Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) organisierte am Dienstag ihre traditionelle Pressefahrt der Schweizer Fleischwirtschaft 2011. Eines der Themen war die Swissness und die Exportproblematik von Schweizer Fleisch aufgezeigt am Beispiel von Bündnerfleisch.
Klar ist damit: Der SFF wollte gegen die bundesrätliche Swissness-Vorlage und die vorläufigen Beschlüsse der nationalrätlichen Rechtskommission Stimmung machen. Denn diese beschloss vor zwei Wochen, in den Grundsätzen dem Bundesrat zu folgen: Für das Schweizer Kreuz sollen 80% Schweizer Rohstoffe notwendig sein.
Wasser auf Mühlen des SSF
Die Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) bedeutet Wasser auf die Mühlen des SFF. Denn in ihr steht in Bezug auf die Swissness-Vorlage geschrieben: „Bündnerfleisch zum Beispiel müsste demnach zu mindestens vier Fünfteln von Schweizer Kühen stammen“.
„Es gibt aber nicht genug Schweizer Fleisch um die Produktion zu decken, sagte SFF-Präsident Rolf Büttiker.“ Diese Passage der sda-Meldung wurde etwa von NZZ-Online übernommen.
Bündnerfleisch darf auch mit brasilianischem Fleisch Schweizer Kreuz zeigen
Richtig ist: Das Bündnerfleisch, das heute zu rund zwei Dritteln aus ausländischem Rohstoff hergestellt wird, ist kein Argument gegen die bundesrätliche Swissness-Vorlage. Denn die Botschaft enthält eine Ausnahme für IGP-Produkte, die vor Inkrafttreten der Swissness-Vorlage registriert worden sind. Da das Bündnerfleisch IGP bereist registriert ist, dürfte es weiterhin mit dem Schweizer Kreuz ausgezeichnet werden, auch wenn es aus ausländischem, beispielsweise brasilianischem, Rindfleisch hergestellt worden ist.
Das Bündnerfleisch kann gegen die Swissness-Vorlage also nicht ins Feld geführt werden. Warum fand der Anlass also in Graubünden statt? Warum wurden gerade dort zwei Fleischtrocknereibetriebe besichtigt? Der Anlass hätte ja auch in den Kantonen St. Gallen/Appenzell stattfinden können, wo das Aushängeschild Appenzeller Mostbröckli direkt von der Swissness-Vorlage betroffen wäre. Vermutlich nicht nur, weil es im Kanton Graubünden eine ganze Reihe fleischverarbeitender Industrien gibt, die neben dem Bündnerfleisch diverse weitere Spezialitäten produzieren.
SFF hat nicht interveniert
Denn das Bündnerfleisch ist so bekannt, dass sich mit ihm am leichtesten Schlagzeilen gegen die Swissness-Vorlage generieren lassen, wie das Beispiel NZZ-Online beweist. Zumindest ein Mitarbeiter der sda hat die Ausführungen von Rolf Büttiker so interpretiert, dass mit der Swissness-Vorlage das Bündnerfleisch in Zukunft zwingend mit Schweizer Rohstoffen produziert werden müsste. Und der SFF hat bei der sda nicht interveniert und die Meldung korrigieren lassen, weil die Falschmeldung zu seinen Gunsten ausfiel.
Der von der beteiligten PR-Agentur zugesandte Redetext von Rolf Büttiker zeigt, dass er die Ausnahme für vorher registrierte IGP erwähnt hat. Allerdings sagte er laut Redetext nicht, die bundesrätliche Vorlage enthalte diese Ausnahme, sondern er sprach diesbezüglich von verschiedensten Ausnahmeregelungen, die „diskutiert wurden und werden“. Später in der Ansprache bemühte er prompt das Beispiel Bündnerfleisch und rief aus: „Denn Hand aufs Herz, haben Sie nicht gerade heute morgen gesehen, dass für die hohe Qualität eines Endproduktes wie dem Bündnerfleisch nebst dem Rohmaterial auch die Verarbeitung und die Veredlung matchentscheidend sind?“
Das ist die Sichtweise des SFF, für den die Herkunft des Rohstoffes überhaupt keine Bedeutung haben soll. Essen tut man aber schliesslich das Fleisch selbst und nicht die Verarbeitungstechnik.