
Die Folgen von lang anhaltender Trockenheit und Hitze zeigen sich vor allem auch in der Landwirtschaft.
Tobias Strahm
Von Januar bis Juli 2026 fiel im Schweizer Mittelland nur die Hälfte der üblichen Niederschläge. Die Hitze verstärkt den Wassermangel durch Verdunstung. «Mehr Bewässerung ist keine Lösung, weil das Wasser auch in den Flüssen, Seen und im Grundwasser fehlt» zeigen sich die «Vision Landwirtschaft» der «Verein ohneGift» in einer Mitteilung überzeugt. In einem Positionspapier stellen sie Massnahmen vor, die sie nicht nur als kurzfristige «Hauruckübungen», sondern als langfristig ausgerichtete Strategien verstehen.
Ruf nach Soforthilfe genügt nicht
Die Lage auf den Betrieben ist ernst. Böden und Kulturen trocknen aus, es kommt zu Missernten und Kühe mussten kurz nach dem Alpaufzug wieder ins Tal geführt werden. Winterreserven werden bereits jetzt verfüttert. Wenn das nichts mehr helfe, werde notgeschlachtet. Da sei es nur verständlich, dass der Ruf nach Soforthilfe laut wird, heisst es in der Mitteilung.
Als verständliche Forderungen, die die beiden Organisation aber nur als kurzfristig wirksame Nothilfe betrachten, führen sie folgende Schlagzeilen auf: «Die Milchpreise sollen erhöht werden!», «Die Raus-Bestimmungen lockern!», «Zölle auf Futtermittel senken!», «Die Armee für Wassertransporte aufbieten!», «Bewilligungsverfahren für Wassersammelbecken vereinfachen», «Bundesrat soll ausserordentliche Lage ausrufen!»
-> Wegen Dürre: Ausserordentliche Lage und höherer Milchpreis gefordert
-> Milch: BOM prüft Massnahmen zur Drosselung der Produktion
Landwirtschaft langfristig ausrichten
Hitzesommer wird es auch in Zukunft geben. «Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur an kurzfristige Linderung denken, sondern die Schweizer Landwirtschaft so ausrichten, dass sie langfristig so gut wie möglich für Extremereignisse gerüstet ist», schreiben die Organisationen.

Mit Agroforstsystemen soll die Schwammfunktion der Böden gestärkt werden, heisst es im Positionspapier.
Mareike Jäger
Um gegen diese Extremereignisse gerüstet zu sein, nennen sie folgende Strategien: Landschaften, die mehr Wasser speichern (z.B. über Schwammland oder Agroforst), trockenheitstolerante Kulturen (z.B. Hirse statt Kartoffeln) und schlaue Kulturtechniken (z.B. Bodenbedeckung und Humusaufbau).
Ein Positionspapier für mehr Widerstandsfähigkeit
Viele dieser Massnahmen würden dabei doppelt wirken. «Wo Wasser langsamer abfliesst und besser versickert, wird bei Starkregen weniger Oberboden abgetragen, und es gelangen weniger Nährstoffe und Pestizide in die Gewässer». Diese Massnahmen würden zwar Zeit und Investitionen erfordern, wären dafür aber mehr als nur «Tropfen auf den heissen Stein».
Die Autoren des Positionspapiers
Vision Landwirtschaft ist ein gemeinnütziger Verein und eine breit zusammengesetzte Denkwerkstatt. Seit 2007 setzt sie sich für eine transparente, zielorientierte Agrarpolitik sowie eine nachhaltige, klima- und biodiversitätsfreundliche Land- und Ernährungswirtschaft ein.
Der Verein OhneGift informiert über Umweltgifte und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Die Plattform veröffentlicht Beiträge zu Themen wie Pestiziden, Schadstoffen und Gesundheit, erläutert Risiken und formuliert Forderungen für einen besseren Schutz von Umwelt, Biodiversität und Bevölkerung.
Bei den vorgeschlagenen Massnahmen handle es sich um eine echte Vorbereitung auf eine herausfordernde Zukunft. Um die Landwirtschaft bei der Umsetzung dieser Massnahmen zu unterstützen, seien finanzielle Mittel und Beratung nötig.