Die Schweizer Landwirte sind beim Erhalt der Bodenfruchtbarkeit in der Pflicht und nicht in der Kür.
Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, hielt am diesjährigen Zuger Bauerntag ein Referat zum Thema «Zukunft der Schweizer Landwirtschaft». Viele Bauern interessierten sich für das Thema und füllten den Heinrichsaal in Hünenberg bis auf den letzten Platz.
Zuger Bauern erhalten 10% weniger Direktzahlungen
Lehmann sprach sich für die «Multifunktionalität» der Schweizer Betriebe aus und erteilte der industriellen Landwirtschaft eine Absage. Die heutigen tierbezogenen Beiträge würden in «Versorgungssicherheitsbeiträge» umgewandelt. Damit sind sie nicht mehr an die Tierzahl, sondern an die Betriebsfläche gekoppelt.
Roger Bisig, Leiter des Landwirtschaftsamtes, schätzt, dass die Zuger Bauern damit rund zehn Prozent weniger Direktzahlungen generierten. Im Einzelfall könne es jedoch bedeutend mehr sein. In diesem Jahr würden die Fehlbeträge noch durch sogenannte «Übergangsbeiträge» ausgeglichen. «Die Beiträge fliessen jedoch künftig nicht mehr so ohne Weiteres, und die Bauern müssen auf spezielle Programme, beispielsweise Biodiversität oder tierfreundliche Produktionsformen, setzen», meinte Bisig.
Hohen Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel
Referent Bernard Lehmann stellte fest, dass trotz steigenden Direktzahlungen die landwirtschaftlichen Einkommen der Betriebe in den letzten zehn Jahren auf tiefem Niveau stagniert hätten. Er machte dafür unter anderem die hohen Kosten der landwirtschaftlichen Betriebsmittel verantwortlich. Dabei liess er die Frage offen, ob hier nicht auch Kartelle die Hände im Spiel hätten.
Ein Vertreter der Organisation Fenaco widersprach dieser Vermutung. «Unsere Firma generiert keine höheren Margen, sondern wirtschaftet in der Schweiz in einem höheren Preisumfeld», begründete er die Preise. «Es bleibt uns kaum mehr Geld für Investitionen, obwohl wir oft 15 bis 16 Stunden arbeiten», sagte ein Bauer in der Diskussion.
Diskussion um Direktzahlungen
«Der Preistrend für landwirtschaftliche Produkte zeigt weltweit nach oben», stellte Bernard Lehmann fest. Diese Entwicklung gründe nicht nur in einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln, sondern auch in einer weltweit abnehmenden Ertragsfähigkeit von Böden. «Auch die Schweizer Landwirte sind beim Erhalt der Bodenfruchtbarkeit in der Pflicht und nicht in der Kür», stellte Lehmann fest.
Für ausgiebige Diskussionen sorgte die Frage, ob alle Direktzahlungsbeiträge auch bei den Bauern «ankommen» oder ob sie vom nachgelagerten Handel für unzählige Programme im Lebensmittelsektor abgeschöpft werden. «Die grünen Direktzahlungen dürfen nicht für alles herhalten, sondern gehören dem Landwirt als Leistungserbringer», stellte Bernard Lehmann abschliessend fest.