Alpwirtschaft unter Druck: Wie Personal gebunden wird

Der Mangel an erfahrenem Alppersonal gefährdet die nachhaltige Bewirtschaftung der Schweizer Alpen. Eine Studie zeigt, welche alpinternen und alpexternen Faktoren eine wiederkehrende Beschäftigung auf den Alpen begünstigen. Defizite zeigen sich bei den Kriterien Lohn, Führung und Organisation.

pd/ome |

Den Schweizer Sömmerungsbetrieben fehlt qualifiziertes und erfahrenes Personal, unter anderem weil Angestellte immer weniger Alpsommer absolvieren. Der daraus resultierende Personalmangel und Erfahrungsverlust können sich negativ auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen auswirken. Wie «Agrarforschung Schweiz» mitteilt, können sowohl die Alpwirtschaft als Ganzes als auch einzelne Alpbetriebe konkret zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Alppersonal beitragen.

Das wissenschaftliche Publikationsorgan der Schweizer Landwirtschaft bezieht sich dabei auf die Studie «Die Alp als Lebens- und Arbeitsform – Herausforderungen für das Alppersonal» der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst-, und Lebensmittelwissenschaften (Hafl). Laut dieser Studie kann die Alpwirtschaft nur durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen langfristig ein attraktives Berufsfeld bleiben.

Wechsel führen zu Wissensverlust und Ineffizienzen

Jeden Sommer sichern rund 17 000 Älplerinnen und Älpler die Bewirtschaftung von über 6500 Alpen. Doch qualifiziertes und langfristig verfügbares Personal wird zunehmend knapp. Häufige Wechsel führen laut der Studie zu Wissensverlust und Ineffizienzen.

Um qualifiziertes Personal langfristig halten zu können, sei es wichtig zu verstehen, welche alpinternen und alpexternen Faktoren eine erneute Beschäftigung auf einem Sömmerungsbetrieb begünstigen oder behindern. Eine Umfrage bei und Interviews mit Alpangestellten haben zwei zentrale Problemkomplexe aufgezeigt: Alpexterne und alpinterne Faktoren

Hohe Fluktuation auf den Alpen: Was dahintersteckt

Bei der Mehrheit des Alppersonals verhindern alpexterne Faktoren eine langfristige Rückkehr in die Alpwirtschaft. Die saisonale Lebensform sei nur schwer mit Beruf, Familie und modernen Lebensentwürfen vereinbar. Zudem gelte ein Leben auf der Alp teilweise als «Aussteigertum», was was laut der Studie eine wiederkehrende Rückkehr auf die Alp ebenfalls hemmen kann.

Drei alpinterne Gründe verhindern Rückkehr: Anstellungsbedingungen, Organisation und Führung. Entscheidend seien transparente Kommunikation, Wertschätzung und Vertrauen. Neben einer angemessenen Wohn- und Arbeitsinfrastruktur brauche es vor allem bessere Löhne, die mit Erfahrung steigen, sowie eine stärkere Personalführung.

Empfehlungen für Alpwirtschaftsbranche und Sömmerungsbetriebe

Basierend auf den genannten Ergebnissen haben Studierende der Hafl in einem Workshop mit 24 Fachleuten aus der Alpwirtschaft zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet. Nachfolgend sind die zentralsten Empfehlungen zusammengestellt.

Die Alpwirtschaftsbranche sollte…

  • Weiterbildung in Personalführung für Alpverantwortliche anbieten.
  • Eine national koordinierte, anerkannte Ausbildung fürs Personal schaffen.
  • Die Stellensuche im Herbst gezielt unterstützen (z. B. Plattformen).
  • Festangestellte bei wiederkehrenden Freistellungen für den Alpsommer unterstützen.
  • Die gesellschaftliche Anerkennung der Alparbeit stärken.
  • Vorlagen (z. B. Arbeitszeugnisse) fürs Personalmanagement bereitstellen.
  • Anstellungsbedingungen verbessern und stärker vereinheitlichen, v. a. die Löhne.

Die Sömmerungsbetriebe sollten…

  • Personalführung stärken und gezielt schulen.
  • Wohn- und Betriebsinfrastruktur weiterentwickeln.
  • Offen, transparent und wertschätzend kommunizieren.
  • Individuelle Bedürfnisse und Kompetenzen stärker berücksichtigen.
  • Klare Alp-Dokumentation für einen guten Einstieg bereitstellen.
  • Personal bei Stellensuche unterstützen und flexibel bleiben.

-> Hier können Sie die Hafl-Studie «Die Alp als Lebens- und Arbeitsform – Herausforderungen für das Alppersonal» nachlesen

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