Agroscope wehrt sich gegen den Vorwurf, Politik zu machen 

Agroscope begründet die Verwendung nennergewichteter Mittelwerte für die Einkommens- und Stundenlohnberechnungen unter anderem mit Verweis auf internationale Gepflogenheiten. 

sal |

Zum kürzlich in der Zeitung «Schweizer Bauer» und auf schweizerbauer.ch publizierten Artikel über die Berechnung von Stundenlöhnen in der Schweizer Landwirtschaft hat Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, die folgende Stellungnahme geschickt: 

«Es ist keineswegs der Fall, dass wir die Daten unter Verschluss halten. Die Daten, mit denen Herr Binswanger seine Berechnungen durchgeführt hat, waren jedoch provisorische und nicht finale Daten. Wir haben ihn darauf hingeweisen – und verzichten deshalb auch auf eine erneute Weitergabe dieser provisorischen Daten an Dritte. Als Mitglied einer Schweizer Forschungseinrichtung hat Herr Binswanger die Möglichkeit, Zugang zu den Rohdaten von Agroscope zu beantragen und auf dieser Grundlage eigene Vollkostenberechnungen nach unterschiedlichen Methoden vorzunehmen.

Agroscope macht keine Politik, sondern berechnet die Vollkosten nach einer wissenschaftlich fundierten und international anerkannten Methodik, wie sie auch einheitlich in der gesamten Europäischen Union genutzt wird, um das landwirtschaftliche Einkommen zu berechnen. Diese Berechnung betrachtet den Sektor als Ganzes und berücksichtigt den Anteil eines Betriebs an der gesamten, betrachteten Produktion. Der entsprechende Methodenbericht ist ebenfalls öffentlich verfügbar.» 

Der «Schweizer Bauer» bekam die Daten nicht 

Daniel Salzmann, Chefredaktor der Zeitung «Schweizer Bauer», hätte den Einfluss der unterschiedlichen Mittelwertberechnung (ungewichteter Mittelwert versus nennergewichteter Mittelwert) gerne selbst an den Daten nachvollzogen. Doch Agroscope überliess ihm die Daten, die sie Prof. Dr. Mathias Binswanger gegeben hatten, nicht. Binswanger arbeitet in seiner Studie im Auftrag von Faire Märkte Schweiz mit ungewichteten Mittelwerten und erläutert darin, warum er dies treffender findet.

Agroscope arbeitet mit nennergewichteten Mittelwerten, was in aller Regel höhere Werte ergibt, da grosse effiziente, gut eingerichtete Betriebe bei dieser Methodik mehr zählen. Faire Märkte Schweiz ist ein Verein, der von einer Stiftung finanziert ist, und kann darum unabhängig vom Bund und von den Bauernverbänden und von den Detailhändlern und allen anderen Marktakteuren agieren. 

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