
Die Fruchtfolgeflächen, auf welchen sich jährlich die Ackerfrüchte abwechseln, sind die landwirtschaftlich wertvollsten Böden der Schweiz.
Renate Hodel
Die Fruchtfolgeflächen, auf welchen sich jährlich die Ackerfrüchte abwechseln, sind die landwirtschaftlich wertvollsten Böden der Schweiz. Die meisten davon liegen in den Tälern, wo am meisten gebaut wird und wo Flüsse renaturiert, das heisst verbreitert, werden.
Kantonale Unterschiede
Um die Ernährung auch in Krisenzeiten bei gestörter Zufuhr mindestens zu einem grossen Teil aus eigener Kraft sicherstellen zu können, hat der Bund den Kantonen eine Mindestmenge an Fruchtfolgeflächen (FFF) auferlegt. Und es gibt Vorgaben zur Kompensation, wenn eine FFF zerstört wird. Diese Kompensation funktioniert aber je nach Kanton unterschiedlich.
Im Kanton Zürich muss beim Überbauen einer FFF diese sogenannt baulich kompensiert werden. Das bedeutet, dass dafür andere Flächen, die nur zur Hälfte als FFF gelten, verbessert werden, sodass sie höhere ackerbauliche Erträge liefern können. Dies geschieht durch Überschüttung mit Bodenmaterial und kostet 50 bis 100 Fr./m2. Wenn 1 Hektare FFF überbaut wird, müssen 2 Hektaren von «halb anrechenbar» zu «voll anrechenbar» oder 1 Hektare von «nicht anrechenbar» zu «voll anrechenbar» aufgewertet werden. Das kostet den Bauherrn bis zu 1 Million Franken. Das Gesamtpotenzial für die Lebensmittelproduktion sollte so ungefähr dasselbe bleiben.
Umfassende Bodenkartierung
Im Kanton Bern läuft es anders. Hier lässt das Gesetz auch gutachterliche Kompensationen zu, wenn eine FFF überbaut wird. Das heisst, eine bodenkundige Fachperson macht sich auf die Suche nach einer Fläche, die den Kriterien des Bundes für eine FFF genügt, die aber in den 1980er- und 1990er-Jahren, als der Kanton Bern sein Inventar erstellt hat, übersehen worden ist.
Solche Flächen gibt es, und ein solches Gutachten kostet nur etwa 5’000 Franken für eine Hektare. In der Folge wird also hier eine Hektare FFF überbaut und dafür eine bestehende Fläche in der Buchhaltung neu als FFF gezählt. Die Landwirtschaft und die Bevölkerung haben damit eine Hektare mit Potenzial für Brotweizen, Kartoffeln oder Raps verloren.
Der Kanton Bern möchte, dass auch er wie der Kanton Zürich FFF, die nicht alle Kriterien des Bundes erfüllen, zur Hälfte anrechnen lassen kann. Sodass er diese anschliessend aufwerten kann und es für die Bauherren teurer wird. Der Bund winkt ab. Zuerst brauche es eine umfassende Bodenkartierung.