
Das Grillfest mit Würsten vom eigenen Hof auf die Gemeinschaftsgastronomie ausweiten. Diese Idee steckt hinter dem Projekt «lokal+fair».
Susanne Künsch
In der öffentlichen Verpflegung der Schweiz weht ein frischer Wind. Angelehnt an die «Planetary Health Diet 2.0» der EAT-Lancet-Kommission, streben Städte wie Zürich und Basel ambitionierte Ziele an. Höhere Bio-Quoten, Fleisch aus tiergerechter Haltung und vor allem Produkte aus der direkten Umgebung sollen zum Standard werden. Wie der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) mitteilt, scheitert die Umsetzung oft nicht am Willen, sondern an der Logistik.
Hier setzt der Verein mit seiner am Freitag lancierten Kampagne 2026 an. Das Projekt «lokal+fair» übernimmt die Rolle des Vermittlers, um die oft komplexen Lieferketten zwischen Feld und Kantine zu schliessen. «Die Herausforderung besteht darin, lokale Zulieferer mit den Verpflegungsinstitutionen zu verknüpfen und Lieferbeziehungen zu etablieren», sagt Stefan Flückiger, Geschäftsleitender Präsident des FMS.
Vorbild Uster: Genuss statt Verzicht
Dass dieses Modell funktioniert, zeige das Beispiel der Stadt Uster. Dort wurde bereits erfolgreich vorgemacht, was nun schweizweit Schule machen soll. In den städtischen Heimen und Sportanlagen kommen Fleisch von der lokalen Metzgerei und Brot vom Bäcker aus dem Quartier auf den Tisch.
Mit «lokal + fair» die lokale Wertschöpfung steigern
lokal+fair ist ein Projekt von Faire Märkte Schweiz mit dem Ziel, die lokalen Bäuerinnen und Bauern, Verarbeitungsbetriebe und das Gewerbe fair für ihre Produkte zu entschädigen und Gemeinden dazu zu motivieren den lokalen Absatz zu fördern. Damit soll die Wertschöpfung in den Gemeinden gesteigert werden. Also möglichst direkt und fair von den Produzentinnen und Produzenten zu den Konsumentinnen und Konsumenten. FMS
Dabei gehe es den Verantwortlichen um weit mehr als nur Ökobilanzen. Stefan Tobler, Leiter der Heime Uster, betont den qualitativen Aspekt der Umstellung. «Lokale und dadurch frische, saisonale Produkte sind nicht nur nachhaltiger, sondern auch schmackhafter und gesünder», sagt Tobler.

Stefan Flückiger ist Geschäftsführer von Faire Märkte Schweiz FMS und Initiant des Projektes «lokal + fair».
Jürg Vollmer
«Ein Gewinn für das lokale Gewerbe»
Gerade in sensiblen Bereichen wie Kitas und Altersheimen biete die Abkehr von industriell hergestelltem Convenience-Essen (z.B. Tiefkühlpizza, Instant-Nudeln) einen enormen Mehrwert. Durch die kurzen Wege wird die Frische garantiert und gleichzeitig das lokale Kleingewerbe gestärkt.
-> So haben sie Wertschöpfung in eigenen Händen
Obwohl die individuelle Vernetzung von Produzenten und Betrieben einen hohen Koordinationsaufwand bedeutet, zeigt sich die Vereinsleitung überzeugt vom langfristigen Nutzen. «’lokal+fair’ hilft dabei, Zulieferer mit Verpflegungsbetrieben zu verknüpfen, holt Bedürfnisse ab und sorgt für massgeschneiderte Lösungen. Das ist aufwendig, klar, aber es lohnt sich doppelt und dreifach», zeigt sich Flückiger überzeugt.