Der Kommandoposten auf der Landwirtschaftsschule Liebegg in Gränichen AG soll eine provisorische Asylunterkunft werden. Die Aargauer Regierung will im militärischen Teil des Bunkers 60 Asylsuchende unterbringen. Doch nun wehrt sich die Schulkommission. Mit Umfrage.
Der Aargauer Regierungsrat hat beschlossen, angesichts der Lage bei der Unterbringung von Asylsuchenden den militärischen Teil des Kommandopostens Liebegg in Gränichen für die Unterbringung von Asylbewerbern in Betrieb zu nehmen. "Gespräche mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum hätten stattgefunden", heisst es in einer Medienmitteilung der Schulkommission Liebegg.
Ohne Miteinbezug der Schule
Der Präsident der Schulkommission sowie die Verantwortlichen der Liebegg seien erst am Tag der öffentlichen Bekanntgabe des Regierungsratsbeschlusses informiert worden. Dies im Sinne einer Information über einen bereits gefällten Beschluss und nicht im Sinne eines Gesprächs mit einem Direktbetroffenen. "Über dieses forsche Vorgehen, ohne vorherigen Miteinbezug der Liebegger, ist die Schulkommission äusserst erstaunt", heisst es in der Mitteilung.
Die Schulkommission sei sich durchaus der ungelösten Problematik im Asylbereich bewusst und verstehe auch den Handlungsdruck der Regierung. "Aber dieser Standort ist denkbar ungeeignet und das gewählte Vorgehen ist inakzeptabel", argumentiert die Schulkommission. Betrachtee man die räumliche Situation, so seien Konflikte vorprogrammiert. Der Ausgang des Kommandopostens, der ehemals geheimen Anlage, führe direkt auf Ausbildungsanlagen der Schule. Eine räumliche Trennung sei baulich unmöglich zu gewährleisten.
Grosses Konfliktpotenzial
Die Asylsuchenden würden in unterirdischen Räumen untergebracht. Oberirdisch bestehen keine Möglichkeiten für Aufenthaltsräume. An der Schule seien aber die Kapazitäten für zusätzliche Raumnutzungen ausgeschöpft beziehungsweise jetzt schon überbelegt. "Unsere Schülerinnen und Schüler müssten sich also die Ausbildungs- und Pausenplätze mit den Asylbewerbern teilen. Das dadurch ein erhöhtes Konfliktpotenzial geschaffen wird, liegt auf der Hand", so die Schulkommission.
Eine dauernde Überwachung der weitläufigen Anlage sei nicht umsetzbar. Zudem sei es nicht legitim, dass der Unterricht und die Pausen unserer Schülerinnen und Schüler auf einem dauerhaft überwachten Areal stattfinde. "Die abendlichen Kurse, welche auch von vielen Frauen besucht werden, würden wohl unter diesen Umständen stark an Attraktivität verlieren. Der gute Ruf des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg, welcher über die Landesgrenzen besteht, würde nachhaltig gefährdet", heisst es weiter. Ohne Sankt Florianspolitik betreiben zu wollen, halte die Schulkommission fest, dass Standorte für Asylunterkünfte ohne räumliche Trennung zu Schulen absolut ungeeignet sei. "Die Güterabwägung zwischen einem regulären Schulbetrieb und der Unterbringungsproblematik von Asylsuchenden wurde falsch beurteilt", wird weiter argumentiert. Der Widerstand gegen dieses Projekt sei aus genannten Gründen vorprogrammiert.