In einer mehrteiligen Serie stellen wir Ihnen Junglandwirtinnen und Junglandwirte vor. In Teil 5 stellen wir Ihnen ein Personengesellschaft mit zwei Betrieben und drei Familien vor. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist Vertrauen unabdingbar, betonen Marcia und Nik Peterhans aus Niederrohrdorf AG. Und die Zuständigkeitsbereiche sind klar geregelt.
Das junge Paar ist sich einig: „Es funktioniert super. Für uns kommt nichts anderes in Frage als eine betriebliche Zusammenarbeit. So reduziert sich unsere Arbeitsbelastung, jedes zweite Wochenende haben wir frei und auch Ferien sind kein Problem.“
„Agrar“ und „Innovation“
Marcia und Nik Peterhans führen gemeinsam mit Josiane und Samuel Imboden sowie Niks Eltern, Vroni und Thomas Peterhans, die einfache Gesellschaft agrino, ein Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen, Mutterkühen, Ackerbau und Stromproduktion. Der Name ist eine Kombination der Wörter „Agrar“ und „Innovation“. Thomas Peterhans arbeitet 70 Prozent als Buschauffeur, Nik Peterhans etwa 30 Prozent auf dem Bau. Sämtliche Einkommen und Erlöse fliessen zu agrino.
Ende Jahr wird nach Anzahl Arbeitsstunden abgerechnet. Woher das Geld kommt, spielt dann keine Rolle: Jede Stunde Arbeit – auch extern – zählt gleich viel. Einen fixen Monatslohn haben nur der Lehrling sowie der Vater von Samuel, die ebenfalls auf dem Betrieb mitanpacken. Alle Frauen helfen auf Stundenlohnbasis mit.
Gegenseitig vertrauen
Hört man Marcia und Nik Peterhans zu, drängt sich die Frage auf, warum man diese Form der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft nicht viel öfters findet. Es gibt Faktoren für das Funktionieren, wie der Junglandwirt erklärt: „Man muss sehr gut miteinander auskommen und sich gegenseitig vertrauen. Jeder schreibt seine Stunden selber auf, Kontrollen gibt es nicht.“ Seit 1974 arbeiten die Familien Peterhans und Imboden bereits zusammen, so dass der Nachwuchs, Nik und Samuel, gar nichts anderes kennen. Trotzdem sei die Beziehung zwischen Kollege und Geschäftspartner eine Gratwanderung.
Bei ihnen ist hilfreich, dass ihre Zuständigkeitsbereiche klar zugeteilt sind. Um die Mutterkuhhaltung, den Fleischverkauf und die Betreuung der Biogasanlage kümmert sich Nik Peterhans. Samuel Imbonden ist verantwortlich für die Milchkühe und den Ackerbau. Peterhans hat eben die Ausbildung zum Meisterlandwirt abgeschlossen. Bei den Schlussprüfungen im Bereich Ackerbau war es für ihn deshalb schwieriger, weil er damit auf dem Betrieb kaum etwas zu tun hat. „Weil jeder andere Kompetenzen hat, reden wir einander nicht rein.“
Breitere finanzielle Basis
Dafür dauern Entscheide bei agrino länger, denn diese fällen sie nur einstimmig. Schnellschüsse gibt es so weniger. Ein wichtiger Entscheid war der Kauf eines Landwirtschaftsbetriebs von 15 ha mit Mutterkuhhaltung im Nachbarsdorf Anfang 2015. Sie mussten für den Betrieb den Verkehrswert zahlen.
Das wollte gut überlegt sein, denn der Hof war nicht selbsttragend. Die Vorbesitzer gingen aus-wärts arbeiten. „Unsere Personengesellschaft gibt uns eine breitere finanzielle Basis, so dass wir uns das Risiko eingehen konnten“, so Nik Peterhans.
Standbein Strom
Ein wesentliches Standbein von agrino ist die Stromproduktion. Seit 2005 produzieren sie Ökostrom aus Biogas. Als Material kommen die eigenen Hofdünger, aber auch anderes Biomaterial von ausserhalb, wie Getreideabgang oder Gemüse-Rüstabfälle, zum Einsatz. Seit knapp zwei Jahren produzieren sie zusätzlich über eine Photovoltaikanlage auf den Betriebsgebäuden Strom. Die Einnahmen aus den total rund 1.26 Millionen kWh pro Jahr machen – nicht zuletzt dank der kostendeckenden Einspeisevergütung – einen grossen Teil des Einkommens von agrino aus.
„Dank unserer Arbeit als Energiewirte sind wir weniger von den Direktzahlungen und der Agrarpoli-tik abhängig als andere Betriebe.“, erklären Marcia und Nik Peterhans. Dass die beiden einmal ei-nen Bauernhof führen, war nicht immer klar. Nik Peterhans lernte zuerst Polymechaniker und machte später die Zweitausbildung zum Landwirt, Marcia Peterhans hatte gar keinen Bezug zur Landwirtschaft.
Doch nun schätzen sie ihren vielseitigen Beruf in und mit der Natur, dem sie eine grosse Bedeutung für die Zukunft attestieren. „Einmal im Leben brauchst du einen Arzt, einen Anwalt oder einen Pfarrer, aber dreimal am Tag brauchst du einen Landwirten“, meint Marcia lächelnd.
Betriebsspiegel
Grösse & Produktionsart: 61 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (ÖLN & IP Suisse)
Zone: Talzone
Kulturen: 30ha Wiesen & Weiden, 22ha Ackerkulturen (Winterweizen zur Saatgutproduktion, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Zuckermais, Sonnenblumen, Raps), 9.5ha Ökofläche
Tiere: 40 Milchkühe, 12 Aufzuchttiere, 30 Mutterkühe mit Kälbern & Stier, 4 Pferde, 3 Ponys, 30 Bienenvölker
Spezielles: Biogas- und Photovoltaikanlage (1.26 Mio. kWh/Jahr Stromproduktion)
Strategie: Personengesellschaft mit zwei Betrieben und drei Familien
www.agrino.ch