Am 8. April wird in Brugg ein Film gezeigt, der ein einziges Plädoyer für den Veganismus ist. Vorher gibt es einen veganen Brunch – ein Brunch also ganz ohne tierische Produkte (Milch, Eier, Fleisch). Der Anlass wird von diversen Bauernverbänden unterstützt. -> Mit Video
Dazu muss man wissen: Im Dokumentarfilm von Marc Pierschel mit dem Titel «The End of Meat» wird von A bis Z der Veganismus, also der Verzicht auf tierische Produkte in der Ernährung, gepriesen. Der Autor dieser Zeilen hat ihn gesehen, er war am Mittwochabend bei der Schweizer Erstaufführung im Odeon in Brugg dabei.
Kein Gegenargument
Im Film wird der Veganismus als unumgänglich dargestellt, wenn die Erde erhalten werden solle. Keine einzige Gegenstimme, kein einziges Gegenargument ist integriert. Das Odeon, dessen Gastroleiterin nach dem Film einen Kurzvortrag hält, beschreibt sich auf seiner Homepage wie folgt: «Gekocht wird bei uns mehrheitlich vegetarisch, vegan und weizenfrei.» Von Gina Sträuli ist also kein Plädoyer für eine Ernährung mit erheblichem Fleischanteil zu erwarten. Moderator Florian Vock ist stellvertretender Betriebsleiter des Odeon in Brugg und sitzt für die SP im Grossen Rat des Kantons Aargau.
Veganer Brunch, Film und Vortrag
9.30 Uhr Brunch mit feinen veganen, weizen- oder glutenfreien Speisen
11 Uhr Dokumentarfilm von Marc Pierschel über die Geschichte des Veganismus
und die ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Hintergründe
13 Uhr Kurzvortrag von Gina Sträuli, Gastroleiterin ODEON, Diskussion moderiert von Florian Vock
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Mutterkuh Schweiz und Bio Aargau dabei
Ethiker Thomas Gröbly blendete am Mittwochabend im Odeon auf der Leinwand einen Veranstaltungshinweis auf den veganen Brunch vom 8. April ein. Er erwähnte, dass eine Reihe von Organisationen diesen Anlass unterstützen würden. Auf dieser Folie waren unter dem Titel «in Kooperation mit folgenden Organisationen» einerseits Veganer-Organisationen wie Tier im Fokus (tif), HelloVegan und Swissveg. Andererseits sind diverse Umweltschutzorganisationen wie Pro Natura und Greenpeace dabei. Und dann, das ist das Bemerkenswerte, sind mehrere bäuerliche Organisationen aufgelistet:
- Mutterkuh Schweiz
- Agrarallianz (da sind unter anderen Bio Suisse und IP-Suisse Mitglied)
- Bio Aargau, die Vereinigung der Biobauern im Kanton Aargau
- der Biobauernverband Bergheimat
- die Bauerngewerkschaft Uniterre
- die Kleinbauern-Vereinigung
- das Bioforum Schweiz
- Vision Landwirtschaft (mit Bergbauer Johann Inniger im Vorstand)
Viehlose Betriebe Ausnahme
Die allermeisten Mitglieder dieser Organisationen sind in der Fleisch- und Milchproduktion engagiert. Bei Mutterkuh Schweiz ist dies per definitionem der Fall. Aber auch bei der Bergheimat ist anzunehmen, dass sämtliche Betriebe tierische Produkte herstellen. Bei Biobetrieben werden geschlossene Stoffkreisläufe besonders propagiert.
Der Schreibende hat erlebt, dass sich ein viehlos wirtschaftender Betriebsleiter an der Delegiertenversammlung der Bio Suisse für diese Wirtschaftsform fast entschuldigte. Bekanntlich sind viehlose Betriebe in der Schweiz die Ausnahme. Das hält die genannten Bauernverbände offenbar nicht davor ab, einen Veganer-Anlass zu unterstützen.
Keine Anita Idel auf dem Podium
Auch am Mittwochabend wurde der genannte Veganer-Propaganda-Film im Odeon in Brugg gezeigt. Auch hier war der Brunch im Anschluss an den Film vegan (übrigens ausgezeichnet von der geschmacklichen Vielfalt her). Doch das Programm unterschied sich in einem entscheidenden Punkt. Thomas Gröbly moderierte anschliessend eine Diskussion zwischen der Veganerin Sarah Heiligtag, die in der Ostschweiz einen sogenannten Lebenshof für «gerettete» Tiere führt, und der Tierärztin Anita Idel, Autorin des Buches «Die Kuh ist kein Klimakiller».
Idel verteidigte das Töten der Tiere durch den Menschen. Sie führte wortgewandt und durchaus streitlustig aus, wieviel Weidetiere zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und zur Bindung von Kohlestoff im Boden beitragen, und brachte die Veganerin Heiligtag argumentativ in schwere Bedrängnis. Diese ging auf die genannten Punkte so gut wie nicht ein, sondern wiederholte immerfort ihre Überzeugung, dass der Mensch in keiner Art und Weise berechtigt sei, Tiere als Nutztiere zu halten und zu töten. Anders als diese Woche ist am 8. April keine entschlossene Gegenstimme zum Veganismus ins Programm integriert.