Detailhandel: Darum zieht sich der Preisüberwacher zurück

Preisüberwacher Stefan Meierhans sieht nach einer Marktbeobachtung keine hinreichenden Hinweise auf einen Preismissbrauch im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel. Deshalb hat er entschieden, die 2023 gestartete Marktbeobachtung abzuschliessen.

blu/sda |

Ausgehend von einer Vorabklärung zu den Preisen von Bio-Lebensmitteln leitete der Preisüberwacher im Herbst 2023 eine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmittel-Detailhandel ein, die sich nicht auf das Bio-Segment beschränkte. «Die Marktbeobachtung hat gezeigt, dass die Marktkonzentration im Schweizer Lebensmitteldetailhandel als hoch zu qualifizieren ist», heisst es im jüngsten Newsletter.

Sehr hohe Bruttomargen

Die Markteintritte von Aldi und Lidl in den Jahren 2005 beziehungsweise 2009 hätten den Preiswettbewerb im Discounter-Segment verstärkt. Die Marktstruktur und die Marktkonzentration seien jedoch nicht grundlegend verändert worden. Er könne nach wie vor nicht ausschliessen, dass Coop und Migros im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel «eine kollektiv marktbeherrschende oder mindestens marktmächtige Stellung einnehmen», so Stefan Meierhans.

Der Schweizer Lebensmittel-Detailhandel zeichne sich durch sehr hohe Bruttomargen aus, heisst es im Newsletter weiter. Die im Rahmen der Marktbeobachtung erhobenen Daten wiesen aber nicht darauf hin, dass diese auf unangemessen hohe Gewinne der Detailhändler zurückzuführen seien. «Die Gewinnmargen (Nettomarge) und Kapitalrentabilität des Schweizer Lebensmittel-Detailhandels sind mit jenen des europäischen Lebensmitteldetailhandels vergleichbar», schreibt der Preisüberwacher.

Gibt Potenzial für Preissenkungen

Die hohen Bruttomargen erklärten sich mit hohen Betriebskosten respektive damit, dass die Effizienz des Schweizer Lebensmittel-Detailhandels im Vergleich zum Ausland tiefer sei. Die geringere Effizienz ist gemäss Preisüberwacher auf Faktoren wie dem allgemeinen Kostenniveau, den Präferenzen der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sowie kostentreibender Regulierung zurückzuführen.

Meierhans schliesst aber nicht aus, dass die geringere Effizienz auch ein Ergebnis der oligopolistischen Struktur des Marktes und – damit zusammenhängend – dem geringeren Preisdruck im Schweizer Lebensmitteldetailhandel ist. Er verweist auf die Preissenkungsrunden im Detailhandel seit Herbst 2024 – beispielsweise das 99-Rappen-Pfünderli oder die Tiefpreise. «Offenbar gibt es im Schweizer Lebensmitteldetailhandel ein bisher unausgeschöpftes Potenzial für Preissenkungen», schreibt der Preisüberwacher im Newsletter.

«Marktstruktur ändert sich nicht»

Den Preiswettbewerb begrüsst Meierhans. Er rechnet mit einem weiteren, aber sehr langsamen Wachstum von Aldi und Lidl. An eine grundlegende Änderung der Marktstruktur glaubt er hingegen nicht. «Ausserhalb des Discount-Segments werden Coop und Migros den Markt auch weiterhin dominieren», stellt er klar.

Für eine weitere Preismissbrauchsabklärung fehlen ihm aber «hinreichende Hinweise auf einen Preismissbrauch.» Deshalb hat der Preisüberwacher entschieden, die Marktbeobachtung abzuschliessen.

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