Ein neues Kernkraftwerk sei kurz- und mittelfristig nicht realistisch, heisst es von der BKW auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.
Für BKW keine Option
«Die Rahmenbedingungen für ein neues Kernkraftwerk sind aktuell aus wirtschaftlichen Gründen und angesichts der fehlenden stabilen gesellschaftlichen Akzeptanz nicht gegeben.» Daher komme es für die BKW «nicht in Frage, ein neues Kernkraftwerk zu bauen», so die Berner Stromproduzentin. In der Schweiz fokussiere das Unternehmen im Bereich der Kernkraft auf die Sicherung des Langzeitbetriebs von Leibstadt und Gösgen.
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«Mit einem sicheren Betrieb dieser beiden Kernkraftwerke erhält die Schweiz genügend Zeit, um den Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion voranzutreiben und die Versorgungssicherheit der Schweiz langfristig und auch im Winter zu sichern», so die BKW.
Staat müsste alle Risiken übernehmen
Auch für die beiden grössten Schweizer Energiekonzerne Alpiq und Axpo stellt sich die Frage eines Neubaus aktuell nicht. Sollten neue Kernkraftwerke in der Schweiz gebaut werden, wären dafür stabile politische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen notwendig, heisst es von Alpiq. «Eine staatliche Unterstützung wäre also unumgänglich.»
Der Staat müsste «politische, regulatorische und finanzielle Risiken» vollständig übernehmen, sagt auch Axpo. Wichtig sei, dass – wie heute im Gesetz vorgesehen – die bestehenden Kernkraftwerke möglichst lange betrieben werden können. «Das wäre die günstigste Option für grosse Mengen an Winterenergie und würde der Schweiz Zeit verschaffen für den Ausbau der anderen Technologien», so Axpo.
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Europäische Projekte zu teuer
Eine jüngst veröffentlichte Studie der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts (PSI) kommt zum Schluss, dass sich neue AKW unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht rechnen würden. Die Wettbewerbsfähigkeit wäre nur erreichbar, wenn Kernenergie staatlich unterstützt würde und der Staat einen Teil der Risiken tragen würde.
Die Baukosten wären nach den Modellrechnungen der Untersuchung höchstens mit rund 8000 Franken pro Kilowatt installierter Leistung wirtschaftlich. Ein Kraftwerk in der Grössenordnung von Gösgen würde dann rund 8 Milliarden Franken kosten. Die jüngsten europäischen Projekte mit vergleichbarer Grösse liegen bei rund 12 Milliarden Franken.
Die Studie komme zu den gleichen Schlüssen wie die «Axpo Energy Reports», die der grösste Schweizer Energiekonzern im März veröffentlicht habe und welche unter anderem auch in Zusammenarbeit mit der ETH und dem PSI entstanden seien. Reine Baukosten unter 8000 Franken ohne Finanzierungskosten seien grundsätzlich nicht auszuschliessen, so die Axpo zu AWP. Abhängig von den Rahmenbedingungen und Annahmen liegt die errechnete Spanne des Unternehmens zwischen 7100 Franken und 9680 Franken.
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Referendum Anfang 2027
In der Schweiz ist der Bau eines neuen Atomkraftwerks derzeit verboten, soll laut Bundesrat und Parlament aber wieder möglich werden. Ende Juni wurde von einem breiten Bündnis von Gegnern das Referendum gegen den Entscheid lanciert.
Voraussichtlich im Februar 2027 dürfte die Stimmbevölkerung entscheiden, ob das Verbot abgeschafft wird. 2017 stimmte die Bevölkerung gegen einen Neubau, indem sie das revidierte Energiegesetz mit 58 Prozent der Stimmen annahm.
