Nach einer Reihe anderer deutscher Geldhäuser stoppt auch die genossenschaftlich organisierte DZ Bank das Geschäft mit der Spekulation auf Nahrungsrohstoffe. Finanzprodukte mit Agrarrohstoffen würden nicht mehr angeboten, erklärte das viertgrösste deutsche Geldinstitut in einem am Montag veröffentlichen Schreiben an die Konsumentenorganisation Foodwatch.
«Nahezu alle Produkte mit Agrarrohstoffen aus dem Wertpapierangebot für Privatkunden, die über ein festes Laufzeitende verfügen, laufen im Jahr 2013 aus», teilte die DZ Bank mit.
Spekulationsprodukte ohne Laufzeitende seien bereits von der Börse genommen worden, wenn keine Kundengelder mehr in diesen Geldanlagen hinterlegt gewesen seien. Anlageprodukte ohne Laufzeitende, wo noch Kundengelder hinterlegt waren, seien auf den 3. Juni gekündigt worden. Auch würden keine entsprechenden Produkte neu aufgelegt und die DZ Bank verkaufe zudem keine Agrarrohstoffprodukte anderer Gesellschaften mehr.
Grossinvestor ausgestiegen
Als Grund für den Rückzug nannte die Bank, dass bei der Fondstochter Union Investment ein grosser Rohstofffonds seit März nicht mehr in Agrarrohstoffe investiere, heisst es im Schreiben weiter. Der Fonds hatte nach Angaben der DZ Bank zuletzt ein Volumen von 300 Millionen Euro. Mit einem Drittel der eingesammelten Kundengelder wurde auf die Preisentwicklung von Nahrungsrohstoffen spekuliert.
Die DZ Bank ist die Dachgesellschaft von über 900 Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland. Die genossenschaftliche Zentralbank ist nach der Bilanzsumme Deutschlands viertgrösstes Kreditinstitut. Grösser sind nur die Deutsche Bank, die Commerzbank und die staatliche Förderbank KfW.
Kritik von Foodwatch zeigt offenbar Wirkung
Die Konsumentenorganisation Foodwatch hatte in der Vergangenheit immer wieder Druck auf Bankkonzerne ausgeübt, damit sie das Geschäft mit Agrarspekulationen beenden. Foodwatch-Chef Thilo Bode sagte dazu, der Entschluss der DZ Bank zum Ausstieg aus den Agrargeschäften beweise «gesellschaftliche Verantwortung».
Die Bank mache sich nämlich so auch für die politische Regulierung von Rohstoff-Terminbörsen stark. Eine Kontrolle des Handelsvolumens durch «wirksame» Limits bei Handelspositionen sei «Grundvoraussetzung, um exzessive Spekulation und damit Hungerkrisen zu verhindern».
Auch Commerzbank ist ausgestiegen
In der Vergangenheit waren bereits andere deutsche Banken aus dem Geschäft mit Finanzprodukten ausgestiegen, mit denen Anleger auf die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen spekulieren, so etwa die DekaBank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die auch die Commerzbank. Die Deutsche Bank und der Versicherer Allianz halten hingegen am Geschäft mit Nahrungsrohstoffen fest.
Auch in der Schweiz ist ein Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen ein Thema. Ende September 2012 haben die Jungsozialisten (Juso) eine entsprechende Volksinitiative lanciert. Sie soll unter anderem Banken, Versicherungen und Pensionskassen den Handel und das Investieren in diese Finanzprodukte verbieten. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Ende März 2014.