«Zwei von drei Betrieben würden profitieren»

Regina Fuhrer, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung (VKMB), wirbt für eine Neuverteilung der Direktzahlungen.

Interview: Daniel Salzmann |

Regina Fuhrer, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung (VKMB), wirbt für eine Neuverteilung der Direktzahlungen.

«Schweizer Bauer»: Hat die Kleinbauern-Vereinigung etwas gegen Grossbetriebe, wie Ihnen Leserbriefschreiber Werner Schüttel aus Le Cerneux-Péquignot NE vorwirft?
Regina Fuhrer: Nein. Grossbetriebe sind genauso Teil einer vielfältigen Landwirtschaft wie kleine und mittlere Betriebe.

Warum sollen kleinere Betriebe besonders erhaltenswert sein?
Die vielfältigen Strukturen sind die Stärke unserer Landwirtschaft. Wir brauchen kleine und mittlere Betriebe, diese widerspiegeln unter anderem die geografischen Unterschiede der Schweiz. Gemäss Verfassungsauftrag fördert der Bund die bäuerliche Landwirtschaft. Ihr gutes Image verdankt die Landwirtschaft vor allem konsumentennahen und vielfältigen Höfen. Sie schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum, indem sie Produkte regional verarbeiten lassen und vermarkten. Wenn es immer weniger und einseitigere Betriebe gibt, die ihre Produkte an grosse Lebensmittelverarbeiter liefern, schwindet die Beziehung der Bevölkerung zur Landwirtschaft und damit die Bereitschaft, sie zu unterstützen.

Warum soll  ein Betrieb ab der 30. Hektare Fläche keine zusätzlichen Basisbeiträge für die Versorgungssicherheit mehr erhalten?
Mit der Abschaffung der Einkommens- und Vermögensgrenze und der Abschwächung der Flächenabstufung (vorher ab 40 ha, neu erst ab 60 ha) gibt es unhaltbare Auswüchse der Direktzahlungen nach oben. Flächenmässig grosse Betriebe profitieren unverhältnismässig, die Limite von 70000Fr./SAK greift zu wenig. Diese Auswüchse müssen korrigiert werden, ansonsten setzen wir die Glaubwürdigkeit der Branche und damit die Sympathien der Steuerzahlenden aufs Spiel. Unser Lösungsvorschlag ist deshalb eine degressive Stufung der Versorgungssicherheitsbeiträge mit einem Maximalbetrag von 24000 Fr. für alle Betriebe ab 30 ha. Betriebe mit über 30 ha können nach wie vor für all ihre Hektaren auf sämtliche anderen Beitragskategorien zugreifen. Der Druck auf die Fläche darf nicht vom Bund mittels Direktzahlungen zusätzlich verschärft werden. Es ist unserer Ansicht nach nicht Aufgabe der Politik, Anreize zum Wachsen zu setzten.

Wer würde von einer solchen Neuverteilung der Direktzahlungen profitieren?
Mehr als 40000 Betriebe würden höhere Basisbeiträge erhalten. Also rund zwei Drittel aller Landwirtschaftsbetriebe würden profitieren (Zahlen des Bundesamts  für Statistik 2013).

Der Gutsbetrieb Hondrich wird jetzt wieder konventionell geführt. Warum wollten Sie, dass er bei der Bio-Suisse-Produktion bleibt?
Bioprodukte sind nachhaltig produziert und am Markt sehr gefragt. Der Landwirtschaftsbetrieb Hondrich als Teil einer landwirtschaftlichen Schule sollte mit gutem Beispiel vorangehen und seine Vorbildrolle wahrnehmen.

Die Kleinbauern-Vereinigung betreibt eine Anlaufstelle für die ausserfamiliäre Hofübergabe. Wie ist das Interesse?
Es gibt viele gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, die einen Betrieb zum Pachten oder Kaufen suchen. Der Nachwuchsmangel in der Landwirtschaft ist ein Mythos, die Nachfrage nach Höfen übersteigt das Angebot. Auch das Interesse von Hofabgebenden ist da. Bei uns melden sich Bauern und Bäuerinnen, denen es ein Anliegen ist, dass ihr Betrieb weiterhin eine Existenz bietet.

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