei. Im Parlament könnte er als Hardliner jedoch nicht mehrheitsfähig sein. Bei der Nachfolgeregelung von Bundesrat Ueli Maurer war Matter bereits im Spiel. Jedoch lehnte er eine Kandidatur damals ab. «Ich mache mir Gedanken», sagte Matter im «SonntagsBlick» vom 18. Oktober. Er und seine Frau würden darüber sprechen. Bei seinem Einzug in den Nationalrat vor rund 12 Jahren habe er seiner Frau versprochen, nicht Bundesrat werden zu wollen. «Bislang hat sie mich nicht aus dem Versprechen entlassen», sagte der Zürcher dem «SonntagsBlick».
JEAN-PIERRE GALLATI: Der Aargauer SVP-Gesundheitsdirektor (Jahrgang 1966) überlegt sich nach Angaben der «Aargauer Zeitung» eine Kandidatur. Er «werde eine mögliche Kandidatur mit meinem privaten und politischen Umfeld besprechen», zitierte ihn die Zeitung. Auch Gallati eckte während der Covid-19-Pandemie bei manchen Mitgliedern seiner Partei an. 2019 war Gallati in den Nationalrat sowie in die Aargauer Kantonsregierung gewählt worden. Nach wenigen Monaten in Bern trat er das Amt im Aargau an.
BENJAMIN GIEZENDANNER: Der Aargauer Nationalrat (Jahrgang 1982), Unternehmer und Sohn des SVP-Politikers Ulrich Giezendanner, will «eine Kandidatur prüfen, sofern die SVP das Profil von mir als passend beurteilen würde», sagte er auf Anfrage. Es gebe jedoch viele Kandidaten, die aus eigenem Antrieb die Kandidatur vorantrieben. Deshalb gehe er davon aus, dass er auch weiterhin in der Legislative politisieren dürfe.

Auch der Tessiner Ständerat Marco Chiesa, Präsident der SVP Schweiz, will Bundesrat werden.
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Wer hat abgesagt?
FRANZ GRÜTER: Der Luzerner Nationalrat (Jahrgang 1963) verzichtet auf eine Kandidatur, wie er dem «Boten der Urschweiz» sagte. Ausschlaggebend seien persönliche Gründe gewesen. Er habe den Entscheid gemeinsam mit seiner Familie getroffen. Grüter politisiert seit 2015 im Nationalrat und ist Mitglied der Aussenpolitischen Kommission. Die SVP Kanton Luzern hatte ihn zu einer Kandidatur ermuntert. Er wolle sich nun weiterhin auf die Aussen- und Digitalpolitik konzentrieren.
ESTHER FRIEDLI: Die St. Galler Ständerätin (Jahrgang 1977) kandidiert nicht für den Bundesrat. Nachdem sie von Medien und auch von Bundespräsident Guy Parmelin als mögliche Nachfolgerin ins Spiel gebracht worden war, erteilte sie einer Kandidatur am 9. Oktober eine Absage. Sie wolle sich auf ihre Arbeit im Stöckli konzentrieren und im kommenden Jahr zur Wiederwahl antreten, sagte sie dem Nachrichtenportal «Toggenburg 24». Bereits 2022 hatte Friedli nach dem Rücktritt von Ueli Maurer auf eine Bundesratskandidatur verzichtet und stattdessen erfolgreich für den Ständerat kandidiert.
NATALIE RICKLI: Die Zürcher Gesundheitsdirektorin und ehemalige Nationalrätin (Jahrgang 1976) wirft ihren Hut nicht in den Ring. Das gab sie am 19. Oktober auf Instagram bekannt. Die Winterthurerin möchte bei den Zürcher Regierungsratswahlen im April 2027 wieder antreten. Rickli ist eine der bekanntesten SVP-Politikerinnen des Landes. Die Winterthurerin bringt jahrelange Parlaments- und Exekutiverfahrung mit. Andererseits hat sich Rickli während der Covid-19-Pandemie nicht nur Freunde in ihrer Partei gemacht.
PIERRE-ANDRÉ PAGE: Auch der Freiburger SVP-Nationalrat und amtierende Nationalratspräsident (Jahrgang 1960) verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Er werde nicht antreten, sagte Page am 2. Oktober den «Freiburger Nachrichten». Zwar hätten ihn Parlamentarierinnen und Parlamentarier anderer Parteien zu einer Kandidatur ermutigt, doch sei für ihn das parlamentarische Mandat interessanter als jenes eines Bundesrats. Stattdessen unterstützt Page eine mögliche Kandidatur seines Freiburger Parteikollegen Nicolas Kolly.
MAGDALENA MARTULLO-BLOCHER: Die Bündner Nationalrätin (Jahrgang 1969) gilt als wichtige Persönlichkeit ihrer Partei. Interesse am Amt als Bundesrätin hat sie aber nicht. «Nein, ich werde nicht kandidieren», sagte Martullo-Blocher in der SRF-Sendung «Arena». Sie sei Unternehmerin, und das lasse sich nicht vereinbaren, sagte die Chefin des Spezialchemiekonzerns Ems. Die SVP habe gute Anwärterinnen und Anwärter. Eine Kandidatur von ihr werde deshalb – so hoffe sie – nicht nötig sein.
MARCEL DETTLING: Auch der SVP-Parteipräsident und Schwyzer Nationalrat (Jahrgang 1981) hegt derzeit keine Bundesratsambitionen. Sein Fokus sei ein anderer, und er verwies auf den Kampf gegen die neuen EU‐Verträge. «Meine Aufgabe ist das Führen der Partei», teilte Dettling mit.
SYLVAIN FREYMOND: Der Präsident der SVP Waadt (Jahrgang 1984) sagte am 4. Oktober in der Westschweizer Tagesschau, er verzichte auf eine Kandidatur. Er konzentriere sich lieber auf die kantonalen Wahlen, die 2027 stattfinden. Er sei noch nicht sehr lange in Bern und Präsident der SVP Waadt. «Deshalb wird es dieses Mal nichts, aber vielleicht später, wenn sich die Gelegenheit bietet», sagte er. Für ihn ist wesentlich, dass eine SVP-Vertretung aus der Westschweiz das Amt weiterführen wird. Freymond sitzt erst seit rund drei Jahren im Nationalrat.
YVAN PAHUD: Der Waadtländer Nationalrat (Jahrgang 1980) verzichtet auf eine Kandidatur. Obwohl er an dem Amt interessiert sei, sei dies «nicht der richtige Zeitpunkt», sagte der Gemeindepräsident von Sainte-Croix. «Es war eine schwierige Entscheidung, denn das Amt interessiert mich», sagte der SVP-Politiker am 16. Oktober in der Sendung «Forum» des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS. Aber heute möchte er sich seiner Gemeinde, seinem Kanton und seiner Familie widmen, fügte der Nationalrat hinzu, der Vater von zwei Jugendlichen ist.
ANDRE RÜEGSEGGER: Der Baudirektor des Kantons Schwyz (Jahrgang 1976) gab seinen Verzicht am Montag bekannt und nannte in einer Mitteilung der SVP Schwyz persönliche und berufliche Gründe dafür. Er wolle sich weiterhin auf die kantonale Politik konzentrieren und laufende Projekte vorantreiben.
CHRISTIAN IMARK: Der Solothurner Nationalrat (Jahrgang 1982) hatte eine Kandidatur nicht ausgeschlossen, entschied sich dann aber dagegen. Er begründete den Verzicht mit seiner familiären Situation. Seine zwei kleinen Kinder bräuchten ihren Vater, sagte er gegenüber SRF.
PASCAL SCHMID: Der Thurgauer Nationalrat (Jahrgang 1976) und SVP-Asylchef hatte auf Anfrage zunächst angegeben, sich «selbstverständlich» Gedanken zu einer Kandidatur zu machen, dann aber den Verzicht auf eine Kandidatur verkündet. Zuvor hatte er Ambitionen für die Nachfolge des zurücktretenden Ständerats Jakob Stark angemeldet. Wer letztlich für die Partei in den Ständeratswahlkampf steigt, entscheidet die Delegiertenversammlung am 6. Januar 2027.
MIKE EGGER: Der St. Galler SVP-Nationalrat Mike Egger (Jahrgang 1992) kandidiert nicht für den Bundesrat. Er bestätigte seinen Verzicht am Mittwochabend gegenüber dem Ostschweizer Fernsehsender TVO. Stattdessen könne er sich eine Kandidatur für die St. Galler Regierung bei den Wahlen 2028 vorstellen.
NICOLAS KOLLY: Der Freiburger SVP-Nationalrat Nicolas Kolly (Jahrgang 1986) verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Er wolle die Chancen der Westschweiz nicht schmälern, sagte er gegenüber «La Liberté». Stattdessen strebt er einen Sitz im Ständerat an.
