Bauernverband: Billige Schuldzuweisungen einzelner Akteure

Der Bauernverband ist besorgt über die aktute Frankenstärke und versteht die Sorgen der verschiedenen Branchen. Die Landwirtschaft sei aber selber stark betroffen und findet die Attacken von einzelnen Personen und Lebensmittel-händlern müssig und ungerechtfertigt.

Reto Blunier |

Der Bauernverband ist besorgt über die aktute Frankenstärke und versteht die Sorgen der verschiedenen Branchen. Die Landwirtschaft sei aber selber stark betroffen und findet die Attacken von einzelnen Personen und Lebensmittel-händlern müssig und ungerechtfertigt.

Die Frankenstärke verursache grosse Probleme für die Exportindustrie und den Tourismus, schreibt der Bauernverband (SBV) in einem Communiqué am Mittwoch. Dass nun einzelne Akteure auf die Landwirtschaft einhämmern, verursacht in Brugg Kopfschütteln. Die Landwirtschaft leide selbst unter dem starken Franken und müsse mit Verlusten von mehreren Hundert Millionen Franken wegen mehr Käseimporten und dem Einkaufstourismus rechnen. Für die hohen Lebensmittelpreise seien die Bauern nur zu einem sehr geringen Masse verantwortlich.

Bolligers Angriff in der SF-Talkrunde „Der Club“

Verschiedene Konsumentenorganisationen prangern schon längere Zeit die hohen Preise der Importgüter grosser Industriekonzerne an. Statt die Währungsgewinne weiterzugeben, versickern diese in den Taschen der Importeure oder Grosskonzerne, so der allgemeine Tenor seitens der Detaillisten und Konsumentenorganisationen. Promarca, der Berufsverband der Markenartikelindustrie, hingegen moniert, dass die Preisnachlässe ihrer Mitglieder von den Detaillisten nicht weitergegeben würden.

Das Thema hoher Preise von industriellen Importgütern wie Pamperswindeln, Niveacrèmen, Haargels, Schokolade oder Waschmittel war Thema des TV-Talks „Der Club“ auf dem Schweizer Fernsehen in der vergangenen Woche. Der schwarze Peter wurde hin und her geschoben, niemand wollte für die hohen Preise verantwortlich sein. Migros-Chef Herbert Bolliger verkündete nicht ohne Stolz, dass sich die Migros mit einigen Unternehmen auf tiefere Einstandspreise einigen konnte und deshalb eine Auslistung wie bei Konkurrent Coop kein Thema mehr sei.

Coop relativiert

Plötzlich machte Bolliger aber einen Schwenk und griff zum Frontalangriff auf die Schweizer Landwirtschaft über. „Man kauft ja nicht jeden Tag eine Niveacrème. Viel wichtiger sind die Güter des täglichen Bedarfs wie Gemüse, Milch oder Fleisch“, sagte Bolliger. So sei Fleisch bis zu dreimal teurer als im Ausland. Man müsse diese Preise endlich senken und deshalb ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU anstreben. Dies sei aber vor den Wahlen unpopulär. Schweizer Produkte hätten einen Mehrwert, aber wie hoch dieser sein soll, wusste der Migros-Chef nicht zu beantworten.

Die Talkrunde kam aber auch zum Schluss, dass dieselben Preise wie in der EU nicht erreicht werden können, da ja ein Migros-Angestellter auch dreimal mehr Lohn beziehe. Ein Absenken der Preise auf EU-Niveau würde sich unweigerlich auf die Löhne auswirken.
Coop-Marketingchef Peritz hingegen sagte, dass es nicht das Ziel sein könne, die Schweizer Landwirtschaft auszuhöhlen. Denn in der Schweiz würden Produkte mit hoher Qualität und strengen Tier- und Umweltschutznormen hergestellt. Dies dürfe man nicht aufs Spiel setzen.

Auch bei Gratisabgabe der Rohstoffe ist die Schweiz teurer

Der Bauernverband findet die Kritik der Migros, einzelner Politiker und der Hotel- und Gastrobranche, dass die Landwirtschaft für die hohen Lebensmittelpreise verantwortlich sei, billig und enttäuschend. „Abgesehen davon, dass die Preisunterschiede bei den Lebensmitteln nicht ausgeprägter sind, als bei anderen Gütern wie Kosmetika, elektronischen Geräten oder Autos, machen die landwirtschaftlichen Rohstoffe in einem Lebensmittel noch rund einen Viertel des Verkaufspreises aus. Der Rest bleibt in den nachgelagerten Stufen hängen”, betont der Bauernverband. Auch die Löhne dürften die Produkte gegenüber dem Ausland massiv verteuern.

Der SBV rechnet vor, dass ein Kilo Schweinefleisch im Grosshandel 12 Franken kostet, im Regal der Läden aber rund 30 Franken zu stehen kommt. Umgerechnet koste ein Schweinssteak auf dem Teller Fr. 1.50. „Wollen die Gastronomen im Ernst behaupten, dass ihnen die Kunden ausbleiben, weil sie dafür 50 Rappen mehr ausgeben als ihre deutsche Konkurrenz? Die Schweizer Bauern könnten ihre Rohstoffe kostenlos abgeben, die Lebensmittel wären für die Konsumenten immer noch teurer als im Ausland“, so die deutliche Antwort des Bauernverbandes.

Die Schweizer Bauern würden einen qualitativen Mehrwert in Sachen Ökologie und Tierschutz leisten. Der SBV wehrt sich, dass die Bauern die Sündenböcke sein sollen. „Wer im Glashaus sitzt, sollte keine Steine werfen“, so die mahnenden Worte in der Mitteilung.

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Geht Ihr holzen?

60.1 % Ja
24.9 % Nein
7.5 % Weiss noch nicht
7.5 % Habe keinen Wald

Teilnehmer insgesamt 213

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?