
Landwirte und Bevölkerung sind sich einig, dass die heimische Lebensmittelproduktion und die landwirtschaftlichen Einkommen zu den wichtigsten agrarpolitischen Zielen gehören.
zvg
Das sind Ergebnisse einer im Fachmagazin «Agricultural and Food Economics» publizierten Studie von Agroscope und der ETH Zürich. Analysiert wurden die Ansichten und der Konsensgrad zwischen 820 Landwirten und 848 Nicht-Landwirten zur Agrarpolitik.
Sicheres Einkommen
Es wurden zwei Fragebögen mit identischen Fragen an Landwirtinnen und Landwirte (Jahr 2023) und Nicht-Landwirte (Jahr 2022) aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ausgewertet. Frage: «Stellen Sie sich vor, Sie könnten über das Agrarbudget in der Schweiz verfügen. Bitte geben Sie für die nachfolgenden Aspekte an, wie wichtig diese bei der Verteilung des Agrarbudgets (bzw. der Subventionen) sein sollten.» (1= gar nicht wichtig bis 7=sehr wichtig).

Die Wahrnehmung agrarpolitischer Ziele. Je weiter nach links der Balken reicht, umso unwichtiger ist das Thema für die Befragten (Werte 1–3). Umgekehrt: je mehr nach rechts, umso wichtiger (Werte 5–7). Im grauen Bereich haben sich die Befragten neutral geäussert (Wert 4)
Agroscope
Die Resultate zeigen, dass sowohl Landwirtinnen und Landwirte als auch Nicht-Landwirte die Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen und die einheimische Lebensmittelproduktion ähnlich wichtig finden. Es gibt aber auch Unterschiede. Landwirte halten Agrarumweltziele für deutlich weniger wichtig als Nicht-Landwirte. Letztere wiederum halten die Senkung der Lebensmittelpreise für wichtig, Landwirtinnen und Landwirte hingegen mehrheitlich nicht.
Uneinigkeit über Agrar-Umweltziele
Unter Nicht-Landwirten besteht ein hoher Konsens über die Bedeutung aller agrarpolitischen Ziele. Bei Landwirten ist der Konsens deutlich geringer, insbesondere bei Agrarumweltzielen. Die stärksten Meinungsunterschiede bei den Landwirten zeigen sich bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen. Die grösste Einigkeit zwischen beiden Gruppen besteht bei der Bedeutung eines angemessenen landwirtschaftlichen Einkommens und der einheimischen Lebensmittelproduktion.

Konsens und Dissens in der Wahrnehmung agrarpolitischer Ziele bei Landwirten und Nicht-Landwirten. Der Konsenswert kann Werte zwischen 0 (völlige Uneinigkeit, Dissens) und 100 % (völlige Einigkeit, Konsens) annehmen.
Agroscope
Die Studie hält fest, dass Landwirte keine homogene Gruppe sind, sondern unterschiedliche Ansichten, speziell in Bezug auf Umweltziele, vertreten. Die Politik müsse dieser Heterogenität Rechnung tragen, beispielsweise durch eine effizientere Verteilung der Agrarumweltzahlungen.
Handlungsfelder
Die Analyse zeige zentrale agrarpolitische Handlungsfelder, schreiben die Forschenden. Die breite Unterstützung der diversen agrarpolitischen Ziele legitimiere politische Interventionen, welche die multifunktionalen Ziele der Landwirtschaft unterstützten.
Künftige agrarpolitische Reformen müssten auch ein Gleichgewicht zwischen Umweltzielen und der Sicherung der Einkommen der Landwirte finden und gleichzeitig erschwingliche Lebensmittelpreise gewährleisten. «Eine ökologischere Nahrungsmittelproduktion dürfte nur umgesetzt werden, wenn diese nicht mit Einkommensverlusten in der Landwirtschaft verbunden sei», halten die Forschenden fest.
Fazit
- Landwirte und Nicht-Landwirte sind sich über die Legitimität der vielfältigen agrarpolitischen Ziele einig.
- Beide Gruppen sind sich einig, dass die heimische Lebensmittelproduktion und die landwirtschaftlichen Einkommen zu den wichtigsten agrarpolitischen Zielen gehören.
- Landwirte legen mehr Wert auf angemessene landwirtschaftliche Einkommen , Nicht-Landwirte auf geringere Lebensmittelpreise und die Reduktion der Umweltwirkungen.
- Innerhalb der Landwirtschaft gehen die Meinungen zu Agrarumweltzielen, besonders zur Treibhausgasreduktion, deutlich auseinander.
- Künftige Agrarreformen müssen Ziele zu Umwelt, landwirtschaftlichem Einkommen und Lebensmittelpreisen ausbalancieren.